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Lilian Thuram ist die Zielscheibe von Patrice Evras Kritik © imago

Nachdem Ex-Kollege Lilian Thuram die Verbannung von Kapitän Evra fordert, schießt der heftig zurück - und geht auch Domenech an.

Paris - Der französische Nationalmannschaftskapitän Patrice Evra hat nach der peinlichen WM der Equipe Tricolore erstmals öffentlich Stellung genommen und Ex-Nationaltrainer Raymond Domenech sowie Lilian Thuram harsch kritisiert.

"Nach jedem Training gab es Beschwerden bei mir wegen Domenechs schlechter taktischer Arbeit. Ich habe versucht, mit seinen Assistenten darüber zu sprechen - ohne Ergebnis", sagte Evra in einem Interview mit der Zeitung "Le Figaro".

Man habe "das Wichtige vergessen" und mehr über die Alltagsprobleme in Südafrika als über den Fußball geredet.

Ab einem bestimmten Zeitpunkt sei nicht mehr mit Domenech zu reden gewesen. Vor dem Testspiel gegen Costa Rica seien die Spieler auf ihn zugekommen und hätten ihm geraten, mehr Anweisungen zu geben: "Daraufhin hat er sich angegriffen gefühlt. Er hat jeden Meinungsaustausch abgelehnt."

Attacke gegen Thuram

Wenig freundliche Worte fand Evra auch für den früheren Nationalspieler Lilian Thuram, der als Vorstandsmitglied des französischen Verbandes FFF Evras Verbannung aus der Nationalmannschaft gefordert hatte:

"Er hat meinen Ruf geschädigt, ohne zu wissen, was passiert ist. Ich habe versucht, eine Erklärung von ihm zu bekommen. Aber er hat nicht reagiert und anschließend behauptet, ich würde nicht antworten."

"Er sollte sich nicht für Malcolm X halten"

Thuram solle aufhören, eine Rolle zu spielen, die er nicht inne hätte, und zu behaupten, die Mannschaft schüre Rassismus.

"Er sollte nicht mit Büchern über Sklaverei und einer Brille herumlaufen und sich für Malcolm X halten", meinte Evra in Richtung Thuram, der den Verteidiger für den Spielerstreik während der WM verantwortlich gemacht hatte.

Der 29-Jährige räumte jedoch auch ein Fehlverhalten der Mannschaft ein: "Wir Spieler, ich allen voran, hätten mehr geben müssen. Die Hauptverantwortlichen standen auf dem Rasen."

Die WM sei "eine Katastrophe" gewesen: "Es gab kein Kollektiv, kein Projekt."

Es sei zudem "konsequent", dass keiner der 23 Spieler aus dem WM-Kader für das Testspiel in Norwegen am Mittwoch nominiert worden sei.

Kein Gedanke an Rücktritt

Evra, der mit vier weiteren Spielern in diesem Monat vor einer Disziplinarkommission des Verbandes zu den Vorfällen in Südafrika Stellung nehmen soll, will trotz seiner Nichtberücksichtigung für das Spiel gegen Norwegen wieder für die französische Auswahl spielen.

"Ich kann mir eine Zukunft ohne die französische Mannschaft nicht vorstellen", so Evra.

"Wir müssen an die Zukunft denken. Warum sollten nur fünf Spieler bestraft werden?"

Quintett soll Stellung nehmen

Neben Evra sollen auch Bayern-Star Franck Ribery, der während der WM suspendierte Nicolas Anelka sowie Eric Abidal und Jeremy Toulalan vor dem Gremium des Verbandes Stellung beziehen.

Riberys Klub Bayern verweigerte am Montag allerdings eine Freigabe zu dieser Befragung.

"Diese Einladung, bzw. Vorladung ist nicht mit dem FC Bayern München abgestimmt", hieß es in einer Mitteilung der Bayern.

"Gemäß den FIFA-Statuten müssen Klubs ihre Nationalspieler ausschließlich zu Pflichtterminen innerhalb des internationalen Fußballkalenders abstellen. Dies ist hier nicht der Fall. Aus diesem Grund wird der FC Bayern München Franck Ribery zu dieser Anhörung nicht freistellen."

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