DSF-Experte Udo Lattek schreibt in seiner Sport1.de-Kolumne über Jürgen Klinsmann und die schwierige Lage bei 1899 Hoffenheim.

Hallo Fußball-Freunde,

die Tage an der Säbener Straße, dem Sitz der Geschäftsstelle des FC Bayern, sind turbulent wie eh und je.

Der gerade auch für mich schmerzlichen Schmach in der Champions League folgte ein klares 4:0 gegen Eintracht Frankfurt. Die Diskussionen um den Trainer halten an.

Ich habe nach dem Spiel im Camp Nou lange mit den Verantwortlichen der Vereinsführung zusammengesessen und geredet.

Die Tränen von Barcelona sind inzwischen getrocknet, das "Problem Klinsmann" aber noch lange nicht erledigt. Klinsmann bleibt angezählt!

Doch trotz allem behaupte ich: Bayern München wird Deutscher Meister.

Ich glaube schon, dass er in dieser Saison noch bleiben darf, wenn die nächsten Spiele überzeugend gewonnen werden und die Meisterschaft eingefahren wird. Verpasst er auch diesen Titel am Ende, wird er nicht bleiben.

Was mich unter anderem bei seinen Maßnahmen stutzig macht, ist: Warum hat Klinsmann kurz vor dem wichtigsten Spiel des Jahres den Torwart gewechselt? Das ist ein Risiko hoch drei!

Unklar bleibt: War Rensing das "Bauernopfer", das schwächste Glied, das weichen musste, oder kann es sein, dass sich Teile der Mannschaft gegen ihn ausgesprochen haben und sie eher Jörg Butt vertrauen? Ich denke, diese Möglichkeit besteht durchaus.

Insgesamt muss ich aber auch den Hut vor Klinsmann für seinen persönlichen Wandel ziehen. Am Anfang hat er sich gegenüber der Presse ja sehr zurückgezogen und dafür ein nicht besonders positives Feedback erhalten. Nun geht er in die Offensive. Das ist positiv.

Gar nicht gut ist derzeit 1899 Hoffenheim. Die Mannschaft hat total den Rhythmus und die Souveränität verloren.

Und dann passieren auch noch solche Platzverweise wie der gegen Carlos Eduardo und Daniel Haas. Das wäre in der Hinrunde nie passiert.

Hoffenheim ist jetzt die schlechteste Mannschaft, die jemals Herbstmeister wurde. Auch taktisch ist das alles haarsträubend.

Es ist nicht möglich, mit neun Spielern immer noch nur nach vorne zu spielen. Coach Ralf Rangnick muss sich ernsthaft Gedanken machen.

Man kann einer Mannschaft nicht immer den Stil aufzwingen, den man gerne spielen möchte, wenn man, wie aktuell in Hoffenheim, einfach nicht die Spieler dafür hat.

Euer Udo Lattek

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