DSF-Experte Udo Lattek schreibt in seiner Sport1.de-Kolumne über Schalker Nöte, mögliche Retter und Herthas Höhenflug.

Hallo Fußball-Freunde,

Eine Pleite in Wolfsburg, Tabellenplatz acht: Der FC Schalke 04 kommt einfach nicht zur Ruhe.

Mittlerweile festigt sich bei mir die Erkenntnis, dass der Verein Opfer der eigenen Eitelkeiten geworden ist. Und so lange sich dort die Führungsriege nicht zurücknimmt, wird dort immer Chaos herrschen.

Ich verstehe nicht, dass Aufsichtsratschef Clemens Tönnies Manager Andreas Müller befohlen hat, den Trainer Fred Rutten rauszuschmeißen, um dann wenig später Müller selbst rauszukegeln, nachdem er seiner Forderung nicht nachgekommen ist.

Und jetzt soll dieser Trainer den Kader für die kommende Saison aufstellen? Das ist nicht Fisch und nicht Fleisch, auf Schalke kommt man von einem Extrem ins nächste. So lange diese ganzen Baustellen nicht abgearbeitet sind, wird die Mannschaft auch nicht gut spielen.

Ebenfalls nicht förderlich ist die Doppelbelastung für Rutten als Trainer und Interims-Manager. Er hat doch genügend Probleme, die Mannschaft dorthin zu führen, wo sie eigentlich hingehört und müsste sich jetzt deshalb auch primär um das Team kümmern.

Für das operative Geschäft der Kaderzusammenstellung für die kommende Spielzeit müsste man sich schnell einen kompetenten Mann ins Boot holen, der den Trainer entlastet.

Mit beiden Aufgaben wäre Rutten, der trotz allem im Umkreis als hervorragender Trainer gilt, überfordert. Aber wo soll man diesen starken Mann, den Retter, herholen? Ich wüsste nur einen, der das hinbekommen könnte, und das wäre Uli Hoeneß.

Obwohl dessen Bruder Dieter momentan mit seiner Hertha auch nicht schlecht da steht.

Was mich fasziniert: Berlin hat zwölf Punkte mehr als Bayer Leverkusen. Und das obwohl Bayer den besseren Fußball spielt!

Aber wie man sieht, zählt das attraktive Spiel nicht alleine. Hertha gewinnt 1:0, 1:0 und 2:1, Leverkusen schießt 36-mal pro Spiel aufs Tor und gewinnt nicht.

Hertha spielt unheimlich diszipliniert. Nach diesem Spieltag glaube ich auch daran, dass sie Meister werden kann, weil auch gegen Leverkusen wieder zwei entscheidende Dinge passiert sind.

Man wird nur Meister, wenn man auch Glück hat - und das haben sie jetzt in fast jedem Spiel. Nicht gegebene Elfmeter für den Gegner und solch ein Tor von Voronin. Das sind kleine Zeichen, die eindeutig für die Berliner sprechen.

Das wird auch der FC Bayern wissen, denn vier Punkte Rückstand können sehr viel sein, die muss man erstmal aufholen.

Dafür muss man auf einen Ausrutscher warten. Da kann sich Hertha auch mal ein paar Unentschieden oder sogar eine Niederlage erlauben, die Bayern werden auch nicht alle verbleibenden Spiele gewinnen.

Trotzdem: Berlin hat noch vier Heimspiele, die Bayern noch sechs. Hertha muss unter anderem noch nach Stuttgart, die ja sehr heimstark sind. Da ist also für die Bayern noch was drin. Ich würde nach wie vor auf die Bayern als Meister tippen.

Euer Udo Lattek

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