vergrößernverkleinern
Robben, Müller und Ribery (v.l.n.r.) erzielten 2009/10 insgesamt 33 Bundesligatore © imago

Silvio Berlusconi sieht bei Milan mit Ibrahimovic und Robinho den "besten Sturm der Welt". Hat er Recht? SPORT1 macht den Check.

Von Matthias Becker

München - Für Silvio Berlusconi gibt es nur eine Version der Wahrheit: seine.

Das gilt vor Gericht genauso wie im Fußballstadion.

Deshalb wird der Impressario des AC Mailand, im Nebenberuf affärenerprobter Ministerpräsident von Italien, tatsächlich davon überzeugt sein, wenn er sagt, Milan habe den "besten Sturm der Welt".

Nach Jahren der Enthaltsamkeit hat Berlusconi den Milanisti mit Zlatan Ibrahimovic und Robinho mal wieder zwei Schmankerl spendiert.

Die einen sagen, weil dem Medienmogul mit Hang zu Politik und Fußball schon bald Neuwahlen ins Haus stehen könnten und er das nicht gerade kleine Fanvolk auf seine Seite ziehen will. Andere mutmaßen, der Stachel des Erfolgs von Lokalrivale Inter stecke einfach zu tief.

Warum auch immer. Mit Ibrahimovic, Robinho, Pato, Ronaldinho und Abseitsschleicher Filipo Inzaghi hat Milan tatsächlich eine respektable Abteilung Attacke beisammen.

"Mit diesen Drei werden wir eine Hauptrolle im Weltfußball spielen", freut sich Berlusconi schon.

Doch liegt er tatsächlich richtig? SPORT1 vergleicht die Offensivreihen der "Rossoneri" mit der von fünf anderen europäischen Top-Klubs.

AC Mailand:

Für Spaß soll der neue Trainer Massimiliano Allegri sorgen, 2009 und 2010 noch vor Jose Mourinho zu Italiens Trainer des Jahres gewählt. Der Ex-Coach von Cagliari Calcio steht für Offensivfußball, muss aber erst beweisen, dass er mehr als nur eine Marionette von Berlusconi ist.

"Endlich werden die Spieler so aufgestellt, wie ich das wünsche", posaunte der schon hinaus - keine gute Ausgangsposition für Allegri. "Wir haben den stärksten Sturm in ganz Europa", gibt der Coach brav zu Protokoll.

Allegri muss die vier Superstars Pato, Ronaldinho, Ibrahimovic und Robinho in ein System pressen. Ein 4-2-3-1, momentan die beliebteste taktische Anordnung im Weltfußball, läge auf der Hand.

Da alle vier Stars viel nach vorne und nichts nach hinten Tun, ist der Erfolg trotz Spektakels aber zumindest fraglich.

SPORT1-Ranking: Platz 4

[kaltura id="0_mzd10ied" class="full_size" title="Inzaghi spektakul r"]

FC Chelsea:

Die Offensivkraft des FC Chelsea wird oft unterschätzt. Dabei haben die Blues vergangene Saison mit 103 Toren die meisten Tore aller europäischen Spitzenklubs geschossen und stehen nach drei Spieltagen in England schon wieder bei sagenhaften 14:0-Treffern.

Zwar ist das Spiel des englischen Meisters enorm auf Didier Drogba zugeschnitten (29 Premier-League-Tore 2009/10). Doch auch Sturmpartner Nicolas Anelka trifft regelmäßig. Chelseas großes Plus ist die tödliche Präzision.

Hinzu kommt mit Frank Lampard (22 Tore 2009/10) und Florent Malouda (12) das torgefährlichste Mittelfeld des Kontinents.

SPORT1-Ranking: Platz 1

FC Bayern München:

Das Prunkstück der Bayern-Offensive der vergangenen Saison liegt flach. Arjen Robben muss wegen eines fünf Zentimeter großen Loches im Muskel zusehen, vermutlich noch in der gesamten Hinrunde.

Schade für die Münchner, denn mit Robben, Franck Ribery, Ivica Olic, WM-Torschützenkönig Thomas Müller, Miroslav Klose und Mario Gomez haben sie die vielseitigste Offensivabteilung in Europa.

Dribbler, Knipser, Stoßstürmer: im Kader von Louis van Gaal ist alles versammelt. Sind alle gesund und in Form - auch das muss beim Milan-Quartett ja erstmal der Fall sein - ist der Bayern-Angriff noch höher einzuschätzen als jener des AC. Schon in der Vorsaison waren die Münchner mit 21 Toren das torgefährlichste Champions-League-Team (gleichauf mit Manchester United).

Allerdings birgt das große Angebot auch Zoff-Potenzial. Mario Gomez kokettierte schon mit einem Wechsel zum FC Liverpool und dass van Gaal gerne einen der Stürmer abgegeben hätte, ist auch kein Geheimnis.

SPORT1-Ranking: Platz 2

FC Barcelona:

Schon fast traditionell gilt der FC Barcelona als die offensivstärkste Mannschaft Europas. Nach dem Transfer von Ibrahimovic zu Milan und von Thierry Henry nach New York steht dieses Naturgesetz aber in Frage.

Natürlich hat Barca mit David Villa den momentan vielleicht weltbesten Stürmer hinzu bekommen und hat Weltfußballer Lionel Messi und dessen mögliche Nachfolger Xavi und Andres Iniesta in seinen Reihen.

Doch ohne Henry und vor allem ohne "Ibra" fehlt den Katalanen offensiv die Option Brechstange. Beim Champions-League-Aus der Vorsaison gegen Inter konnte das Guardiola-Team sehen, dass viel Ballbesitz und schöne Pass-Stafetten nicht immer zum Erfolg führen.

SPORT1-Ranking: Platz 3

Inter Mailand:

Champions-League-Sieger Inter hat nur durch zwei Abgänge auf sich aufmerksam gemacht. Erfolgstrainer Jose Mourinho zog weiter zu Real Madrid, "Enfant terrible" Mario Balotelli wurde an Manchester City abgegeben.

Das dürfte für die Stimmung im Kader des neuen Trainers Rafael Benitez zwar förderlich sein, die Offensivstärke des italienischen Meisters hat dadurch aber gelitten.

Mit Samuel Eto'o, Diego Milito und Wesley Sneijder hat Inter zwar weiterhin ein gefährliches Trio beisammen. Die Fixierung aufs Konterspiel der Mourinho-Schule könnte aber zum Problem werden. Hier muss Benitez mit den zur Verfügung stehenden Profis erstmal seinen Weg finden.

SPORT1-Ranking: Platz 5

Real Madrid:

Den spektakulärsten Fußball zu bieten war von jeher das Selbstverständnis von Real Madrid. Diesem Prädikat werden die "Königlichen" aber auch in dieser Saison nicht gerecht werden.

Zum einen, weil Jose Mourinho nicht gerade als Anhänger des hemmungslosen Offensivgeistes gilt. Zum anderen weil das Personal dafür fehlt. In Gonzalo Higuain und Karim Benzema stehen nur zwei echte Stürmer im Kader.

Letzterer sucht weiterhin nach seiner Form aus Zeiten bei Olympique Lyon. Superstar Cristiano Ronaldo verzettelt sich zu oft in Eitelkeiten, Kaka fällt noch lange aus.

Von den Neuzugängen Mesut Özil und Angel di Maria ist nicht zu erwarten, dass sie das Angriffsspiel von Real schon auf ihren schmalen Schultern tragen können.

SPORT1-Ranking: Platz 6

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel