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Der Franzose Michel Platini ist seit 2007 Präsident der UEFA © imago

Die UEFA erhebt wegen möglicher Manipulation Anklage gegen einen mazedonischen Klub. Ein Warnsystem soll Wettbetrug erschweren.

Kopenhagen - Die Stimme von Michel Platini wurde ernster und die Drohung war eindeutig.

"Ich werde gegen betrügerische Spieler vorgehen und dafür sorgen, dass sie von allen Aktivitäten im Fußball ausgeschlossen werden", sagte der Präsident der Europäischen Fußball-Union zum Abschluss des UEFA-Kongresses in Kopenhagen und legte nochmals detailliert seine Pläne vor allem für den Kampf gegen die Wettmafia dar.

Einführung eines Frühwarnsystems

Schließlich gehe es um die Zukunft des Fußballs. "Dies kann die Daseinsberichtigung unseres Sports gefährden. Wir müssen uns darum kümmern, ehe es zu spät ist", erklärte der 53-Jährige, der im Schulterschluss mit dem Weltverband FIFA zum großen Schlag gegen mögliche Spielmanipulationen ausholt.

Deshalb wird ein Frühwarnsystem im europäischen Fußball ab der kommenden Saison eingeführt, welches die Spiele der 1. und 2. Ligen sowie im Pokal in allen 53 UEFA-Mitgliedsverbänden überwacht. Die Kosten dafür trägt die UEFA.

"An der Wurzel allen Übels ansetzen"

"Es handelt sich damit um 27.000 Spiele, die wir überwachen. Dies kostet natürlich eine Menge Geld, aber wir sind fest entschlossen, alles zu unternehmen, um den Wettbetrug zu bekämpfen", äußerte UEFA-Generalsekretär David Taylor, "wir müssen an der Wurzel allen Übels ansetzen."

In die Installierung des Frühwarnsystems dürften viele Millionen Euro per annum investiert werden - die UEFA scheut sich bislang, genaue Summen zu nennen.

Anklage gegen mazedonischen Klub

In einem Fall ist die UEFA offenbar sogar fündig geworden. Es wurde am Donnerstag Anklage gegen den mazedonischen Klub FK Pobeda

erhoben. Betroffen ist der Vereinspräsident und ein Spieler, die unter dem Verdacht der Spielabsprache stehen. Dies teilte die UEFA mit.

Ermittelt wurde im Erstrunden-Qualifikationsspiel der Champions League zwischen FK Pobeda und FC Pjunik/Georgien am 13. Juli 2004. Die Kontroll- und Disziplinarkommission der UEFA wird sich am 17. April mit dem Fall befassen.

Im vergangenen Herbst hatte es Ermittlungen des europäischen Kontinentalverbandes wegen des Verdachts auf Manipulationen in 25 Spielen gegeben. Damals stand auch das Duell zwischen FK Mazedonia und Tscherno More Warna im Fokus der UEFA.

Viele Wetten in unteren Ligen

Platini ist sicher, dass durch das Frühwarnsystem rechtzeitig auf verdächtige Wetteinsätze bei Spielen hingewiesen werden kann.

Allerdings ist ein Problem damit immer noch nicht gelöst: Immer häufiger werden nicht mehr auf Spiele in den 1. oder 2. Ligen der nationalen Meisterschaften oder im Pokal ungewöhnlich hohe Wetten platziert, sondern in unteren Ligen.

So war es erst Mitte März beim Fünftliga-Spiel zwischen Werder Bremen III und dem FC Bremerhaven zu hohen Wetteinsätzen auf eine Niederlage der Bremerhavener gekommen. Es bestand der dringende Verdacht der Spielmanipulation.

Der Bremer Fußball-Verband (BFV) sagte das Spiel aufgrund der Hinweise der Kriminalpolizei kurzfristig ab. Die Drahtzieher - so vermutet die UEFA - sitzen häufig in Asien oder Osteuropa.

Korruption nicht überraschend

Platini ist sich darüber im Klaren, dass "der Fußball ein Spiegelbild unserer Gesellschaft ist. Wenn unsere Gesellschaft nicht korrupt wäre, wäre es der Fußball auch nicht".

Der Aufwand, den die UEFA ab der neuen Spielzeit betreibt, ist enorm. Taylor: "Wir wissen natürlich, dass es wahrscheinlich nur einige Spiele der 27.000 sind, aber wir wollen alles Menschenmögliche unternehmen, um diesem Problem Herr zu werden."

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