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Unter Florentino Perez gewann Real Madrid 2002 die Champions League © imago

Einst begründete Florentino Perez in Madrid die Ära der "Galaktischen". Nun will er wieder viel Geld in den Klub pumpen.

Von Sebastian Hrabak

München - Kurz nach seiner Rückkehr als Präsident von Real Madrid hat Florentino Perez mit der Verpflichtung von Kaka für Furore gesorgt. (Kaka will mit Madrid Geschihte schreiben)

Und weitere Stars sollen folgen: Cristiano Ronaldo, David Villa und Franck Ribery sind im Blickfeld von Perez und seinen Gefolgsleuten.

Seit dem 1. Juni ist Perez wieder an Real Madrids Spitze.

Ohne Gegenkandidat wurde der 62-Jährige zum zweiten Mal Präsident - niemand sonst konnte die geforderte Bürgschaft von etwa 57 Millionen Euro aufbringen.

Ära der "Galaktischen"

Bekanntheit erreichte Perez zum ersten Mal im Jahr 2000, als er sich gegen Lorenzo Sanz durchsetzte und Präsident wurde.

Als "Antrittsgeschenk" brachte Perez damals für 58,8 Millionen Euro Luis Figo vom Erzrivalen FC Barcelona mit.

2001 eiste er Zinedine Zidane für 76 Millionen von Juventus Turin los. Bis heute ist diese Summe unerreicht, Kaka (65 Millionen) rangiert in der Reihenfolge der teuersten Transfers der Geschichte auf Platz zwei.

Nach Figo und Zidane folgten in der "Ära der Galaktischen" noch Ronaldo (2002) und David Beckham (2003). 102361(DIASHOW: Die teuersten Transfers)

Magere Jahre

2001 feierte Real Madrid die spanische Meisterschaft, 2002 gewann der Klub unter Perez die Champions League, doch danach blieben die großen Erfolge plötzlich aus.

2003 wurde Real noch einmal Meister, doch von 2004 bis 2006 gewann Madrid keinen Titel.

300 Millionen für neue Spieler

Drei Jahre nach seinem freiwilligen Rücktritt im Jahr 2006 will Perez nun an alte Erfolge anknüpfen ? und dafür wieder groß einkaufen.

Der Chef des spanischen Baukonzerns ACS (operativer Gewinn im ersten Quartal 2009: 301 Millionen Euro) will in diesem Sommer die Rekordsumme von 300 Millionen Euro in den Transfermarkt pumpen.

Villa, Cristiano Ronaldo und Ribery im Visier

Am Dienstag meldete "Marca", Madrid sei sich mit David Villa vom FC Valencia einig. Knapp 40 Millionen soll der EM-Torschützenkönig kosten.

Für Cristiano Ronaldo müsste Perez noch einmal deutlich tiefer in die Tasche greifen. Der Portugiese von Manchester United soll 90 Millionen kosten.

Für Bayern-Profi Franck Ribery wären es wohl mindestens 50 Millionen. Die Neuauflage der "Galaktischen" naht.

"Müssen verlorene Zeit aufholen"

"Wir müssen verlorene Zeit aufholen: Als Zidane abtrat, hätte man Kaka holen müssen, und als Beckham ging, wäre es nur logisch gewesen, wenn Cristiano Ronaldo verpflichtet worden wäre", sagt Perez.

Binnen zwei Monaten will der ehrgeizige Selfmademan nun den in seinen Augen vor sich hindümpelnden Klub erneut zur Vorzeigeadresse Europas machen.

Sein ehemaliger Superstar Zidane unterstützt den 62-Jährigen dabei als Berater.

1,8 Millarden Euro Privatvermögen

In Zeiten der weltweiten Finanzkrise lebt Perez nach dem Motto "Klotzen statt Kleckern".

Im "Forbes Magazin", das jährlich die weltweit reichsten Menschen auflistet, rangiert der Perez auf Platz 397. Sein Privatvermögen wird auf 1,8 Milliarden Euro geschätzt.

Im Gegensatz zu den Mäzenen dieser Welt arbeitet Perez allerdings nicht mit seinem eigenen Vermögen, um sich und den Anhängern seines Klubs die schönsten "Zirkuspferde" in die Manege zu holen.

Nach Misswirtschaft auf Kurs gebracht

Vielmehr ist das "Konzept Perez" eine der klügsten Marketing-Strategien der Neuzeit.

In einem Zeitraum von nur vier Jahren Beginn seiner ersten Amtszeit brachte der Direktor von "ACS", dem größten Baukonzern Spaniens mit Beteiligungen am deutschen Unternehmen "Hochtief", Real nach vielen Jahren der Misswirtschaft wieder auf Kurs und etablierte den Klub an der Spitze.

Nach der Spielzeit 2004/05 stand Real Madrid das erste Mal auf Platz eins der umsatzstärksten Klubs der Welt mit 275,7 Millionen Euro. Im letzten Jahr erwirtschafteten die Madrider einen Umsatz von 365,8 Millionen Euro.

Ausgaben leicht refinanziert

Gerade die Käufe der "Galaktischen" ermöglichten dem Klub ungeahnte Verträge mit Unternehmen in der ganzen Welt.

Mit Leichtigkeit refinanzierten sich so diese exorbitanten Ausgaben.

Neues Trainingszentrum

Zudem profitierte der gewiefte Geschäftsmann beim Verkauf des alten Trainingszentrums "Ciudad Deportiva" in doppelter Hinsicht.

Zum einen sanierte der Erlös von rund 480 Millionen Euro den mit 270 Millionen Euro in der Kreide stehenden Klub vollständig.

Zum anderen baute der Verein das neue Trainingsgelände "Ciudad Real Madrid" in Valdebebas.

Natürlich war ACS an der Errichtung dieses Mega-Projekts beteiligt.

Erfolg wird kritisch beäugt

Von öffentlicher Seite wurde dieser Deal allerdings sehr skeptisch betrachtet.

Perez, der in den 70er Jahren für die Spanische Regierung im Straßenwesen und für die städtische Umwelt- und Bauverwaltung Madrids zuständig war, wurden kriminelle Machenschaften vorgeworfen. Er habe seine hervorragenden Beziehungen ausgenutzt.

Doch selbst eine EU-Kommission konnte keine Unregelmäßigkeiten bei der Transaktion feststellen.

Real-Freizeitpark in der Planung

Das nächste Projekt ist bereits in der Planung: Für 300 Millionen Euro will Perez einen Real-Freizeitpark in der Nähe des Bernabeu-Stadions bauen.

Auch dort wird der Baumogul wohl erneut kräftig mitverdienen.

Taten statt Worte

Für die "Madridistas" ist Rückkehr von Florentino Perez dennoch vor allem die Rückkehr des "Heilands".

Im Gegensatz zu seinem Nachfolger und Vor-Vorgänger Ramon Calderon ließ er Taten sprechen und machte den von Calderon erfolglos angekündigten Kaka-Transfer perfekt.

Perez bringt den Fans die Hoffnung zurück, in Europa wieder zu den Besten zu gehören und den FC Barcelona wieder zu überflügeln.

Tief sitzt die Schmach für die stolzen Madrilenen, dass der Erzfeind aus Katalonien als erster spanischer Klub das Triple aus Meisterschaft, Pokal und Champions League gewann.

Ein lohnendes Geschäft

Am Ende könnten bei diesem Geschäft beide Seiten profitieren: Perez bekommt neben einer Menge Geld die Verehrung der Fans.

Und die Madridistas können mit ein bisschen Glück wieder ein paar Titel feiern.

Auch die Freunde der Play Station dürfen sich freuen. Mit Kaka hat Real Madrid nun wieder eine Chance gegen Barcelona mit Messi und Co.

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