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Fener-Coach Luis Aragones führte Spanien bei der EM 2008 zum Titel © imago

Ende Juni wurde Luis Aragones noch als Vater des spanischen EM-Triumphs gefeiert. Nun bläst ihm in der Türkei der Wind ins Gesicht.

Von Thorsten Mesch

München - Sechs Spiele, vier Niederlagen, sechs Punkte - das bedeutet aktuell Platz zwölf mit zehn Punkten Rückstand auf Tabellenführer Trabzonspor.

So hatte sich der neue Trainer von Fenerbahce Istanbul, Luis Aragones, den Saisonstart nicht vorgestellt.

Vorläufiger Tiefpunkt war die 1:4-Heimniederlage am Wochenende gegen Kayserispor: Präsident Aziz Yildirim wurde ausgepfiffen, ausgebuht und verließ das Stadion Sükrü Saracoglu vorzeitig.

Fans fordern Zico

Die aufgebrachten Fans wünschten sich lautstark Aragones' Vorgänger zurück. Mit "I-love-you,-Zico"-Sprechchören wurde der Brasilianer gefeiert, der mittlerweile als Coach beim usbekischen Erstligisten Bunjodkor Taschkent arbeitet.

Auch die türkischen Medien ließen kaum ein gutes Haar an Aragones. "Albtraum-Nacht" schrieb die "Hürriyet", "Milliyet" hatte einen "Tsunami, der über Fenerbahce hinweggefegt ist", gesehen.

"Dieses Ergebnis verspricht nichts Gutes", orakelte "Fotospor".

Aragones bleibt gelassen

Doch der 70-Jährige gibt sich gewohnt gelassen: "1:4 zu verlieren ist schlecht, aber ich bin nicht gekommen, um gleich wieder zurückzutreten. Ich bin gekommen, um das zu machen, von dem ich am meisten verstehe", betonte Aragones nach der vierten Saisonniederlage.

Obwohl er in den vergangenen Wochen immer wieder mit personellen Problemen zu kämpfen hatte, übernahm er die Verantwortung für die erneute Pleite und entschuldigte sich bei den Anhängern.

Auf die Frage, was er denn machen würde, wenn die Vereinsführung um seinen Rücktritt bitten würde, erklärte der "Weise von Hortaleza": "Ich weiß nicht, was ich denken würde. Ich bin gekommen, um hier meine Arbeit zu machen."

"Die Mannschaft ist demoralisiert"

Doch die gestaltet sich zunehmend schwieriger. "Es ist nicht möglich, mit diesem Kader zu arbeiten", schrieb der ehemalige Profi Ridvan Dilmen in seiner Kolumne in der "Milliyet".

"Die Mannschaft ist demoralisiert. In solchen Spielen beten die Spieler, dass endlich der Schlusspfiff ertönt, und so eine Situation erleben wir momentan", ergänzte der einstige Fenerbahce-Star.

Jetzt sei der Zeitpunkt gekommen, um durchzuatmen und nach vorne zu blicken. Die Führungsriege des Vereins werde nun "Entscheidungen treffen, um diese Situation zu korrigieren."

Rückendeckung von Güiza

Rückendeckung bekommt Aragones von seinem Stürmer Dani Güiza. "Luis ist genervt und unzufrieden. Sein Motto ist es, jeden Tag zu arbeiten und nicht aufzugeben. Er ist ein harter Typ, der immer nach vorne blickt", erklärte der 28-Jährige der spanischen Sportzeitung "Marca".

"Wenn wir das nächste Spiel gewinnen, wäre es gut für unsere Moral", sagte der spanische Nationalspieler, den Aragones nach dem EM-Sieg an den Bosporus gelotst hatte.

Er habe nicht erwartet, nach sechs Spielen zehn Punkte Rückstand auf Platz eins zu haben. "Aber der Fußball ist sehr kompliziert und solche Dinge können passieren", so Güiza.

Rausschmiss wäre teuer

Sollte Aragones seine Koffer packen müssen, fände er das "sehr schlecht. Was die anderen Spieler denken, weiß ich nicht".

Für Fenerbahce wäre die vorzeitige Trennung zudem eine nicht ganz billige Angelegenheit. Umgerechnet sechs Millionen Euro, so wird berichtet, müssten die Türken dem Spanier als Abfindung zahlen.

Dass auch der von Michael Skibbe trainierte Erzrivale Galatasaray als Sechster mit elf Punkten nicht optimal in die Saison gestartet ist, dürfte nur ein schwacher Trost sein.

Sollte Fenerbahce jedoch am kommenden Spieltag (19. Oktober) bei Schlusslicht Kocaelispor nicht gewinnen, wird Aragones wohl die Heimreise antreten müssen.

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