Berlusconi hat seine Vorliebe für Brasilianer entdeckt - dazu zählt auch Ibrahimovic. In Spanien wird straffrei manipuliert.

Hallo Fußball-Freunde,

Ja, sieh mal einer an, Verjüngungskur beim AC Mailand.

Gerüchteweise hängt dieser Prozess mit einem geplatzten Millionendeal Ende Mai zusammen. Demzufolge habe die Lifta GmbH, ihres zeichens Weltmarktführer aus Köln, Milan im letzen Moment als neuer Hauptsponsor abgesagt. Damit war dem großangelegten Feldversuch der kompletten Versteinerung eines ganzen Fußballvereins der krönende Abschluß genommen, Werbeaufnahmen mit Gennaro Gattuso im Treppenlift wurden abgesagt, das neue Vereinsmotto "jeder Spieler soll älter aussehen als unser Eigentümer" war hinfällig geworden. Einem letzten Reflex folgend verlängerte Silvio Berlusconi noch flugs den Vertrag des 37-jährigen Pippo Inzaghi - man kann halt nicht aus seiner gestrafften Haut -, und dann ging's auf zu neuen Ufern.

Im Sommer schaute Botox-Berlusconi zufällig Spiele der Weltmeisterschaft und war verzaubert von den Brasilianern. Diese Eleganz, diese Technik und Raffinesse... wir sprechen selbstredend von archivierten Partien der WM 1970. Leider - für den Presidente - erwiesen sich bei Sondierungsgesprächen die Telefonstimmen der herrlichen Tostao, Gerson und Rivelino dann doch als arg brüchig. Aber Salben-Silvio ist ein weitgereister Mann: Brasilien die Heimat der Papageien, Pagageien sehr soziale Wesen, soll man nur in Gruppen halten, sonst werden sie unglücklich. Der Transfer von Robinho war damit beschlossene Sache, um Ronaldinho die langen Winter zu verkürzen.

Tja, dass dann ein windiger Spielerberater dem gutgläubigen Ministerpräsidenten einen Schweden als Brasilianer verkaufte, das kann passieren (> gelb-blaue Trikots oder: Ibrahimovic, Zlatan > Paradiesvogel, der). Erfreulicherweise erweist sich dieser Neuzugang im Unterhalt als äußerst pflegeleicht. Schon nach Tagen bemerkten Milans Verantwortliche, Ibrahimovic braucht zum Glücklichsein lediglich drei Dinge: a) Haarband, b) einen Ball wirklich nur für sich allein, c) Spiegel.

Müßig, wie es zustande kam, Milan ist mit diesem Kader so gut aufgestellt wie seit Jahren nicht mehr und mein Meistertipp.

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Auch in Spanien macht ein Clubbesitzer von sich reden. Hercules Alicante war Kennern bisher nur aufgrund seines phantastischen Namens ein Begriff. Muß großartig sein, im Fanblock zu stehen und zu gröhlen: Vamos! Hercules, vamos!, frei übersetzt: auf geht's, Herkules, schieß' ein Tor! Nun jedoch gebärdet sich Vereinsboss Enrique Ortiz wie weiland Jesus Gil von Atletico Madrid. Bauunternehmer, Immobilienbesitzer, Nebengeräusche.

Im Zuge von Ermittlungen in einem Müllskandal wurden Telefonate von Ortiz abgehört, in denen wohl belegt ist, dass er in der letzten Saison Spiele manipuliert hat. Alicante stieg auf, die Untersuchungen wegen Einflußnahme wurden eingestellt. Begründung des Richters: die Freigabe der abgehörten Telefonate könne nicht erfolgen, da der Schutz der Privatsphäre von Ortiz höher wiege als die etwaige Aufklärung einer Straftat. Zur Horizonterweiterung, wie der Richter auf so etwas kommen kann: Ortiz ist wegen illegaler Parteispenden vorbestraft.

Den neu verpflichteten Nelson Valdez und David Trezeguet ist dringend anzuraten, beim Gehalt darauf zu achten, dass die Scheine klein und nicht durchnummeriert sind.

Wenn Sie meinen, schmuddeliger könne es kaum gehen, dann schauen Sie mal zu West Ham United. Die dortigen Eigentümer David Sullivan und David Gold haben ihr Geld in den 70er Jahren mit Heften unter der Ladentheke gemacht, sehr viel Geld. Ob Neuzugang Thomas Hitzlsperger davon weiß? Jawoll Thomas, Hefte so richtig mit Mann und Frau. 17 Jahre lang standen die beiden Birmigham City vor, Sullivan im knallblauen Christoph-Daum-Gedächtnis-Anzug, nur schlimmer, da aus Samt. Plötzlich erinnerte sich Sullivan, dass er ja lebenslang ein Hammers-Fan gewesen sei, und die beiden wechselten im Januar als Besitzer von Birmingham nach London, Sullivan den Anzug von blau auf weinrot, aber immer noch Samt.

Im Sommer wurde Trainer Zola rausgeschmissen, das Team schlaffte an den ersten drei Spieltagen völlig ab: 0 Punkte, 1:9 Tore. Doch keine Bange, West Ham wird wieder hochkommen, schließlich verstehen die beiden Herren Eigentümer was von handfester Arbeit.

Bis nächste Woche,Euer Uwe Morawe

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