vergrößernverkleinern
Bei Chelsea war Adrian Mutu schon einmal wegen Kokain-Missbrauchs gesperrt worden © imago

Adrian Mutu hat nichts ausgelassen. Nun droht seiner Laufbahn nach einem vergleichsweise banalen Dopingvergehen das Aus.

Von Martin Hoffmann

München - Es sind Worte, die sich für Adrian Mutu anfühlen müssen wie tiefe Schnitte ins Fleisch.

"Mutu ist immer noch ein Kind. Ein Kind, das etwas Dummes getan hat", heißt es über den Stürmer des AC Florenz.

Und weiter: "Er ist ein Topmann auf dem Platz, aber er hat nicht verstanden, dass er 30 Jahre alt ist und mit Sinn und Verstand handeln muss."

Es sind nicht die Worte eines Lästermauls aus irgendeinem Internet-Forum. Es sind die Worte von Pantaleo Corvino, dem Sportdirektor von Bayerns Champions-League-Gegner.

Eine zusätzliche Demütigung für den rumänischen Topstürmer, der nach einer erneuten Dopingaffäre vor den Trümmern seiner Karriere steht.

Der schlechte Ruf kehrt zurück

Nicht nur, dass ihm nach dem Positivtest auf einen stimulierenden Appetitzügler eine vierjährige Sperre blüht.

Auf den in Wahrheit schon 31-jährigen Mutu ist auch wieder der Ruf zurückgefallen, den er eigentlich hinter sich lassen wollte.

Der Ruf als unreifer, verantwortungsloser Hallodri, der sich mit seinen Eskapaden die Karriere zerstört.

Immer, wenn Mutu zuletzt porträtiert worden war, präsentierte er sich als Geläuterter. Als verantwortungsbewusster Familienvater, der die wilden Jahre hinter sich gelassen hat.

Kein Klischee ausgelassen

Es waren äußerst wilde Jahre: Es gab kein Klischee eines abgehobenen Skandalkickers, das der einstige Jura-Student nicht bedient hätte.

Schnelle Autos, prächtige Yachten, Affären mit TV- und Erotikstars, rauschende Partys, Trinkgelage, Prügeleien, Stress mit der Polizei: Mutu absolvierte das volle Programm.

Bei Chelsea nahm er sich einst zwei Tage frei und behauptete, er müsse sich in Rumänien um seine kranke Mutter kümmern. In Wirklichkeit kümmerte er sich um die heimische Clubszene.

Kernschmelze durch Kokain-Affäre

Dann die Karriere-Kernschmelze im Herbst 2004: Im September wurde ihm bei einem Dopingtest Kokainkonsum nachgewiesen.

Mutu wurde sieben Monate gesperrt und von Chelsea rausgeworfen. Und nicht nur das: Die Blues, die im Jahr zuvor 19 Millionen Euro für Mutu an den AC Parma überwiesen hatten, nahmen ihn für die "nicht amortisierten Ausgaben" in Regress.

Eine Kompromisslosigkeit, die sich vielleicht auch dadurch erklärt, dass es schon kurz vorher mächtig Zoff mit Mutu gab.

Jahrelanges Hickhack

Mutu hatte gegen den Wunsch von Trainer Jose Mourinho an einem WM-Qualifikationsspiel teilgenommen.

Und er erklärte hinterher, die Blues hätten seinem Heimatverband mit einem Gefälligkeitsattest des Klubarzts eine Verletzung Mutus vortäuschen wollen.

Nach jahrelangem juristischen Hickhack verurteilte das Schiedsgericht der FIFA Mutu im Mai 2008 zur Zahlung von 17.173.990 Euro an Chelsea.

Aufwändiger Lebensstil

Eine einmalige Geldbuße, gegen die Mutu mehrfach Berufung einlegte - bislang ohne Erfolg.

Aktuell ist nicht einer Abfuhr durch den CAS noch eine Verhandlung bei einem Schweizer Bundesgericht anhängig.

Mutu würde die Strafe wegen seines aufwändigen bis verschwenderischen Lebensstils - inklusive einer teuren Scheidung von einer TV-Moderatorin - kaum aus eigener Tasche bezahlen können.

Und sie legte auch einen beständigen Schatten auf die Revitalisierung von Mutus sportlicher Karriere.

Renaissance in der Serie A

Nach dem Rauswurf bei Chelsea kam Mutu in der Serie A unter.

Nach eineinhalb Jahren bei Juventus Turin blühte er ab 2006 unter seinem alten Parma-Coach Cesare Prandelli wieder auf.

Mutu wurde zum Torgaranten der Fiorentina, schoss in drei Spielzeiten 46 Tore in 81 Ligaspielen.

"Ich habe nach einer schwierigen Zeit meine innere Ruhe in Florenz gefunden", erklärte Mutu im vergangenen Jahr.

Bittere Schlusspointe droht

Und nun das: ein illegaler Appetitzügler, angeblich im falschen Glauben eingenommen, das Präparat wäre auf natürlicher Basis hergestellt.

Ganz wie seinerzeit bei Diego Maradona droht dem Fußballer Mutu eine bittere Schlusspointe: Das Ende einer skandalreichen Karriere - herbeigeführt durch ein vergleichsweise banales Vergehen.

Dabei hatte Mutu kürzlich noch erklärt "ausreichend gebüßt" zu haben "für eine Jugendsünde, die Lichtjahre von dem Fußballer und Mensch entfernt ist, der ich jetzt geworden bin".

Mutu ist mit Lichtgeschwindigkeit eingeholt worden.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel