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Inters Zlatan Ibrahimovic ist der wohl bestbezahlte Fußballer der Welt © getty

UEFA-Boss Michel Platini will die explodierenden Spielergehälter eindämmen. Die Idee der "Salary Cap" wird wieder salonfähig.

Von Thorsten Mesch

München - Für 180.000 Euro müssen viele Arbeiter mehrere Jahre lang schuften. Andere Berufsgruppen verdienen diese Summe in wenigen Monaten, Manager locker in einem.

Ein Fußballer kann so viel Geld in nur einer Woche einstreichen. Frank Lampard soll beim FC Chelsea ungefähr 140.000 Pfund kassieren. Umgerechnet knapp 180.000 Euro.

Auf ein Jahr addiert sind das mehr als neun Millionen Euro. Lampard ist damit der am besten verdienende Fußballer in England.

Allein für ihre Spielergehälter geben die Vereine der Premier League umgerechnet etwa 1,2 Milliarden Euro aus.

Platini will Spirale stoppen

Nachdem am Dienstag in London die Schuldenlast der Klubs auf annähernd vier Milliarden Euro beziffert wurde stellt sich einmal mehr die Frage, wie lange diese astronomischen Summen noch gezahlt werden können.

UEFA-Präsident Michel Platini will die sich immer weiter drehende Gehaltsspirale nun stoppen. "Wir müssen über die Anzahl der Verträge bei den Vereinen reden. Und wir können über die Gehälter sprechen", sagte Platini dem englischen Sender "Sky Sports News".

"Ich bin kein Finanz-Experte, sondern ein Fußball-Experte. Wir müssen behutsam vorgehen und sehen, was wir tun können", erklärte der Franzose, der zudem die immer größer werdende Präsenz ausländischer Investoren im englischen Fußball kritisierte.

"Wo ist da Liverpool?"

"Das ist nicht gut. Die Leute aus dem Katar sollten im Katar investieren. Jeder sollte den Fußball in seinem Land entwickeln", meinte Platini: "Möchten Sie einen Scheich als Präsident in Liverpool, dazu einen brasilianischen Trainer und elf Spieler aus Afrika? Wo ist da Liverpool?"

Platini kündigte an, er werde "versuchen, etwas zu tun" und forderte: "Man muss Regeln aufstellen". Manch einem mögen seine Ausführungen romantisch und nur schwer umsetzbar vorkommen, andere werden sie an die Forderung eines anderen ehemaligen Weltklassefußballers erinnern.

Karl-Heinz Rummenigge setzt sich seit geraumer Zeit für die Einführung einer Gehaltsobergrenze für Vereine ein.

Rummenigges Forderung verhallte ungehört

Man müsse mit einer solchen Maßnahme "den Abramowitschs dieser Welt Einhalt gebieten", forderte der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern München bereits vor zwei Jahren im Hinblick auf den russischen Geldgeber des FC Chelsea.

"Ich hoffe, dass die Politiker diese Salary Cap beschließen", sagte Rummenigge damals der "tz": "Denn sonst geht der Fußball kaputt."

Getan hat sich bislang nichts. Stattdessen dreht sich die Gehaltsspirale immer weiter nach oben. Manchester City soll Ronaldinho sogar 200.000 Pfund pro Woche geboten haben. Doch der Brasilianer wechselte zum AC Mailand, wo er allerdings "nur" etwa acht Millionen Euro im Jahr verdienen soll.

Der Schwede Zlatan Ibrahimovic von Milans Ortsrivalen Inter Mailand gilt mit etwa zwölf Millionen Euro Netto-Jahresgehalt als der am besten bezahlte Fußballer der Welt.

Deutsche Vereine können nicht konkurrieren

Die deutschen Vereine können finanziell nicht mit den englischen, italienischen und spanischen Spitzenklubs konkurrieren, weil - bis auf wenige Ausnahmen - Großinvestoren fehlen.

Zudem machen die Fernsehgelder nur einen Bruchteil der Summen aus, die die internationalen Top-Klubs erreichen.

Doch auch in der Bundesliga kassieren einige - wenn auch wenige - Stars bis zu fünf oder sechs Millionen Euro.

"Unter moralischen Gesichtspunkten" zu viel

Anfang des Jahres räumte DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger ein, dass Spitzenfußballer wie auch Spitzenunterhalter und einige Top-Manager "unter moralischen Gesichtspunkten" zu viel Geld verdienten.

Das Bosman-Urteil des Europäischen Gerichtshofs vor 13 Jahren habe wenige Fußballer immer reicher und die Vereine immer ärmer gemacht. Die Politik habe den Sport nach 1995 "im Stich gelassen", so der Tenor der Kritiker.

Die Forderung nach einer einheitlichen Regelung der Gehälter, wie sie Michael Platini nun erneut fordert, ist nicht neu. Ob sie umgesetzt wird, steht in den Sternen. Bis dahin gelten die Gesetze des Marktes.

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