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Michal Listkiewicz war seit dem 28. Juni 1999 Präsident des polnischen Verbands © getty

FIFA und UEFA machen langsam ernst. EM-Co-Ausrichter Polen nimmt die Drohungen der Verbände allerdings nicht ganz so ernst.

Warschau - Im Streit mit den Fußball-Verbänden FIFA und UEFA will die polnische Regierung nicht nachgeben.

"Ich werde den polnischen Fußball weiter von der Korruption befreien, in der er unterzugehen droht", sagte Premierminister Donald Tusk der Boulevardzeitung "Fakt".

Nach der Absetzung der Führungsspitze des polnischen Fußball-Verbandes (PZPN) hat die FIFA der Regierung eine Frist bis Montagmittag gesetzt und die Wiedereinsetzung der alten Verbandsführung verlangt.

Sollte dies nicht geschehen, droht der Weltverband mit der Absage der WM-Qualifikationsspiele Polens gegen Tschechien (11. Oktober) und der Slowakei (15. Oktober).

Sport soll unabhängig bleiben

Beide Partien würden mit 0:3 Toren gewertet. Außerdem zieht die Europäische Fußball-Union (UEFA) den Entzug der Gastgeberrolle für die EM 2012 in Betracht.

Beide Verbände lehnen die staatliche Einmischung ab und verlangen die Autonomie des Sports.

Polens Innenminister Grzegorz Schetyna sprach am Sonntag im Fernsehsender "TVN24" von einem "intellektuellen Schlagabtausch" und einem "Nervenkrieg": "Ultimaten und Druck sind nicht sinnvoll. Ich glaube, die FIFA will uns nur Angst machen."

Verhärtete Fronten

Der Weltverband bekräftigte am Wochenende jedoch, dass er bei seinem Ultimatum bleibe.

Schetyna sieht darin eine Machtprobe: "Wir wollen den Sumpf PZPN trockenlegen und gute Spiele gegen die Slowakei und Tschechien machen. Die FIFA will dagegen zeigen, dass sie sich über nationale Gesetze hinwegsetzen kann."

Polens Sportminister Miroslaw Drzewiecki hatte am vergangenen Montag ein Schiedsgericht des Nationalen Olympischen Komitees angerufen, das die PZPN-Führung um Präsident Michal Listkiewicz nach zahlreichen Skandalen suspendiert und durch den unabhängigen Verwalter Robert Zawlocki ersetzt hatte.

Deja-vu für polnischen Verband

FIFA und UEFA kündigten an, mit Zawlocki nicht zu kommunizieren und das Internationale Olympische Kommitee (IOC) über die Vorgänge in Polen zu informieren.

Erst im vergangenen Jahr war Polen einem Ausschluss durch den Weltverband knapp entgangen.

Damals hatte die Regierung die Geschäftsführung des nationalen Fußball-Verbandes ebenfalls entlassen, dann aber fristgerecht wieder eingesetzt.

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