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Jochen A. Rotthaus ist der Cousin von Ex-Nationaltorwart Jens Lehmann © getty

Im zweiten Teil des Sport1.de-Interviews spricht Hoffenheims Geschäftsführer Rotthaus über den Fall Obasi und den Neid der Konkurrenz.

Sport1: Nicht nur Geld, aber auch?

Jochen A. Rotthaus: Entscheidend ist doch, was man mit Geld macht. Alleine schießt es keine Tore. Hier wurde nicht etwa ein Team zusammengekauft, sondern es hat sich nach oben entwickelt. Herr Hopp lässt vor allem dem Trainer Ralf Rangnick und mir ein hohes Maß an unternehmerischer Freiheit, mischt sich nicht ein und gibt einem ein sehr gutes Gefühl, aktiv gestalten zu können. Das wollen wir ihm doppelt und dreifach zurückgeben. Dass wir aus der Zweiten Liga gleich aufgestiegen sind ? hätten wir etwa Nein sagen sollen?

Sport1: Hatte der Überraschungsaufstieg denn auch Nachteile?

Rotthaus: Infrastrukturell ist es natürlich ein absoluter Kraftakt, was wir jetzt machen: Der Bau des neuen Stadions, der vorübergehende Umzug nach Mannheim, die Notwendigkeit eines neuen Ticketing-Systems und so fort ? das alles kommt nicht von alleine. Wir konnten uns den Ideal-Zeitpunkt für den Aufstieg ja nicht aussuchen. Das wäre auch vermessen gegenüber den anderen Vereinen.

Sport1: Apropos andere Vereine: Wie hat die Konkurrenz Ihren Aufstieg aufgenommen?

Rotthaus: Wir haben von anderen Bundesligateams viele Glückwunschschreiben bekommen ? aber leider hier und da auch Neid geerntet. Von den Menschen, die immer noch glauben, wir brauchen nur in den Keller zu gehen und wie Onkel Dagobert die Millionen zu holen. Viele Bundesligisten waren aber auch schon bei uns und wollten wissen, wie wir das machen.

Sport1: Vor Olympia war die TSG bereit, Angreifer Chinedu Obasi für die nigerianische Auswahl freizugeben. Warum haben Sie die potenzielle Schwächung zu Saisonbeginn in Kauf genommen?

Rotthaus: Wir hatten relativ früh von Repressalien für Obasi und seine Familie für den Fall erfahren, dass wir ihn nicht nach Peking gelassen hätten. Wir haben moralisch eine Entscheidung im Sinne des Spielers getroffen. Wir wollten vor den Sportgerichten auf keinen Fall einen Pyrrhussieg erzielen, sondern nach den Spielen lieber einen zufriedenen Spieler, der seine vollste Bereitschaft gibt.

Sport1: Der Saisonauftakt ist mit dem 3:0-Auswärtssieg in Cottbus gelungen, was wäre zum Ende der Spielzeit ein Erfolg für Hoffenheim?

Rotthaus: Natürlich backen wir als Newcomer erstmal kleine Brötchen, wollen uns gut präsentieren, viel lernen und alles mitnehmen, um in der ersten Liga zu bestehen. Ein gesicherter Klassenverbleib ohne Zittern und Abstiegssorgen wäre Wunsch, alles andere nicht seriös und vermessen.

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