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Fortunas Aufstieg 2008 wurde erst am grünen Tisch entschieden © imago

Fortuna Köln ist aufgestiegen - in die NRW-Liga. Doch der Klub mit ebenso ruhmreicher wie turbulenter Historie hofft auf mehr.

Von Andreas Kloo

München - Die ewige Tabelle der Zweiten Liga führt Fortuna Köln unangefochten an.

Dort stehen bei einer Ligenzugehörigkeit von 26 Jahren 970 Spiele zu Buche.

Den Verein aus der NRW-Liga in den bezahlten Fußball zurückzuführen, wird trotzdem ein langer Weg.

60 Jahre Fortuna

Der S.C. Fortuna Köln wird am Samstag, den 21. Februar 1948 - nur acht Tage nach dem 1. FC Köln - im Casino der Bayenthaler Maschinenfabrik gegründet. Der neue Kölner Verein entsteht durch eine Fusion der SV Victoria 1911, des Sport-Verein Köln 1927 und des Bayenthaler SV.

In gelben Trikots und schwarzen Hosen tritt man schon am nächsten Tag beim SC Schwarzweiß Köln an und verliert dieses Spiel mit 0:1.

Nur eine Saison Bundesliga

In den folgenden Jahren pendelt das Team aus dem Kölner Süden zwischen der Landesliga, Verbandsliga und Bezirksklasse. Am Ende der Saison 1966/67 steht der Aufstieg in die Regionalliga West, wo man unter anderem auch auf den Stadtrivalen Viktoria Köln trifft.

Nach einer mehrjährigen sportlichen Konsolidierung gelingt am 13. Mai 1973 der bis dahin größte Erfolg der Vereinsgeschichte: der Aufstieg in die 1. Bundesliga. Damals ahnt niemand, dass es bis heute die einzige Saison im Fußballoberhaus bleiben sollte.

Am Ende der Saison steht der direkte Wiederabstieg - und das nur wegen des um zehn Tore schlechteren Torverhältnisses gegenüber dem Wuppertaler SV.

Eine kleine Ewigkeit in der Zweiten Liga

Nach dem Abstieg in die Zweite Liga folgen die schon erwähnten 26 Spielzeiten, die der Fortuna nur einmal die Chance bieten, in die Eliteklasse zurückzukehren. 1986 erreicht man als Tabellendritter die Relegationsspiele gegen den Bundesliga-Sechzehnten Borussia Dortmund.

Nach einem 2:0-Heimsieg und einer 1:3-Auswärtsniederlage wird das alles entscheidende Spiel dann jedoch mit 0:8 verloren.

Im Pokalfinale ausgerechnet am FC gescheitert

Der größte sportliche Erfolg bleibt so das Erreichen des DFB-Pokalfinals 1983, das nach tollem Kampf unglücklich mit 0:1 verloren wird - und das ausgerechnet gegen den Lokalrivalen 1. FC Köln. Unvergessen dabei, wie die Fortuna-Spieler nicht nur von den eigenen Anhängern frenetisch gefeiert werden.

Zu einem Aufeinandertreffen mit dem FC im regulären Spielbetrieb kommt es dann erneut in der Saison 1998/99, in der die beiden Derbysiege des kleinen Rivalen im Müngersdorfer Stadion mit 3:0 und 4:2 auch relativ deutlich ausfallen.

Der Rivale steigt auf - Fortuna ab

Hatte es in dieser Saison noch kurzzeitig so ausgesehen, als sollte es gelingen, sich vor dem Stadtrivalen zu platzieren, zeigt die darauf folgende Spielzeit, dass dieser Traum nicht in Erfüllung gehen kann.

Am Ende der Saison 1999/2000 steht der Abstieg in die Regionalliga fest. Der 1. FC Köln jedoch steigt in die Bundesliga auf.

Krankl: Löring einer "der nettesten Menschen"

Ganz eng verbunden mit dem Verein Fortuna Köln bleibt der Name Jean Löring, der von 1967 bis 2001 als Präsident die Geschicke des Vereins lenkte und sogar für drei Spiele als Interimscoach auf der Bank saß.

Hans Krankl, der bekannte österreichische Nationalspieler und in der Saison 1999/2000 als Trainer für die sportlichen Geschicke der Fortuna verantwortlich, charakterisierte den Mäzen des Vereins treffend:

"Bevor ich nach Köln ging, hat man mich vor ihm gewarnt, aber er war einer der nettesten Menschen, die ich im Fußballgeschäft kennen gelernt habe: Ein wirklicher Patriarch, aber im positiven Sinne. Der war für alle da, sogar für die Kinder der Spieler. Er war wie ein Großvater, sehr großmütig."

Eingeleitet durch die sportliche Misere und auch die wirtschaftlichen Probleme Jean Lörings gerät der Verein 2001 in die Insolvenz. In der Saison 2004/2005 muss der Spielbetrieb der 1. Mannschaft sogar gänzlich eingestellt werden.

Ein Benefizspiel als Rettungsanker

Es bedarf einer Spendenaktion und eines Benefizspiels gegen den 1. FC Köln, um den Spielbetrieb der Fortuna, deren Jugendabteilung mit 500 Spielern, 25 Mannschaften und 90 Trainern sowie Betreuern zu retten.

In der Saison 2007/2008 gelang dem Verein dann, nach einer spannenden und nervenaufreibenden Aufholjagd, der Aufstieg aus der Verbandsliga Mittelrhein in die NRW-Liga.

Auch mit ein bisschen Mithilfe des Sportgerichts, da dem VfL Leverkusen aufgrund von Fehlern im Lizenzierungsverfahren der Aufstieg aberkannt wurde.

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