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Freddy Adu spielte in der MLS für DC United und Real Salt Lake © getty

Freddy Adu schien auserwählt die Fußballwelt aus den Angeln zu heben. Heute fristet der US-Boy ein unbeachtetes Schattendasein.

Von Martin Hoffmann

München - Freddy Adu hat kürzlich getwittert.

Der US-Nationalspieler zwitscherte ins Web: "Hull oder Aris? Mann, Entscheidungen. Ich habe schwere Entscheidungen zu fällen."

Am Mittwoch hat er es getan. Adu unterschrieb einen Leihvertrag über 18 Monate beim griechischen Erstligisten Aris Saloniki. Das ist nicht dort, wo man Adu vor ein paar Jahren vermutet hätte.

Von Adu hatte man sich nicht weniger versprochen, als dass er die Fußballwelt aus den Angeln heben würde 114788(DIASHOW: Die internationale Wechselbörse).

Adu wurde in seinen frühesten Teenager-Jahren als neuer Pele gefeiert. Jetzt ist Adu 20 - und nicht mehr als eine Randnotiz des internationalen Fußballgeschäfts.

Das Märchen vom Wunderkind

Dabei las sich die Geschichte des Mittelfeldspielers lange wie eine märchenhafte Erfolgsstory.

Geboren am 2. Juni 1989 in Ghana, gewann seine Mutter 1997 in einer Lotterie eine "Green Card", eine Aufenthaltsgenehmigung für die USA.

Und ausgerechnet dem Land, in dem der Männerfußball ein ewiges Nischendasein fristet, schien so ein Wunderkind dieses Sports zugefallen zu sein.

Lauffreudig, technisch beschlagen, dribbelstark, passsicher, torgefährlich: Adu hatte alle Anlagen - und er zeigte sie früher als alle anderen.

Millionär mit 13

Mit 13 kickte der eingebürgerte Adu in der U 17 des Landes. Mit 14 bei der U-20-WM. Mit 15 in der US-Profiliga Major League Soccer. Mit 16 im Nationalteam.

Ein Sportartikelhersteller gab ihm mit 13 einen millionenschweren Werbevertrag und machte ihn zum Zugpferd beim Versuch, die US-Konsumenten für Fußballartikel zu begeistern.

Adu dribbelte inmitten seiner Teenager-Jahre in landesweiten Werbespots über die Bildschirme.

Er saß bei Talk-Ikone David Letterman auf dem Sofa, die weltweiten Medien überboten sich mit Lobgesängen: Das "Kind mit den Zauberfüßen" nannte ihn die "Newsweek".

Der Durchbruch lässt auf sich warten

Und Europas Top-Klubs warben mit Millionen-Summen um seine Dienste.

Manchester United - wo er auch einmal vorspielen durfte -, Barcelona, Chelsea, Inter, Juve, auch Bayern, Dortmund und Leverkusen sollen interessiert gewesen sein.

Adu landete 2007 schließlich bei Benfica Lissabon. Doch der erhoffte Durchbruch bei einem europäischen Top-Klub lässt bis heute auf sich warten.

Benfica lieh ihn zweimal aus: Erst nach Monaco, dann zu Ligakonkurrent Belenenses. Adu schmorte fast durchgehend auf der Bank und der Tribüne und wurde wieder zurückgeschickt.

Schummelei beim Geburtsdatum?

Was aber ist schief gelaufen?

Skeptiker mutmaßen, Adu sei älter, als er behauptet. Seine sportliche Frühreife, auf der sein Hype beruhte, nichts als Lug und Trug.

Das Magazin "Sports Illustrated" schickte gar einmal zwei Detektive in seine ghanaische Heimat, um den Verdacht zu überprüfen. Sie fanden nichts, was dafür sprach.

"Er wird die Welt nicht mehr im Sturm erobern"

Die schlichte Wahrheit ist wohl, dass Adu zu den vielen Talenten gehört, deren Potenzial sich durch die Unwägbarkeiten beim Heranwachsen eines Fußballers nicht entfaltet hat.

"Wer kein ernsthaft guter Spieler ist, wenn er seine Teenager-Jahre beendet, der wird die Welt nicht mehr im Sturm erobern", bemerkte ein US-Blogger als Reaktion auf die Ausmusterung bei Belenenses.

"Viele Jungspieler sind schon in den Himmel gelobt worden und sind dann von der Bildfläche verschwunden", sagte vor ein paar Jahren ein anderer, der sich im Fußball auskennt.

Sein Name: Freddy Adu.

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