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Mit dem FC Barcelona gewann Johan Cruyff ein Mal die spanische Meisterschaft © imago

25 Jahre nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn ist Johan Cruyff immer noch eine Oranje-Ikone. Seine Analysen sind gefürchtet.

Amsterdam - Der Präsident von Feyenoord Rotterdam war untröstlich.

"Das ist ein schwarzer Tag für Feyenoord und den niederländischen Fußball", sagte Gerard Kerkum, nachdem er am 13. Mai 1984 die Nachricht vom Rücktritt von "König Johan" Cruyff erhalten hatte.

Der geniale Offensivspieler, Vize-Weltmeister 1974 in Deutschland, hatte seine Fußballschuhe an den Nagel gehängt, nachdem er mit dem ehemaligen Weltpokalsieger das Double von Meister und Pokal in den Niederlanden geholt hatte.

"Ich weiß nicht, ob ich über meinen Entschluss traurig oder glücklich sein soll. Mag sein, dass ich meinen Rücktritt noch bereuen werde. Aber ich habe nicht mehr genug Energie, für Feyenoord eine ganze Saison durchzustehen", begründete der damals 37-jährige Cruyff seinen Entschluss.

Dreimal Europapokalsieger

Der Mann mit der Nummer 14, dreimal Europas "Fußballer des Jahres", hatte so ziemlich alles gewonnen, was es damals zu gewinnen gab.

Mit Ajax Amsterdam wurde er dreimal Europapokalsieger der Landesmeister. Und zum Abschluss war er der Kopf jener Feyenoord-Mannschaft, die die Ehrendivision dominierte.

Auch als Trainer erfolgreich

Nach Ende seiner aktiven Laufbahn schlug Kettenraucher Cruyff bekanntlich die Trainerlaufbahn ein und feierte auch hier große Erfolge.

Mit dem FC Barcelona (1988 bis 1996) holte er 1992 den Europapokal der Landesmeister.

Bei den Katalanen, wo er schon als Profi von 1973 bis 1978 unter Vertrag gestanden hatte, wurde er von den Fans gefeiert. Denn Cruyff ließ begeisternden Fußball spielen.

Messerscharfe Analysen im TV

Im niederländischen Königreich ist der heute 62-Jährige immer noch die höchste Fußball-Instanz - vergleichbar mit Franz Beckenbauer in Deutschland, seinem deutschen Pendant im WM-Endspiel in München 1974.

Wenn der einstige Weltstar den niederländischen Fußball unter die Lupe nimmt, wackeln die Wände.

Vor allem im Fernsehen analysiert er die Auftritte der Elftal messerscharf und hält sich auch mit Kritik nicht zurück. Bei der EURO 2008 in Österreich und der Schweiz kassierte er vom öffentlich-rechtlichen Sender NOS rund 50.000 Euro pro Einsatz.

Misstöne mit van Basten

Unlängst trat "König Johan" vor allem dadurch in Erscheinung, dass er den Rücktritt seines Ziehsohns Marco van Basten als Cheftrainer seines Stammklubs Ajax Amsterdam aus seiner Sicht kommentierte.

Dabei wiederholte er, dass er immer noch der Ansicht sei, van Basten hätte als erstes die Jugendausbildung reformieren müssen, so wie er, Cruyff, es vorgeschlagen hatte.

Die ablehnende Haltung van Bastens führte dazu, dass das einstige Oranje-Ass Cruyff Ajax offiziell nicht mehr beraten hatte.

Soziales Engagement

Im Augenblick kümmert er sich sehr viel um seine sozialen Aktivitäten. Seine Stiftung und die Bildungseinrichtungen für Spitzensportler mit seinem Namen halten ihn auf Trab.

Es werden immer mehr "Cruyff Courts" angelegt, Spielfelder in sozialschwachen Stadtteilen großer und kleiner Städte.

Zuletzt sogar im marokkanischen Al Hocema, wo der Eindhovener Profi Ibrahim Afellay das Preisgeld als Cruyff-Talent des Jahres 2007 in ein Spielfeld angelegt hatte.

Als Trainer wird Cruyff trotz der vielen Interessenten nie mehr arbeiten - die Rolle als Gelegenheitsphilosoph gefällt ihm besser.

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