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Auch Sven Göran Eriksson blickt bei Notts Countrys Geldgebern nicht mehr durch © getty

Beim Viertligisten liegt vieles im Argen. Die Top-Transfers bleiben aus, Geldgeber zahlen nicht und Sol Campbell sucht das Weite.

Nottingham - Sol Campbell hatte schon nach einem Spiel genug.

Der ehemalige englische Nationalspieler sollte das Aushängeschild beim ambitionierten englischen Viertligisten Notts County unter Teammanager Sven-Göran Eriksson werden, doch der 35-Jährige ließ seinen mit elf Millionen Euro dotierten Fünfjahresvertrag platzen.

Was auf den ersten Blick wie die Kurzschlussreaktion eines kapriziösen Ex-Stars aussah, bestätigte die Befürchtungen einiger Insider:

Der kühne Traum vom Sprung von der wenig glamourösen 4. Liga in die Glitzerwelt der Premier League soll vom Traditionsverein aus Nottingham allem Anschein nach mit äußerst dubiosen Methoden erkauft werden.

Versprechen werden nicht gehalten

Das schwant wohl auch Eriksson schon, der prompt versuchte, den Ausstieg Campbells als Flucht erscheinen zu lassen. "Er mochte den Trainingsplatz und die Umkleidekabine nicht", behauptete der Schwede.

Über Campbells wahre Beweggründe gab aber dessen Kumpel, der frühere Nationalstürmer Andy Cole, im "Independent" Auskunft: "Er ist gegangen, weil ihm gemachte Versprechen nicht gehalten wurden.

Man ließ ihn glauben, es würde massiv investiert. Aber das ist nicht passiert."

"Sie wollen unerkannt bleiben"

Das Geld sollte eigentlich von "Qadbak Investments" kommen, einer Investorengruppe, das den Klub mit der eigens für diesen Anlass gegründeten Gruppe "Munto Finance" im Juli vor dem Ruin bewahrte.

Doch wer hinter dem Akronym (Qadbak steht für Katar, Abu Dhabi, Bahrain, Kuwait) steckt, wollten die Geldgeber weder beim Notts-Deal noch beim Kauf des Formel-1-Rennstalls Sauber verraten.

"Sie wollen unerkannt bleiben", sagt James Pallatt, der über Notts für die "Nottingham Evening Post" berichtet, "mehr weiß ich nicht."

Die Suche nach den Investoren

Englische Medien vermuteten in Qadbak eine Schweizer Stiftung, nach Recherchen der "Schweizer Sonntagszeitung" handelt es sich jedoch um "eine Gesellschaft der British Virgin Islands".

Dahinter wiederum soll die "Al-Thani"-Investmentgruppe stehen, die im Öl-, Energie- und Immobiliengeschäft tätig ist und einem Scheich gehört.

Al Thani nun ist über die Briten Peter und Nathan Willett mit der "Swiss Commodity Holding" verflochten, für die Campbell ebenso wie Eriksson laut ihrer Verträge bei Notts als Botschafter auftreten sollten.

Eriksson wartet auf sein Geld

Nathan Willett und dessen Geschäftspartner Russell King, ein hoher Qadbak-Vertreter, haben Eriksson nach Nottingham gelotst und ihm anscheinend millionenschwere Beteiligungen beim Börsengang der Holding versprochen.

Das sollte bereits im Juli geschehen, doch der Schwede, der bei Notts deutlich weniger verdient als als englischer Nationaltrainer, wartet auf den Geldfluss noch immer vergeblich.

Eine Ursache könnten die finanziellen Probleme von King sein, hat ein Gericht auf der Kanalinsel Jersey doch gute zwei Millionen Euro aus dessen Vermögen einfrieren lassen.

Ligaverband untersucht Übernahme

Wie in dieser Lage die von Campbell erhofften und ihm angeblich auch zugesagten Transfers bezahlt werden sollen, ist auch Eriksson unklar.

Der Schwede kennt ja nicht einmal die wahren Klubbesitzer. "Ich habe keine Ahnung, woher das Geld kommt. Aber ich bin sicher, dass alles in Ordnung ist."

Der Ligaverband hat da aber so seine Zweifel und untersucht die Übernahme.

Swiss Holding, Munto Finance, Qadbak - das sei doch mindestens ein Beteiligter zu viel, heißt es.

Durchwachsener Start

Auch sportlich haben die "Magpies" (Elstern) mehr Probleme als dem mit 21 Titeln dekorierten früheren Starcoach Eriksson lieb sein kann: In neun Spielen holte County 16 Punkte. (DATENCENTER: Premier League).

Kein Wunder, blieben die angekündigten Top-Transfers doch aus. Kasper Schmeichel, Sohn der Torwartlegende Peter Schmeichel, ist der einzige halbwegs prominente Kicker im Kader. "Wir sind noch nicht perfekt", gibt Eriksson zu.

Stars sagen reihenweise ab

Daher hat der 61-Jährige versucht, Andy Cole aus dem Ruhestand und wie Ex-Nationalspieler Dietmar Hamann nach Nottingham zu holen, doch beide sagten ab.

Auch bei Ex-Weltfußballer Luis Figo und Pavel Nedved soll er ohne Erfolg angefragt haben.

Englische Presse schadenfroh

Der "Guardian" spottete umgehend, Eriksson wolle jetzt Patrick Vieira, Paul Gascoigne, den Geist von Stanley Matthews sowie die Comicfiguren Jimmy "Dead Shot" Keen und "Hot Shot" Hamish verpflichten. Getreu dem Motto:

"Wer den Schaden hat brauch eben für den Spott nicht zu sorgen".

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