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Andreas Hinkel wechselte 2008 von Sevilla zu Celtic Glasgow © imago

Andreas Hinkel wird die WM verpassen. Bei SPORT1 spricht der Celtic-Profi über seine WM-Nichtberücksichtigung und den FC St. Pauli.

Von Jürgen Blöhs

Hamburg - Wenn die deutsche Nationalmannschaft in Südafrika um den WM-Titel kämpft, wird Andreas Hinkel nicht dabei sein.

"Natürlich ist es für jeden Spieler ein Traum, eine WM zu spielen", sagt der 21-malige Nationalspieler.

Übermäßig enttäuscht über seine Nicht-Nominierung ist der 28-Jährige jedoch nicht: "Ich konnte mich ja lange genug darauf einstellen", erklärt der Verteidiger von Celtic Glasgow im Gespräch mit SPORT1.

Celtic-Kapitän im Freundschaftsspiel

Beim 2:0-Sieg des 42-maligen schottischen Meisters im Freundschaftsspiel anlässlich des 100. Jubiläums des FC St. Pauli führte Hinkel "The Bhoys" sogar als Mannschaftskapitän ins Stadion am Millerntor.

Während er seinem Team zutrauen würde, in der Bundesliga oben mitzuspielen, kann er die Leistungsstärke der Hamburger nicht genau einschätzen.

"Ich habe die zweite deutsche Liga nicht verfolgt", so der ehemalige Stuttgarter, der sich in seiner neuen Heimat, wo "sehr wohl" fühlt.

"Ich drücke die Daumen"

Der DFB-Auswahl drückt Hinkel die Daumen und traut ihr in Südafrika einiges zu, aber dazu müsse im Team alles passen.

Der Ausfall von Kapitän Michael Ballack für die WM sei "verdammt bitter", denn "wenn es eng wird, braucht jede Mannschaft einen Leader so wie Ballack einer ist".

Im Interview mit SPORT1 äußert sich Hinkel zu seiner Nichtberüchsichtigung für die WM sowie zu Ballcks Fehlen und spricht über die Chancen der deutschen Mannschaft in Südafrika.

SPORT1: Die Stimmung im Freundschaftsspiel zwischen St. Pauli und Celtic war toll. Hat es Ihnen Spaß gemacht?

Andreas Hinkel: Das hat mich schon an unser Publikum in Glasgow erinnert, und ich war überrascht, wie viele Fans aus Schottland zu St. Paulis Jubiläum angereist sind.

SPORT1: Kann St. Pauli die Bundesliga halten?

Hinkel: Das kann ich nicht beurteilen. Ich habe die zweite deutsche Liga nicht verfolgt - und das Freundschaftsspiel ist kein Maßstab, St. Pauli hat ja die ganze Mannschaft durchgewechselt.

SPORT1: Was fehlt Celtic zur europäischen Spitze?

Hinkel: Unsere Liga ist zu klein und außer im Derby gegen die Rangers werden wir nur selten gefordert. Und dann fehlt natürlich auch das nötige Geld, um entsprechende Spieler verpflichten zu können. Es war ja schon häufiger angedacht, dass Celtic in der englischen Premier League spielen soll. Das wäre die Lösung.

SPORT1: Sie kennen die Bundesliga. Wo würden Sie Celtic einordnen?

Hinkel: Wir würden sicher in der Spitze mitspielen. Und im Celtic Park sind wir eine Macht. Ein so tolles Publikum als Rückhalt darf man nicht unterschätzen.

SPORT1: Sie fahren nicht zur WM. Enttäuscht?

Hinkel: Natürlich ist es für jeden Spieler ein Traum, eine WM zu spielen. Aber ich konnte mich ja lange genug darauf einstellen.

SPORT1: Wie meinen Sie das?

Hinkel: Es war wohl klar, dass Joachim Löw nicht mit mir plant, als ich nicht zur Asien-Reise eingeladen wurde.

SPORT1: Wann hat sich denn der Bundestrainer das letzte Mal bei Ihnen gemeldet?

Hinkel: Das ist lange her. Vor der Asien-Reise.

SPORT1: Hat man Sie im fernen Schottland aus dem Blickwinkel verloren?

Hinkel: Ich kenne das Scouting-System des DFB nicht. Vielleicht hat man ja Celtic-Spiele im TV angesehen.

SPORT1: Im Celtic-Stadion war niemand?

Hinkel: Nicht dass ich wüsste.

SPORT1: Sie kennen die Nationalmannschaft. Wie schwer wiegt der Ausfall von Michael Ballack?

Hinkel: Das ist verdammt bitter. Mit ihm fällt der erfahrenste Spieler aus - dazu noch mit den Erfolgen von Chelsea im Rücken, die zusätzlich beflügeln. Viel Schlimmeres hätte nicht passieren können.

SPORT1: Kann die Mannschaft den Ausfall auffangen?

Hinkel: Die deutsche Mannschaft ist ja nicht gespickt mit Weltklasse-Spielern und lebt vom Teamgeist. Das macht Hoffnung. Aber wenn es eng wird oder in den K.o.-Spielen, wo jeder Fehler über Weiterkommen oder Aus entscheiden kann, da braucht jede Mannschaft einen Leader, so wie Michael Ballack einer ist.

SPORT1: Wer wird Weltmeister?

Hinkel: Das ist ganz schwer zu tippen. Vielleicht wird es sogar ein Außenseiter, eine afrikanische Mannschaft. Aber eigentlich glaube ich eher, dass es Spanien, Brasilien und Argentinien unter sich ausmachen. Die üblichen Verdächtigen eben. Und auch die deutsche Mannschaft hat mit ihrer Turniererfahrung Chancen. Aber dafür muss alles auf den Punkt zusammenpassen. Ich drücke die Daumen.

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