Neustrelitz und Trainer Brdaric mischen die Regionalliga auf. Sie bilden den Gegenpol zu den bekannten Namen in der Liga.

Fast hätte auch die TSG Neustrelitz in dieser Woche noch im DFB-Pokal mitspielen dürfen.

Bis in die zweite Halbzeit der Verlängerung hatte der Viertligist in der ersten Runde gegen den SC Freiburg ein 0:0 gehalten, ehe er in den letzten sieben Minuten zwei Gegentore hinnehmen musste.

Viel Grund zur Trauer haben sie in Neustrelitz dennoch nicht. Seit Saisonbeginn lehren die Kicker aus der beschaulichen Kleinstadt in Mecklenburg den großen Traditionsklubs in der Regionalliga Nordost das Fürchten.

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Jena, Leipzig, Zwickau, Magdeburg - zusammen sieben Mal Meister in der DDR-Oberliga und über viele Jahre im Europapokal dabei - können derzeit von einer Erfolgsserie a la Neustrelitz nur träumen.

Im Gegenteil. Die Spieler des 1. FC Magdeburg dürften heute noch Alpträume haben, nachdem ihnen die Neustrelitzer am vergangenen Wochenende in der vierten Minute der Nachspielzeit das 2:1 eingeschenkt hatten.

Seitdem steht die Mannschaft, die erst 2012 in die vierte Liga aufgestiegen ist, auf Platz zwei der Tabelle - weit vor den eigentlichen Favoriten in der Staffel.

Doch während in Jena neulich schon wieder der Trainer gehen musste und in Magdeburg der Kapitän suspendiert wurde, gehen sie in Neustrelitz unaufgeregt ihrer Arbeit nach.

Wesentlichen Anteil am derzeitigen Erfolg hat ein alter Bekannter aus der Bundesliga. Thomas Brdaric trainiert seit Saisonbeginn die TSG zusammen mit seinem Assistenten Marco Weißhaupt, in seiner aktiven Zeit sowohl in der DDR als auch im vereinten Deutschland in der obersten Spielklasse dabei.

Brdaric brachte es auf acht Länderspiele im DFB-Trikot. Bis heute kennt man ihn aber vor allem als Leverkusener Würge-Opfer von Bayern-Keeper Oliver Kahn, der ihm vor gut zehn Jahren bei einem Bundesliga-Spiel bedrohlich an die Gurgel ging.

Als Trainer musste er den Umweg über das weißrussische Minsk und Taschkent in Usbekistan nehmen, um auch in Deutschland Fuß zu fassen.

In gewisser Weise hat auch sein neuer Verein in der Vergangenheit einige Umwege nehmen müssen. In der DDR reichte es ab und an mal zur Zweitklassigkeit, doch zu Hause waren sie vor und nach der Wende eher in den unteren Ligen.

Brdaric will in Neustrelitz attraktiven Offensiv-Fußball spielen, mit mehreren Systemen und aktiv gegen den Ball. Die Bezeichnung "Geheimfavorit" lehnt er trotz des verheißungsvollen Saisonstarts ab.

Ein Ergebnis aus dem Landespokal in Mecklenburg unterstreicht, dass es auch für die TSG noch ein weiter Weg zur Konstanz auf hohem Niveau ist. In der zweiten Runde war beim Sechstligisten Anker Wismar nach Elfmeterschießen Endstation.

Damit findet in der nächsten Saison die erste Runde im DFB-Pokal auf jeden Fall ohne die TSG Neustrelitz statt.

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