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Trotz Pleite machte Jan Gran (l.) sein vielleicht bestes Spiel im Trikot von Fortuna ©

Eine rekordverdächtig frühe Rote Karte bringt Fortuna Köln gegen den Aufsteiger Wiedenbrück auf die Verliererstraße.

Köln - Es gibt so Fußballspiele, die lassen die Zuschauer ein wenig ratlos zurück.

Die Mannschaft kämpft und rackert, erspielt sich Torchancen, erzielt ein schönes Tor, aber trotzdem steht man am Schlusspfiff mit leeren Händen da.

So muss es nach dem Spiel gegen den Aufsteiger SC Wiedenbrück auch den 650 Zuschauern im Südstadion gegangen sein.

Mit zwei personellen Veränderungen startete die Fortuna in dieses Spiel. Für Tevfik Furucu kam Jan Gran, für Daniel Blankenheim stand Christian Beckers in der Startaufstellung. "Beide haben in den letzten Tagen hervorragend trainiert und gezeigt, dass sie in die Mannschaft wollen", erklärte Trainer Matthias Mink die Wechsel.

Duschen nach 60 Sekunden

Bei hochsommerlichen Temperaturen waren gerade einmal 60 Sekunden gespielt, da zupfte Sascha Jagusch den aufs Tor zulaufenden Wiedenbrücker Stürmer Dominik Jansen am Trikot, ohne ihn am Torschuss zu hindern. Schiedsrichter Daniel Schächner entschied trotzdem auf Platzverweis und schickte Sascha Jagusch zum Duschen.

Auch nach dem Schlusspfiff konnte Trainer Matthias Mink diese Entscheidung nicht nachvollziehen: "Dominik Jansen kommt doch zum Abschluss - da muss der Schiedsrichter keine Rote Karte geben."

Defensive verstärken

Das taktische Konzept wurde damit natürlich über den Haufen geworfen. Für Stürmer Mario Schwarz kam Frank Schroden, der Jaguschs Platz in der Innenverteidigung einnahm. Die Fortuna zeigte sich durch die frühe Rote Karte nicht geschockt, sondern nahm das Heft in die Hand und kompensierte die zahlenmäßige Unterlegenheit mit kämpferischem Einsatz.

Lohn dafür waren zwei kleinere Torgelegenheiten, durch Kopfbälle von Hamdi Dahmani und Lars Marten, die aber jeweils am Tor vorbeigingen. Mit der allerersten Torgelegenheit gingen die Wiedenbrücker aber dann kurz vor der Pause doch noch in Führung. Lars Remmert nutzte eine Unaufmerksamkeit in der Fortuna-Abwehr und hatte keine Mühe, seinen dritten Saisontreffer (40.) zu erzielen.

Fortuna am Drücker

Nach der Pause war es wieder die Fortuna, die Druck machte. Mit ihrem aggressiven Zweikampfverhalten, aber auch der ein oder anderen schönen Kombination, setzten sie die Wiedenbrücker weiter unter Druck. (DATENCENTER: Die NRW-Liga)

Fünf Minuten nach der Pause hatten die Zuschauer schon den Torschrei auf den Lippen, als Cengiz Can allein vor Torhüter Daniel Grote auftauchte. Leider blieb dieser im direkten Duell Sieger. Der Abpraller sprang Mittelfeldspieler Alexander Ende genau vor die Füße, der aus mehr als 30 m einfach mal direkt abzog. Der Ball rauschte, wie an der Schnur gezogen, zwischen allen Abwehrspielern und dem verdutzten Wiedenbrücker Torwart hindurch links unten ins Netz.

Kleinlicher Schiedsrichter

Das Ausgleichstor setzte bei den Fortunen noch mal neue Kräfte frei. Weiter eine problematische Rolle spielte auch in dieser Phase Schiedsrichter Daniel Schächner, der viel zu kleinlich pfiff und insgesamt acht Gelbe Karten verteilte. Indirekt nahm er damit auch Einfluss auf die Entstehung des zweiten Gegentores an diesem Nachmittag.

Der eingewechselte Marc Polder hatte keine Mühe ein, zugegebenermaßen, schönes Dribbling erfolgreich abzuschließen (73.), weil die gelb vorbelasteten Fortuna-Spieler nicht noch eine Rote Karte provozieren wollten und so konsequentes Einsteigen vermissen ließen.

Can vergibt vom Punkt

Trotzdem bot sich der Fortuna neun Minuten später noch einmal die Chance zum Ausgleich. Christian Beckers war im Strafraum gefoult worden. Der Schiedsrichter entschied folgerichtig auf Elfmeter. Da der designierte Strafstoßschütze Alexander Ende zuvor schon mit Oberschenkelproblemen ausgewechselt worden war, schnappt sich Cengiz Can den Ball.

Sein Schuss geriet aber leider etwas zu hoch und streifte nur die Oberkante der der Querlatte. Damit stand die erste Heimniederlage dieser Saison fest.

Nochmal Rot

Erwähnenswert bleibt noch die zweite Rote Karte für Abdelkader Maouel in der letzten Spielminute nach einem Tackling im Mittelfeld. Auch diese Entscheidung des Unparteiischen trug mit zur Ratlosigkeit unter den Zuschauern bei.

Trainer Matthias Mink meinte hinterher: "Man kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen. Dass sie alles versucht hat, hat wohl jeder gesehen. Schade, dass es individuelle Fehler waren, die zu dieser Niederlage geführt haben. Der Schiedsrichter war mit dieser Partie absolut überfordert, das hat man deutlich gespürt."

Auch Abwehrspieler Benjamin Venekamp war natürlich enttäuscht: "Schade, dass wir für unsere Leistung nicht belohnt worden sind - das war heute unser bestes Spiel in dieser Saison."

Köln: Blech, Venekamp, Marten, Jagusch, Gran, Dahmani (70. Maouel), Beckers, Ende (73. Tomanek), Glaser, Can, Schwarz (6. Schroden)

Tore: 0:1 Remmert (40.), 1:1 Ende (51.), 1:2 Polder (73.)

Zuschauer: 650

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