Der Ost-Fußball ist ein Spiegelbild der Gesellschaft. Durch fortschreitende Abwanderung sind die unteren Ligen gefährdet.

Der Sport und speziell der Fußball sind seit jeher auch ein Spiegelbild der Gesellschaft.

Das gilt in positiven Aspekten, zum Beispiel Fairness, Gerechtigkeit oder Überwindung von geographischen oder religiösen Grenzen und Vorurteilen, aber auch in negativen.

Der Fußball muss sich ebenfalls mit gesellschaftlichen Problemen auseinandersetzen. Ähnlich wie im täglichen Leben liegt diesbezüglich im Osten der Republik noch viel im Argen.

Von fehlender Wirtschaftskraft und notgedrungener Abwanderung junger Menschen sind aber nicht nur die an dieser Stelle meist betrachteten Traditionsklubs aus Magdeburg, Chemnitz oder Jena betroffen.

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In Mitteldeutschland zahlen vor allem die kleinen Amateurvereine heute die Zeche für politisches und soziales Versagen der regionalen und nationalen Entscheidungsträger.

Mangels beruflicher Perspektiven verlieren Sachsen-Anhalt, Thüringen und große Teile Sachsens nach wie vor immer mehr Einwohner - seit 1990 sind es inzwischen über zwei Millionen.

Neben den düsteren gesellschaftlichen Auswirkungen dieses in alarmierendem Maße fortschreitenden Ausblutens vor allem ländlicher Gebiete leidet natürlich auch der Spielbetrieb bis hinunter in die Kreisklassen.

Allein zwischen 2010 und 2013 mussten in den drei mitteldeutschen Bundesländern 72 Vereine diesen nackten Existenzkampf aufgeben und es verschwanden 400 Mannschaften von der Bildfläche.

Dabei ist die Ursache mitnichten am nachlassenden Interesse festzumachen. Das TV-Interesse an Dritter Liga und Regionalliga Nordost, ist hier im bundesweiten Vergleich im Spitzenbereich anzusiedeln.

Das Zuschauerinteresse bis in die untersten Ligen hinein ist vorhanden, aber es fehlt schlicht an Nachwuchs bei Spielern und Schiedsrichtern.

Das Allheilmittel der Verbände ist die Spielgemeinschaft, die aber bei seit Jahrzehnten rivalisierenden Dorfklubs oftmals nicht gut ankommt und auch keine langfristige Lösung darstellt.

"So eine Spielgemeinschaft ist für mich ein Sterben auf Raten, weil man über seinen Verein nicht mehr selbst entscheiden kann. Das geht zwei Jahre und dann interessiert sich keiner mehr für deinen Verein", sagt Vereinsvorsitzender Sandro Köhler vom SV Göritz dem "MDR".

Von DFB und Co. ist wenig Hilfe zu erwarten, denn selbst große Namen wie unlängst der Hallesche FC stoßen mit Forderungen nach mehr Unterstützung für den Ost-Fußball auf taube Ohren.

Denn die fehlende Präsenz von Halle oder Jena in den Topligen oder gar im internationalen Geschäft sorgt für ein weiteres Problem.

In kaum einer Region gibt es so viele Fans ohne regionale Bindung. Die beliebtesten Klubs sind die Bundesliga-Schwergewichte Bayern München, Schalke 04 oder Borussia Dortmund.

Da der Großteil des Spielbetriebs in den unteren Ligen aber nach wie vor am Samstagnachmittag stattfindet, entscheiden sich mehr und mehr Leute statt für den aktiven lieber für den passiven Fußball-Genuss.

Eine Verlagerung auf den in westlichen Bundesländern durchaus üblichen Sonntagvormittag könnte zumindest teilweise helfen.

Aber grundsätzlich gilt: Werden die gesellschaftlichen Probleme weiterhin ignoriert oder unzureichend angepackt, wird auch die Kraft des Fußballs ein Ausbluten der kleinen Dorfvereine nicht verhindern.

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