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Sechsmal zelebrierte Sammy Kuffour mit den Bayern den Meistertitel © getty

Mit 32 Jahren hat der Ghanaer keine Lust mehr auf Zweikämpfe und Tacklings. Zuletzt spielte er glücklos bei Ajax Amsterdam.

Von Mathias Frohnapfel

München - Hätte er nicht beim FC Bayern gespielt, müsste der Renommierklub seinen Briefkopf ändern. Denn Abwehrspieler Sammy Kuffour hat die Münchner 2001 zum Triumph im Weltpokalfinale geschossen (1:0 gegen Boca Juniors).

Jetzt ist der Fußballer aus Ghana (zuletzt Ajax Amsterdam) endgültig vom Fußball zurückgetreten.

Das gab sein Berater Giuseppe dello Russo bekannt.

Zehn nationale Titel in Deutschland

175 Bundesliga-Partien absolvierte der große Liebling der Bayern-Fans, gewann mit seinem Team sechs Meistertitel und vier Mal den DFB-Pokal. Hinzu kommt der Champions-League-Triumph von Mailand über den FC Valencia 2001 und eben der Weltpokal.

Auch wenn Kuffour einige haarsträubende Schnitzer passierten, hatte er unter Trainer Ottmar Hitzfeld lange Zeit einen Stammplatz sicher. Sein Merkmal: Kampfgeist wie ein Löwe und - als Bayern-Profi beinahe zwangsläufig - ein echtes Sieger-Gen.

Als Innenverteidiger setzte er an guten Tagen Glanzlichter - seiner außergewöhnlichen Zweikampf-Stärke sei Dank.

Mund-zu-Mund-Beatmung für Kahn

Aufgeben gab es für ihn nicht. Auch deshalb verstand er sich so gut mit "Immer-weiter"-Propagandist Oliver Kahn. 1999 verpasste er dem Torwart-Titan gar eine Mund-zu-Mund-Beatmung, als er ihn in der Bundesliga in einer unglücklichen Aktion verletzt hatte und Kahn bewusstlos auf dem Rasen lag.

Spaßvogel Kuffour hatte während seiner Bayern-Zeit sogar für seine zahlreichen Platzverweise eine schlüssige Erklärung. "Mein aggressives Spiel hat da schuld, aber oft sind die Schiris auch wirklich blind", scherzte er gegenüber FCB-Fans.

Kein Spaß beim AS Rom

Im Sommer 2005 verließ der heute 32-Jährige den deutschen Rekordmeister. Bei AS Rom (21 Serie-A-Partien) wurde er jedoch nicht glücklich. Die Italiener liehen ihn anschließend nach Livorno und später zu Ajax Amsterdam aus.

Kuffour ist vorerst zurück nach Ghana gezogen. Dort lebt er mit seiner Frau Francisa und den drei Kindern. Kontakt zum FC Bayern? Kaum. Karin Potthof, die ihm im Bayern-Internat begleitet hat, sagt: "Ich habe aktuell keine Handynummer mehr von ihm."

Nach Russland wollte er nicht

Kuffour hätte ohne Frage ein weiteres Engagement erhalten können. Doch Angebote aus Deutschland lehnte der langjährige Kapitän der ghanaischen Nationalmannschaft ebenso ab wie eine Offerte aus Russland vom Tabellenletzten FK Khimki. Zu kalt.

Stattdessen ist der Weltpokalsieger jetzt leise von der Fußball-Bühne abgetreten.

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