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Michael Ballack wechselte 2006 vom FC Bayern zu Chelsea © getty

Nach der Trennung von Chelsea bekundet Ballack Interesse an einer Bundesliga-Rückkehr. Wolfsburg scheint eine Option zu sein.

Von Martin Hoffmann

München - Michael Ballack war "komplett überrascht" von der Entscheidung des FC Chelsea, ihn vor die Tür zu setzen.

So beschreibt zumindest Michael Becker, Berater des DFB-Kapitäns, in englischen Medien die Gemütslage seines Schützlings.

Es dürfte etwas übertrieben sein: Denn so überraschend kann die Trennung für den 33-Jährigen nicht mehr gekommen sein - so lange, wie die Vertragsverhandlungen mit den Blues schon auf Eis lagen.

Ballack selbst klingt in seinem ersten Statement auch recht aufgeräumt 29125(DIASHOW: Ballacks Karriere).

"Ich bin ein stolzer Deutscher"

"Es ist schade, dass wir nicht zusammengekommen sind, aber das muss ich jetzt hinter mir lassen", zitiert ihn die "Times".

Er habe "vier großartige Jahre" beim englischen Meister gehabt, er wäre gern geblieben, es wäre aber die Entscheidung von Klubsponsor Roman Abramowitsch gewesen, getrennte Wege zu gehen.

Es sei Zeit, "einen neuen Klub zu finden". Ein europäischer soll es auf jeden Fall werden, eine Rückkehr nach Deutschland sei denkbar:

"Ich bin ein stolzer Deutscher und habe es immer genossen, dort zu leben."

Er habe in der Bundesliga auch "einige Optionen".

SPORT1 gibt einen Überblick über Ballacks mögliche neue Klubs.

Schalke 04

Als "erste Option" hatte die Agentur "SID" Schalke am Mittwoch noch bezeichnet. Die Zweifel daran sidn jedoch groß.

Die "Süddeutsche Zeitung" bezeichnet das Gerücht als "substanzlos", die "WAZ" zitiert aus Ballacks Umfeld: "Schalke ist genauso ein Thema wie Borussia Dortmund und Arminia Bielefeld."

Zur Sicherheit: Bielefeld ist kein Thema für Ballack.

Für Schalke spricht: Der Revierklub hat Ambitionen, die Champions-League-Qualifikation in der Tasche und Felix Magath, Ballacks ehemaligen Coach bei Bayern.

Gegen Schalke spricht: Jener Magath hat soeben erst Alarm geschlagen, dass die Finanzprobleme und der Sparkurs, auf den der Klub nun steuern will, die hoch gesteckten Ziele gefährdet.

Ob Ballack dem Klub in dieser Situation vermittelbar ist, ist fraglich. Und ob Ballack zu einem Klub will, der sich in einem Richtungsstreit mit unklarem Ausgang befindet, ist es ebenso.

VfL Wolfsburg

Zum Meister von 2009 wittert die "Süddeutsche Zeitung" eine "glaubwürdige Spur".

Und Manager Dieter Hoeneß lässt sich auch anmerken, dass ihn das Thema Ballack beschäftigt.

"Die Frage wird sein: Was will Ballack? Wenn er noch mal eine sportliche Herausforderung sucht, halte ich die Bundesliga nicht für ausgeschlossen", sagte er.

Drei, vier Vereine könnten ihn sich leisten.

Für Wolfsburg spricht: Der VW-Klub wird kaum nein zu Ballack sagen. Große Namen mit großer Strahlkraft zu verpflichten, gehört bei Wolfsburg zum Geschäftsprinzip.

Die "Wölfe" haben schon 2002 Stefan Effenberg locken können, als der in einer ähnlichen Situation war - und der VfL noch einen weit schlechteren Ruf hatte.

Wolfsburg hat das Geld, die Ambitionen, einen Kader, der nicht nur wegen Edin Dzekos Verbleib hohen Ansprüchen genügt. Und mit Neu-Coach Steve McClaren dürfte sich England-Freund Ballack ebenfalls verstehen.

Gegen Wolfsburg spricht: Beim VfL müsste Ballack damit leben, dass er das erste Mal seit seiner Debütsaison für Kaiserslautern 1996/97 bei den europäischen Wettbewerben zuschauen muss.

Bei allem, was für die "Wölfe" spricht: Ein Renommier-Klub mit Champions-League-Qualifikation in der Tasche hätte im Zweifel wohl Vorrang.

Bayer Leverkusen:

Sportdirektor Rudi Völler sagt zum Thema: "Es werden viele Klubs jetzt über Michael diskutieren."

Wie SPORT1 schon am Mittwoch vermeldet hat, gehört Leverkusen zu diesen Klubs.

"Ich dementiere das nicht. Jede Mannschaft in Deutschland könnte sich glücklich schätzen, einen Michael Ballack in ihren Reihen zu haben", gab Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser im "Kölner Stadt-Anzeiger" offen zu.

"Zwischen Bayer und Michael Ballack herrschte immer eine besondere Beziehung, wir waren eine wichtige Station in seiner Karriere."

Für Leverkusen spricht: Der Unvollendete kehrt heim zu den Unvollendeten, um die Meister-Mission noch mal anzupacken: Eine gute Story wäre es auf jeden Fall.

Als weiterer, erfahrener Stabilisator des jungen Teams neben Sami Hyypiä würde Ballack dem Werksklub auch ins Konzept passen.

Gegen Leverkusen spricht: Auch hier: keine Champions-League-Qualifikation. Ob Ballacks Sentimentalitäten groß genug sind, darüber hinwegzusehen, muss sich zeigen.

Real Madrid:

Ein heißes Gerücht, das schon aufkochte, bevor Chelseas Trennung von Ballack Gewissheit wurde.

Reals neuer Coach Jose Mourinho soll sich über seinen Manager Jorge Mendes nach Ballack erkundigt haben.

Für Madrid spricht: Chelseas Ex-Coach Jose Mourinho kennt und schätzt Ballack, der bestens in sein Spielkonzept passt.

Und bei den Dimensionen, in denen Real operiert, ist ein ablösefreier, zu Gehaltseinbußen bereiter Ballack für Real ein Schnäppchen.

Anders als die Bewerber aus der Bundesliga kann Madrid zudem nicht nur die Qualifikation für die Champions League bieten, sondern auch die realistische Aussicht, sie auch zu gewinnen.

Gegen Madrid spricht: Medienberichten zufolge soll Ballack nur ein Thema sein, sollte die angepeilte Verpflichtung von Steven Gerrard nicht klappen.

Wobei die Frage ist, ob die Personalien tatsächlich so verknüpft sind: Gerrard interpretiert seine Mittelfeldrolle offensiver, als es Ballack seit dem Ende der Bayern-Zeit tut.

Prinzipiell ließen sich Ballack, Gerrard und Defensivstratege Xabi Alonso also durchaus in einer Elf unterbringen - gerade für einen Taktikfuchs wie Mourinho.

Weitere Optionen:

Werder Bremen, von einer fantasiereichen englischen Zeitung ins Spiel gebracht, hat abgewunken. Auch eine Rückkehr zum FC Bayern ist nach Lage der Dinge kein Thema.

Der Hamburger SV kommt in einigen Spekulationen vor, als substanziell haben sie sich bislang nicht erwiesen. Auch gegen den HSV spricht die internationale Abstinenz.

Ein möglicher Abnehmer wäre Champions-League-Sieger Inter Mailand, der nach Medienberichten schon über einen Mittelsmann vorgefühlt haben soll.

Nicht auszuschließen, dass Ballack aus familiären Gründen doch in England bleibt:

Champions-League-Teilnehmer Tottenham, der FC Liverpool, West Ham und der unvermeidliche Scheich-Klub Manchester City werden als Optionen gehandelt. Konkrete Anhaltspunkte gibt es für sie aber nicht.

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