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Andres Escobar spielte insgesamt sechs Jahre für Athletico Nacional und ein Jahr in der Schweiz © getty

Vor 15 Jahren wurde Andres Escobar erschossen. In Kolumbien gab es in den letzten 20 Jahren einige Mordanschläge im Fußball.

Medellin - Auf einem Parkplatz verlor die Fußball-Welt ihre Unschuld: Im Morgengrauen des 2. Juli 1994 sank Andres Escobar blutüberströmt vor der Bar "El Indio" in Medellin zusammen.

Getroffen von zwölf Schüssen hatte der kolumbianische Nationalspieler keine Chance.

Escobars Freundin sagte später aus, der Schütze Humberto Munoz Castro habe während der Schießerei laut das Wort "Goooooooool" gerufen.

Der langgezogene Ausruf ist typisch für die südamerikanischen TV-Reporter, wenn sie bei einer Fernsehübertragung ein Tor kommentieren.

Eigentor zum Vorrunden-Aus

Wenige Tage zuvor war Andres Escobar zur tragischen Figur beim WM-Vorrundenspiel zwischen USA und Kolumbien avanciert.

Im Rose-Bowl-Stadion in Pasadena unterlief dem Abwehrspieler aus Medellin in der 34. Minute vor 93.689 Zuschauern das folgenschwere Eigentor zum 0:1.

Die Südamerikaner, als Geheimfavorit in die USA gereist, sollten aufgrund der 1:2-Niederlage gegen die Gastgeber im zweiten Vorrundenspiel die fest eingeplante Qualifikation für das Achtelfinale verpassen.

Ursprünglich 43 Jahre Haft

Die Geschehnisse in der verhängnisvollen Nacht sind bis heute nicht ganz geklärt.

Die Polizei nahm wenig später Humberto Munoz Castro fest und verurteilte den nicht geständigen Schützen zu 43 Jahren Gefängnis.

Die Strafe wurde später auf 26 Jahre reduziert, doch bereits 2005 und nach insgesamt elf Jahren im Gefängnis wurde der als Mörder verurteilte Mann trotz vieler Proteste wegen guter Führung entlassen.

Bis heute halten sich zwei Theorien über die Gründe für die Tat.

Ein ganz normaler Streit?

Wütende Drogenbosse sollen den Mord an Escobar in Auftrag gegeben haben, weil sie bei Wetten auf den Einzug Kolumbiens ins Achtelfinale viel Geld verloren haben sollen, erzählen sich die Fans noch heute in Medellin.

Vor allem die Verbindungen des verurteilten Täters zu den mächtige Drogenkartellen, für die Munoz als Bodyguard und Fahrer arbeitete, legen diese Vermutung nahe.

Aber auch ein ganz normaler Streit, der zu einer Schießerei eskalierte, könnte die Ursache gewesen sein. Die Drogenmetropole Medellin galt in den frühen 90er Jahren laut Washington Post als gefährlichste Stadt der Welt.

Zur Legende geworden

Escobar ist durch seinen Tod in Kolumbien zur Legende geworden.

Der Fernsehsender RCN verfilmte in einer aufwendigen Produktion die letzten Tage bis zu seinem Tod.

Bis heute gibt es zahlreiche Fanclubs des Nationalspielers, der 1989 im Trikot von Atletico Nacional de Medellin die Copa Libertadores gewann und damit Geschichte schrieb.

Es war der erste Triumph einer kolumbianischen Mannschaft im wichtigsten südamerikanischen Vereinswettbewerb.

Im Alter von 27 Jahren und kurz nach seinem 50. Länderspiel nahm die Karriere des Abwehrspielers ihr blutiges Ende.

Auch bei Young Boys Bern

Zuvor hatte Escobar auch ein Jahr für den Schweizerischen Erstligisten Young Boys Bern gespielt.

Die Nachricht vom Mord erschütterte im Juli 1994 nicht nur Kolumbien, sondern überschattete auch das noch laufende WM-Turnier, das Brasilien später gewinnen sollte.

Die kolumbianische Regierung ordnete nach dem Mord an Escobar Polizeischutz für die anderen Nationalspieler an, die sich noch im Land aufhielten.

120.000 Menschen bei Beerdigung

Rund 120.000 Menschen säumten bei der Beerdigung Escobars die Straßen in Medellin, unter den Gästen weilte auch der damalige Staatspräsident Cesar Gaviria.

Noch heute leben Fußball-Profis in Kolumbien gefährlich. Morddrohungen gehören zum Alltag.

Erst vor wenigen Tagen gab Trainer Ruben Israel nach nur vier Wochen sein Amt als Trainer des Erstligisten Santa Fe de Bogota auf.

Der Coach aus Uruguay hatte mehrere telefonische Morddrohungen erhalten.

Insgesamt fielen in den letzten 20 Jahren mehr als ein Dutzend Profis, Schiedsrichter und Trainer in Kolumbien Mordanschlägen zum Opfer.

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