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Volker Finke war 16 Jahre lang Trainer des SC Freiburg © getty

Der Freiburger Ex-Coach setzt die Tradition deutscher Trainer fort und ist stolz den "FC Bayern" Japans trainieren zu dürfen.

München - Zwischen Volker Finke und der Bundesliga liegen zwar 10.000 Kilometer, doch so richtig weit weg ist der Coach des japanischen Topklubs Urawa Red Diamonds derzeit nicht.

Schuld daran ist das Trainerkarussell, das sich momentan mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit dreht.

Bei den Spekulationen rund um die Trainersuche der Klubs fällt immer wieder der Name Finke, doch der 61-Jährige hat momentan ganz andere Aufgaben zu erledigen.

Er muss eine fremde Kultur kennenlernen und das "Bayern München" Japans auf Vordermann bringen.

Finke setzt Tradition deutscher Trainer fort

"Der Klub ist Asiens erste Adresse", sagte Finke nicht ohne Stolz über seinen Arbeitgeber.

Seit Januar bestimmt er die Geschicke der "Roten Diamanten", die im März in die neue Spielzeit gestartet sind und die momentan auf dem zweiten Tabellenplatz liegen.

"Wir sind sehr gut in die Saison gekommen", kommentierte Finke seine bisherige Arbeit in Saitama, wo er die Tradition deutscher Trainer fortsetzt.

Vor dem früheren Studienrat waren bereits Guido Buckwald, Holger Osieck und Gert Engels beim Klub aus der Stadt im Umland Tokios beschäftigt.

16 Jahre beim SC Freiburg tätig

Dabei war Finke vor seinem Engagement eher skeptisch, da er sich mit dem japanischen Fußball noch nicht intensiv beschäftigt hatte.

Erst ein Aufenthalt im Dezember vor Ort beseitigte die Zweifel an dem von Urawa-Kooperationspartner Bayern München eingefädelten Wechsel zum Werksklub des Auto-Konzerns Mitsubishi.

"Was ich gesehen habe, hat mich überzeugt und neugierig gemacht", meinte Finke, der bis Juni 2007 insgesamt 16 Jahre den SC Freiburg betreute.

Trotz der damaligen Trennung im Unfrieden hat der Coach seinem Ex-Verein zuletzt artig zum Bundesliga-Aufstieg gratuliert: "Das freut mich natürlich."

Arbeit mit der Mannschaft auf Englisch

Obwohl Freiburg auch weiter der Lebensmittelpunkt Finkes bleiben soll, hat der Coach mittlerweile Gefallen an seiner vorübergehenden Wahlheimat gefunden.

"Japan ist ein völlig anderes Land. Ein Land voller Geheimnisse, die es zu lüften gilt", sagte Finke der "Badischen Zeitung"

Drei japanische Assistenten sowie die früheren Freiburger Profis Ibrahim Tanko und Karsten Neitzel stehen ihm im Trainerteam zur Seite.

Da Finke, dessen Frau Reinhild mit in den Fernen Osten gekommen ist, mit der japanischen Sprache noch seine Probleme hat, wird die Arbeit mit der Mannschaft in Englisch abgewickelt.

Differenzen mit der Presse

In Englisch spricht Finke auch mit den Medien, mit denen er sich - ganz wie aus seiner Zeit im Breisgau gewohnt - gerne mal anlegt.

Zuletzt kritisierte Finke die Presse, weil sie zwei seiner jungen Talente bereits in die Nationalmannschaft schreiben wollte.

"Ich habe viel mit jungen Spielern in Deutschland gearbeitet und meine Erfahrung sagt mir, dass man sie behutsam nach vorne bringen muss. Es ist nicht gut, früh über die Nationalmannschaft oder die nächste WM zu sprechen", meinte Finke.

Mit den deutschen Medien hat Finke dagegen kaum noch etwas am Hut.

Er habe gar keine Zeit, um die Zeitungen aus der Heimat zu lesen, sagte der Fußball-Lehrer, der deshalb vielleicht auch nicht allzu viel vom sich drehenden Trainerkarussell in Deutschland mitbekommt.

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