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Gregor Grillemeier erzielte 35 Bundesliga- und 59 Zweitligatore © imago

Weil Sezgin Özhan auf dem Mannschaftsfoto seines Duisburger Bezirksligateams nicht ganz jugendfrei abgebildet wurde, droht ihm Ärger.

Von Martin van de Flierdt

München - Sezgin Özhan kann für sich in Anspruch nehmen, dass auf diese Idee vor ihm wohl noch niemand gekommen ist.

Der 23-Jährige vom Duisburger Bezirksligisten VfvB Ruhrort/Laar zog beim Mannschaftsfototermin in dem Moment grinsend den Rand seines linken Hosenbeins nach oben, als der Auslöser ging.

Über Humor lässt sich bekanntlich streiten. Dass der Streit ein größerer und einer öffentlicher Natur wurde, lag an einer Panne in der Redaktion einer auflagenstarken regionalen Tageszeitung.

In der Hektik kurz vor Redaktionsschluss ging unter, dass das Foto nackte Tatsachen abbildete.

Und so durften sich am folgenden Morgen sämtliche Leser ihr eigenes Bild von Özhans bestem Stück machen. "Sezgin hat sich einen kleinen Spaß erlaubt. Das hat ja auch kaum jemand gesehen", versuchte VfvB-Abteilungsleiter Hartmut Cordruwitsch den Vorfall herunterzuspielen.

Wohl vergeblich, denn die Kriminalpolizei nahm Ermittlungen wegen sittenwidrigen Verhaltens auf. Özhan wurde zudem per einstweiliger Verfügung von Staffelleiter Wolfgang Jades wegen "grob unsportlichen Verhaltens" für den Spielbetrieb des Fußballverbands Niederrhein gesperrt.

"Ich mache den Job jetzt seit 25 Jahren. Aber das ist schlimmer als jede Rote Karte", meinte Jades. Özhans Trainer Gregor Grillemeier, der zwischen 1978 und 1989 für den MSV Duisburg, Arminia Bielefeld und Hannover 96 insgesamt 149 Bundesligaspiele absolvierte, sah für einen Rauswurf des 23-Jährigen keinen Grund.

Özhan mit Daum verglichen

"Der Christoph Daum durfte doch auch koksen und jetzt wieder in der Bundesliga trainieren", zitierte ihn die "Rheinische Post". "Wenn ich ihn jetzt auf die Straße werfe, wer weiß, wem er dann einen vor den Kopf haut."

Auch Cordruwitsch meint, dass ein "Rausschmiss wohl nicht in Frage kommt".

Dimitrios Parcharidis, der Jugendobmann von Ruhrort/Laar, fordert nichtsdestotrotz deutliche Maßnahmen, weil Özhan seiner Vorbildfunktion für die Jugend des VfvB nicht nachgekommen sei. "Diese Geschichte ist sicher alles andere als optimal für den Verein. Ich würde eine harte Strafe aussprechen", sagte Parcharidis.

Vielsagende Betreffszeile

Özhan hat inzwischen auf der Klub-Website beteuert, dass er "eine harte und drastische Strafe akzeptieren wird". Die betreffende Bezirksspruchkammersitzung wird zwar erst im September stattfinden. Staffelleiter Jades geht aber davon aus, dass das Strafmaß "weit über eine Vier-Wochen-Sperre hinausgeht".

Das Mannschaftsfoto wird wohl noch weitaus länger über Handys und per E-Mail verbreitet werden. Die Betreffzeile "Such den Fehler!" spricht dafür, dass der "kleine Özhan" zumindest nicht sofort ins Auge sticht.

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