Von Daniel Rathjen
München - Bei der Nationalmannschaft ausgebootet, bei der Presse im Kritik-Kreuzfeuer und im Klub nach der Verpflichtung von Renan Brito wohl endgültig auf dem Abstellgleis: Timo Hildebrand ist mit 29 Jahren am vorläufigen Tiefpunkt seiner Karriere angelangt.
Selbst 1899 Hoffenheim lehnte ab, als der Keeper dem Bundesliga-Aufsteiger kurz vor Ende der Transferperiode noch angeboten wurde.
"Der Berater ist auf uns zugekommen, aber wir haben abgesagt. Hildebrand spielte in unseren Überlegungen nie eine Rolle", bestätigte Hoffenheims Manager Jan Schindelmeiser gegenüber Sport1.de.
Auch die angeblich interessierten Galatasaray Istanbul und AS Rom verzichteten letztlich auf eine Verpflichtung des ehemaligen Stuttgarters.
Jetzt ist das Transferfenster geschlossen, ein Wechsel ist erst wieder im Winter möglich. Bis dahin droht Hildebrand in Valencia auf der Bank oder gar der Tribüne zu versauern.
Hildebrand schäumt
Der Betroffene selbst ist stocksauer und todunglücklich über seine schwierige Situation. Gleich Drei Mal sprach er am Wochenende bei der Vereinsführung vor, um seine Lage zu klären und Perspektiven abzustecken.
"Timo wollte nachfragen, was der Verein über ihn denkt", sagte Valencias Vize-Präsident Fernando Gomez. "Er muss um seinen Platz mit den anderen beiden Torhütern kämpfen. Für ihn gelten dieselben Regeln wie für die anderen Spieler auch."
Die Realität war für den Profi trotzdem ernüchternd: Beim Saisonauftakt Valencias gegen Real Mallorca (3:0) wurde Hildebrand von Trainer Unai Emery kurzfristig auf die Tribüne verbannt.
Frust vorm TV
Darüber war der Keeper wiederum so verärgert, dass er die Partie nach spanischen Presseberichten nicht im Mestalla-Stadion, sondern lediglich daheim im TV verfolgte. Nun droht ihm vermutlich eine Geldstrafe durch den Verein.
"Wir haben 23 Profis im Kader, aber nur elf können spielen", stellte Emery fest.
Der negative Eindruck von Hildebrand hat sich beim Coach angeblich im Training gefestigt. Hildebrand hatte in den Vorbereitungsspielen nicht immer den besten Eindruck gemacht. Im Finale des spanischen Superpokals gegen Real Madrid kassierte er in Hin- und Rückspiel sechs Gegentreffer. In der Presse hagelte es Hohn und Spott.
Emery machte dem siebenmaligen deutschen Nationaltorhüter dann auch wenig Hoffnung auf eine Rückkehr ins Tor. Hildebrand vorerst zur Nummer drei abzustufen, war laut dem Trainer "eine zu 100 Prozent sportliche Entscheidung".
Abschied im Winter
Jetzt will der Torhüter den Verein im Winter verlassen, falls er beim Pokalsieger weiterhin nicht zum Einsatz kommt. Dies habe Hildebrand Gomez bereits mitgeteilt.
So lange er nur noch zweite Wahl ist, dürfte auch die erhoffte Rückkehr in die DFB-Auswahl in den Sternen stehen. Zuletzt hatte Joachim Löw ein klärendes Gespräch nach Hildebrands EM-Ausbootung angekündigt und betont, dass der WM-Teilnehmer nach wie vor zum Kandidatenkreis gehöre.
"Es ist sicher schwer für ihn, da der Trainer in Valencia ja seine Entscheidung klar getroffen zu haben scheint. Das macht die Situation in der Nationalmannschaft nicht gerade leichter für ihn", sagte der Bundestrainer nun der "Bild"-Zeitung.
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