vergrößernverkleinern
Boateng bejubelt seinen Treffer im Halbfinale des FA Cup © getty

Boateng berauscht sich an seinem Treffer im FA-Cup gegen Tottenham - und könnte nun wieder für die Bundesliga interessant werden.

Von Martin Hoffmann

München - Kevin-Prince Boateng wird seinen DVD-Player heißlaufen lassen.

"Ich habe viele Freunde, die das Spiel aufgenommen haben", erklärte er nach dem Finaleinzug seines FC Portsmouth gegen Tottenham Hotspur. (DATENCENTER: Der FA-Cup)

"Ich werde es mir heute Abend ansehen und dann morgen noch einmal. Es wird mir nie langweilig werden, es anzusehen", so der frühere Dortmunder.

Eine verständliche Ansicht: Der rauschende Pokalfight im Wembley-Stadion lief auch wie nach dem Drehbuch eines packenden Hollywood-Sportfilms.

Fast zu viele Klischees

Eines mit fast schon zu vielen Klischees: Es ging gegen den alten Klub, bei dem er zwei unglückliche Jahre erlebt hatte.

Mit seinem neuen Klub, mit dem er in dieser Saison die Insolvenz und den Abstieg erlebt hat.

Und dann noch das erste Spiel nach einer langwierigen Knöchelverletzung, das zu einem 120-minütigen Kampf gegen den eigenen Körper wird.

Und dann trifft Boateng drei Minuten vor Ende der Verlängerung per Elfmeter zum 2:0-Endstand - und sichert seinem Team so das Endspiel gegen Tabellenführer Chelsea.

"Zweitbeste Gefühl meines Lebens"

Kein Wunder, dass Boateng da Emotionen erlebte, wie er sie in seiner gesamten Karriere noch nicht gekannt hatte.

"Es war das zweitbeste Gefühl meines Lebens nach der Geburt meines Kindes", schwärmte er: "Es war mein perfekter Tag."

Und er würdigte Trainer Avram Grant für die mentalen Kräfte, die er in ihm geweckt hatte. (DATENCENTER: Premier League)

"Nach 90 Minuten hat er mich gefragt, ob ich okay wäre", so Boateng: "Ich habe ja gesagt, und er hat geantwortet: 'Okay, dann will ich noch mehr von dir sehen.'"

Es wäre typisch für den ehemaligen Chelsea-Coach: "Er hat mir gesagt, dass ich es kann, und so hat er mit den Glauben gegeben, es auch zu können."

Werbung in eigener Sache

Ein Pokaltriumph über die Blues wäre für Boateng der Höhepunkt einer für sein junges Alter schon ziemlich turbulenten Karriere - und auch gute Werbung in eigener Sache.

Davon, dass Boateng in der kommenden Saison in Englands Zweiter Liga spielen will, ist nicht auszugehen.

Zumal auch der durch den Finaleinzug eigentlich gesicherte Europa-League-Einzug für Portsmouth nicht sicher ist.

Der Klub hat die nötigen Unterlagen bei der UEFA wegen der Insolvenz-Wirren nicht einreichen können und muss sich nun erst noch um eine Genehmigung für den Wettbewerb bemühen.

Ungewisse WM-Perspektive

Die Aufmerksamkeit, die er nun erregt, könnte ihm den Weg zu einem Klub mit besseren Perspektiven ebnen - womöglich auch in die Bundesliga.

Und er wird auch Ghanas Nationaltrainer Milovan Rajevac in seinem Willen bestätigen, Boateng für die WM zu nominieren.

Nach dessen Entschluss, für Deutschlands Vorrunden-Gegner Ghana statt für das DFB-Team aufzulaufen, ist aber noch ungewiss, ob der Verbandswechsel rechtzeitig über die Bühne geht.

Geht alles glatt, kann er Michael Ballack gleich zweimal in die Suppe spucken.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel