vergrößernverkleinern
Nicolas Anelka (l.) erzielte für Frankfreich in 65 Spielen 14 Treffer © imago

Der Stürmer-Star wird für seinen Disput bei der WM mit Trainer Domenech hart bestraft. Auch Bayerns Ribery muss lange zuschauen.

Köln/Paris - Der französische Verband hat nach der Schmach von Südafrika hart gegen die WM-Rebellen durchgegriffen.

Die Disziplinar-Kommission verhängte gegen Stürmer Nicolas Anelka vom FC Chelsea nach einer Anhörung in Paris eine Länderspiel-Sperre von 18 Spielen.

Das dürfte für den 31-Jährigen, der 65-mal für Frankreich auflief (14 Tore), gleichbedeutend mit dem Ende der internationalen Karriere sein.

Die Qualifikation für die EM-Endrunde in Polen und der Ukraine 2012 umfasst zehn Spiele.

Ribery drei Spiele gesperrt

Anelka war ebensowenig zur Anhörung des Verbandes angereist wie Bayern Münchens Mittelfeldstar Frank Ribery, der vom Verein keine Reiseerlaubnis erhalten hatte.

Ribery, Co-Kapitän der "Equipe Tricolore" in Südafrika, kam mit einer Sperre von drei Spielen vergleichsweise glimpflich davon.

Spielführer Patrice Evra von Manchester United bekam für seine Rolle in der Revolte vor Ort fünf Spiele Sperre.

Eine Begegnung aussetzen muss Jeremy Toulalan vom einstigen Serienmeister Olympique Lyon.

Eric Abidal vom FC Barcelona wurde dagegen nicht gesperrt.

Disput in der Halbzeit

Anelka war der Auslöser für beispiellose Vorfälle während der WM am Kap.

Der Stürmerstar hatte sich im Gruppenspiel der Franzosen gegen Mexiko (0:2) in der Halbzeit einen lautstarken Disput mit Nationaltrainer Raymond Domenech geliefert und war dabei auch ausfallend geworden.

Anelka war daraufhin nach Hause geschickt worden.

Vor dem letzten Spiel gegen Südafrika bestreikte die Mannschaft daraufhin das Training.

Delegations-Leiter Jean-Louis Valentin war nach dem blamablen Vorfall sofort zurückgetreten.

Sarkozy mischt sich ein

Das Auftreten der Nachfolger des Weltmeisters von 1998 hatte in der Grande Nation hohe Wellen geschlagen.

Die Politik forderte harte Sanktionen.

"Das Bild, weclhes das französische Team in Südafrika abgegeben hat? Katastrophal!", hatte Staatspräsident Nicolas Sarkozy in einem TV-Interview gesagt.

"Ich sage: Diejenigen, die verantwortlich sind, müssen gehen. Sie sind mittlerweile gegangen. Die Spieler sollten keine Prämien erhalten. Das werden sie auch nicht."

Als erste Konsequenz aus dem Debakel bei der WM, die sportlich für Frankreich in der Vorrunde mit dem letzten Platz in der Gruppe A geendet war, hatte der neue Nationaltrainer Laurent Blanc auf alle Südafrika-Fahrer verzichtet.

Die Tür steht weiter offen

Dies war allerdings auch nur ein symbolischer Akt, denn der Weltmeister von 1998 lässt allen Teilnehmern am Weltturnier die Tür zur Nationalmannschaft offen, wenn die Leistung - und das Benehmen stimmt.

"Ich bin Nationaltrainer geworden, weil ich ein Ziel erreichen soll. Ich hoffe, dass ich dafür die richtigen Kräfte zur Verfügung habe. Wir dürfen uns nicht selbst in den Fuß schießen, bevor wir unser Ziel erreichen - die EURO 2012", hatte Blanc erklärt.

Und weiter: "Es gibt nur einen Weg, die Erinnerungen an Südafrika auszulöschen, und das ist gewinnen."

Niederlage gegen Norwegen

Der erste Schuss ging bekanntlich in die Hose.

Frankreich verlor vor einer Woche ein Länderspiel gegen Norwegen (1:2).

Es ist zu erwarten, dass einige der WM-Versager wieder im Kader für die ersten EM-Qualifikationsspiele gegen Weißrussland in St. Denis (3. September) und gegen Bosnien-Herzegowina in Sarajevo (7. September) zurückkehren.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel