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Kevin Kuranyi wurde von Bundestrainer Joachim Löw nicht für die WM nominiert © imago

Der Ex-Schalker feiert sein Debüt in Moskau - sein Ziel bleibt das DFB-Team. Doch die Realität in der russischen Liga ist trist.

Moskau - Den Roten Platz hat Kevin Kuranyi längst besichtigt, die Luxusläden an der Prachtstraße "Twerskaja" freuen sich über einen neuen zahlungskräftigen Kunden.

Am Samstag wird es für den früheren Nationalspieler in Moskau aber ernst.

Kuranyi wird sein Debüt für den russischen Erstligisten Dynamo Moskau geben - in brütender Hitze.

Denn die größte Stadt Europas leidet derzeit unter der heftigsten Hitzewelle seit mindestens 160 Jahren.

Leben ohne Bodyguards

Natürlich lebt Kevin Kuranyi bestens klimatisiert und wohlbehütet. Bodyguards aber, das stellte er am Freitag klar, die benötigt er in Moskau nicht.

"Ich glaube, bei diesem Thema gibt es auch ein paar falsche Vorstellungen."

"Moskau ist eine tolle Weltstadt, in der es sich klasse leben lässt. Nur die vielen Staus sind störend. Ich bewege mich hier völlig frei - ohne Leibwächter."

Umzug nach nur wenigen Tagen

Dafür im Kreise seiner Familie, ohne die er, wie Kuranyi beteuert, "nirgendwo hinwechseln" würde.

Seine Ehefrau und die beiden Kinder waren vom Moskauer Verkehr anscheinend so genervt, dass nach wenigen Tagen schon ein Umzug anstand.

"Wir wohnen jetzt in unmittelbarer Nähe zum Trainingsgelände", berichtet Kuranyi. Wer Böses denken will: Wieder eine Flucht, wie vor dem Rauswurf aus dem Nationalteam im Oktober 2008.

Kuranyi glaubt an Chance bei Löw

Der Weg zum Training also ist nun kurz, der Weg zurück in die Nationalmannschaft dagegen lang und steinig.

"Ich glaube und hoffe weiterhin auf eine Chance", sagt Kuranyi, "ich hatte vor der WM ein sehr gutes Gespräch mit Joachim Löw."

"Die gute Nachricht war, dass die Vorfälle aus der Vergangenheit kein Thema mehr sind. Das hat der Bundestrainer ja auch öffentlich bestätigt. Die schlechte Nachricht war, dass ich dennoch nicht mit zur WM durfte."

Dynamo: Nur Neunter in Russland

Deswegen helfen nur Tore. Doch die Voraussetzungen sind ungünstig.

Dynamo Moskau ist Tabellen-Neunter, und am Samstag wird gegen den Tabellenletzten Krylia Sowetow Samara schon die Hinrunde abgeschlossen. (Alle internationalen News)

"Ich hoffe, dass ich der Mannschaft mit vielen Toren helfen kann. Zuerst einmal gilt es aber, schnell wieder in Fahrt zu kommen. Ich habe gerade einmal vier Wochen Vorbereitung hinter mir", sagt Kuranyi.

Premjer Liga international zweitklassig

Im fernen Moskau im Fokus von Joachim Löw zu bleiben, wird Kuranyis Aufgabe für die kommenden Monate sein.

"Dass ich in Moskau spiele, ist kein Nachteil", behauptet er und ergänzt: "Ich wäre ja nicht der erste Nationalspieler, der im Ausland unter Vertrag steht. Entscheidend ist, dass ich hier an meine guten Leistungen anknüpfen kann. Und daran arbeite ich hart."

Dennoch ist die russische Premjer Liga, das gesteht auch Kuranyi ein, noch keine der Top 3 in Europa. "Ich weiß, dass die russische Liga, was Stadien und Zuschauerzahlen betrifft, noch nicht mit der Bundesliga mithalten kann."

Cesnauskis statt Raul

Ganz anders sehe es dagegen beim Thema Ausstattung aus: "Das Trainingszentrum ist einfach umwerfend. Solche tollen Bedingungen habe ich selbst in Deutschland noch nicht gehabt."

Allerdings hätte er auf Schalke eben doch Champions League gespielt, vor 61.000 Zuschauern, an der Seite von Raul.

Nun spielt er lediglich die dritte Runde des nationalen Pokals "Kubok", Dynamo ist mit 6532 Besuchern im Schnitt Liga-Schlusslicht.

Die Mitspieler heißen nicht Raul, sondern beispielsweise Edgaras Cesnauskis. Aller Anfang ist schwer. Auch in Moskau.

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