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Thierry Henry wechselte vom FC Barcelona in die USA zu den New York Red Bulls © getty

In Europa schädigten nachlassende Leistungen und das WM-Debakel Henrys Ruf. In den USA wird er mit offenen Armen empfangen.

Von Martin Hoffmann

München - Es ist wie immer eine Frage der Perspektive, wie man die Sache mit Thierry Henry sieht (Alle internationalen News).

Vor allem, von welcher Seite des Atlantiks aus. Europa sieht in ihm gerade einen Weltstar in seinen letzten Karrierezuckungen.

Einen, der mit der Flucht vom FC Barcelona und dem Rücktritt aus Frankreichs Nationalelf gerade noch den Absprung geschafft hat, ehe sein Bedeutungsverlust noch größer wird.

"Auf der Gnadenwiese" sieht ihn etwa die "Neue Zürcher Zeitung" nach seinem Wechsel zu den Red Bulls aus New York in die Major League Soccer.

In Amerika dagegen, der neuen Heimat des 32-Jährigen, entfacht Henrys Ankunft Euphorie beim geneigten Publikum.

Von Flitzern umarmt

Medien feiern den französischen Stürmern als neues Zugpferd einer Sportart, die durch die WM einen großen Popularitätsschub in den USA bekommen hat.

Und die Fans empfangen Henry teils schon mit zu viel Liebe. Das galt vor allem für die zwei Spielfeld-Flitzer, die den verdutzten Henry bei seinem Ligadebüt gegen Houston Dynamo (2:2) ansprangen und umarmten.

Eine Erfahrung, die er in Europa wohl nicht mehr gemacht hätte - wo nachlassende Leistungen, das Handtor gegen Irland und die Katastrophen-WM mit Frankreich seinen Ruf beschädigt haben.

Gute Leistungen zum Einstand

In den USA interessiert das wenige. Denn auch wenn Frankreichs Rekordtorjäger nicht mehr der ist, der er mal war: Er ist noch immer der beste Spieler, den die MLS bislang hatte.

Und er hat den Eindruck auch schon bestätigt: Beim Debüt, einem Testspiel gegen Tottenham, traf er direkt.

Im ersten Pflichtspieleinsatz - die MLS ist mitten in ihrer Saison - bereitete er beide Tore seines Teams vor. Und Henry hat "das Niveau seiner Teamkollegen schon klar angehoben", wie sich der "Star Ledger" aus New Jersey freut.

Dass New York Rafael Marquez aus Barcelona nun ebenfalls verpflichtet hat, dürfte sein Team weiter aufwerten.

"Besser als Beckham"

Die "New York Times" streicht vor allem den Kontrast zum zweiten großen Star der MLS heraus.

"Henry ist ein besserer Spieler als Beckham. Er hat auf dem Feld mehr zu geben und ist weniger auf Starruhm aus."

Henry sei gekommen "um sich als Spieler etwas zu beweisen, weniger um das Einkommen seiner Frau und seines Agenten zu verbessern".

"Keine Ferien"

Wohlwollend ist auch registriert worden, dass Henry sich bis zu seinem Vertragsende voll für New York engagieren will ? und nicht so pendeln will wie Beckham zwischen den Los Angeles Galaxy und dem AC Mailand.

Wozu er allerdings auch keinen Grund hat, weil er anders als Beckham keine Ambitionen im Nationalteam mehr hat.

Henry betont immer wieder, dass er seinen neuen Arbeitsplatz nicht weniger ernst nimmt als seine vorherigen:

"Einige denken, ich mache hier Ferien. Und obwohl ich hier gerne Ferien mache: Diesmal bin ich nicht dazu da: Ich bin ein Wettkampftyp und ich will nicht verlieren."

Nicht nur für den Gehaltsscheck

Das US-Publikum glaubt ihm das auch. "Soccer America" hat den Eindruck, "dass er zum Spielen gekommen ist und nicht nur einen dicken Gehaltsscheck kassieren will, den er dann im New Yorker Nachtleben verprassen kann".

Es ist aber nicht so, dass der Glanz der Metropole bei Henrys Arbeitsplatzwahl keine Rolle gespielt hat ? im Gegenteil.

Henry ist näher an prominenten Freunden wie Regisseur Spike Lee und den NBA-Basketballern Tony Parker und Ronny Turiaf ? den es soeben zu den Knicks gezogen hat.

"New York ist ein Traum. Ich wollte immer schon einmal dort leben. Dort außerdem spielen zu können, das ist fabelhaft", frohlockt er im "Red Bulletin".

Es ist eine Gnadenwiese, auf der es sich leben lässt.

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