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29 Klub-Stationen hat Fußbvall-Weltenbummler Lutz Pfannenstiel in seiner Vita © imago

Einst schlägt der Weltenbummler eine Bayern-Offerte aus - und legt eine kuriose Profi-Laufbahn hin. Knast-Aufenthalt inklusive.

Von Felix Götz

München - Der Name Lutz Pfannenstiel wird nicht in einem Atemzug mit den bekanntesten Spielern dieser Welt genannt. Dabei hat der 36-jährige Torhüter Fußball-Geschichte geschrieben.

Der Bayer ist der einzige Profi weltweit, der auf (fast) jedem Kontinent als Profi kickte - allein die Antarktis fehlt.

Das bescherte Pfannenstiel, der als 19-Jähriger ein Angebot des FC Bayern ablehnte und stattdessen nach Malaysia wechselte, einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde.

Bei seinen insgesamt 29 Stationen (unter anderem in Kanada, Brasilien, Albanien, Südafrika, Neuseeland und Singapur), die des Öfteren nur von kurzer Dauer waren, hat der Weltenbummler, einiges erlebt.

Pinguin-Diebstahl in Neuseeland

Ob von einem unangenehmen Gefängnisaufenthalt in Singapur, Wiederbelebungsmaßnahmen in England, oder einem Pinguin-Diebstahl in Neuseeland.

Pfannenstiel, der aktuell als Spielertrainer in Namibia arbeitet, hat viele Anekdoten auf Lager. Deshalb brachte der frühere U-17-Nationalkeeper nun ein Buch heraus mit dem Titel "Unhaltbar - Meine Abenteuer als Welttorhüter".

Zudem macht der frühere Torwarttrainer der kubanischen Nationalelf mit dem Projekt "Global United" durch Spiele an besonderen Orten auf die Gefahren des Klimawandels aufmerksam.

Im ersten Teil des Interviews der Woche mit Sport1.de spricht Pfannenstiel über seine Tätigkeit in Namibia, Prügel im Knast - und einen Pinguin-Diebstahl.

Sport1.de: Herr Pfannenstiel, wir erreichen Sie in Namibia. Was machen Sie da?

Lutz Pfannenstiel: Ich habe beim Verein Ramblers so eine ähnliche Aufgabe wie Felix Magath. Ich bin Trainer und Manager - und ab und zu spiele ich auch noch selbst.

Sport1.de: Wie kommt man eigentlich dazu, als junger Kerl ein Angebot des FC Bayern auszuschlagen, und stattdessen nach Malaysia zu wechseln?

Pfannenstiel: Ich habe von den Bayern ja kein Millionen-Angebot bekommen. Ich sollte bei den Profis trainieren und dann bei den Amateuren spielen. Ich wollte aber unbedingt sofort Profi werden, deshalb ging ich nach Malaysia. Ursprünglich wollte ich später wieder zurückkommen. Aber das war dann eben der erste Schritt hinaus in die weite Welt. Im Nachhinein muss ich sagen, dass es für mich die richtige Entscheidung war.

Sport1.de: Sie waren quasi auf allen Kontinenten unter Vertrag. Was war Ihre "verrückteste" Station?

Pfannenstiel: Albanien war ziemlich wahnsinnig. Da wusste man nie, was als nächstes passiert. Das war wie in einer Lotterie. Im Pokal haben wir einmal bei einem Viertligisten gespielt. Erst mussten wir stundenlang durch die Pampa fahren, dann spielten wir auf einem Hartplatz mit Glasscherben drauf. Drumherum waren 5000 wahnsinnige Zuschauer. Das war böse.

Sport1.de: Ihre nächste Station war dann Südafrika, 1997 heuerten Sie bei den Orlando Pirates an...

Pfannenstiel: Südafrika war auch verrückt. Da war ich bei einem Verein, dessen Anhänger damals - heute ist das alles anders - zu 95 Prozent aus Gangstern bestanden. Mich als Weißen konnten die am Anfang gar nicht leiden. Da haben die Fans gesagt: Junge, wenn Dein Vertrag ausgelaufen ist, dann schneiden wir Dir den Kopf ab.

Sport1.de: In Singapur wurden Sie für drei Monate ins Gefängnis gesteckt. Sie sollen Spiele manipuliert haben. Kurioserweise lautete der Vorwurf dabei, dass Sie zu "gut gehalten hätten".

Pfannenstiel: Das war 1999 und eine schlimme Sache, die mich komischerweise relativ berühmt gemacht hat. Die Korruptionspolizei wollte an meinem Beispiel als relativ bekanntem Ausländer zeigen, dass sie etwas tut. Ich wurde für Spiele angeklagt, die wir gewonnen hatten, und bei denen ich noch zu null gespielt hatte. Die Anklage wurde dann fünf Mal umgeschrieben, weil sich alle Vorwürfe ständig als absolut haltlos herausgestellt haben.

Sport1.de: Letztendlich gerieten Sie aber in Untersuchungshaft...

Pfannenstiel: Ich saß dann in einem der schlimmsten Gefängnisse der Welt, in einer Zelle mit Mördern, Drogendealern und Vergewaltigern. Jeden Tag bekam ich eine aufs Maul, wenn ich zum Essen ging. Das war alles ein bisschen krass. Da ging es nur noch ums Überleben.

Sport1.de: Einmal sind Sie als "Pinguin-Dieb" aufgefallen. Was war da denn los?

Pfannenstiel: Die Pinguin-Geschichte ist legendär. Da habe ich in Neuseeland bei Otago United gespielt. Ich bin ein riesiger Tier-Fan. Ich hatte schon einen Affen und einen Leguan. In Otago gibt es große Pinguin-Kolonien. Da habe ich mir dann einen für zwei Tage ausgeliehen. Dann habe ich aber schnell gemerkt, dass ein Pinguin kein Haustier ist. Ich habe ihn dann zurückgebracht. Auch um Tierschützern den Wind aus den Segeln zu nehmen.

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