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Lionel Messi (l.) und Sergio Agüero gewann 2008 in Peking Olympiagold für Argentinien © getty

Argentinien rehabilitiert sich mit einem 4:1 gegen die "Seleccion" für die WM-Schmach. Spaniens Abwehr lädt zum Toreschießen ein.

Von Matthias Becker

München/Buenos Aires - Das Wortspiel lag auf der Hand.

"Monumentaler Fehltritt" titelte Spaniens größte Sporttageszeitung "Marca" nach der 1:4-Klatsche, die Weltmeister Spanien in Argentinien kassierte.

Für die "Furia Roja" war es in den letzten 58 Spielen erst die dritte Niederlage.

Von der bislang letzten - im ersten WM-Vorrundenspiel gegen die Schweiz (0:1) - unterschied sich die Pleite im ausverkauften "Estadio Monumental" von Buenos Aires aber in einem wichtigen Punkt: sie war völlig verdient.

Vor allem in dersten Halbzeit führten die Argentinier, angebtrieben vom spielfreudigen Weltfußballer Lionel Messi, die Spanier regelrecht vor. Die Lücken in der neuformierten spanischen Defensive nutzten Messi und Co. gnadenlos aus.

Messi blüht auf

Nach herrlichem Doppelpass mit Carlos Tevez lupfte Messi den Ball gefühlvoll zum 1:0 ins spanische Tor (11. Minute). Nur zwei Minuten später umkurvte Gonzalo Higuain nach schönem Steilpass von Tevez völlig alleingelassen Keeper Pepe Reina und schob ein.

Seinen "großen Auftritt" hatte Reina dann in der 34. Minute. Bei einem Rückpass fiel der Torhüter des FC Liverpool unbedrängt über die eigenen Füße und konnte Tevez nicht mehr daran hindern, die Kugel ins leere Tor zu drücken.

Nach dem Anschlusstreffer von Fernando Llorente (84.) stellte Sergio Agüero in der Nachspielzeit nach einem weiteren spanischen Abwehrfehler per Kopf den Endstand her.

Del Bosque probiert Rotation aus

"Die Niederlage ist ein bisschen zu hoch ausgefallen", klagte Spaniens Nationaltrainer Vicente del Bosque hernach, musste aber auch anerkennen: "Argentinien war besser als wir, vor allem in der ersten Halbzeit."

Del Bosque hatte bei seiner Aufstellung kräftig durchrotiert, verzichtete darauf, die WM-Startelf gemeinsam auflaufen zu lassen. Andres Iniesta und David Villa spielten nur in der ersten, Xavi nur in der zweiten Halbzeit.

"Meine Wechsel dürfen nicht als Entschuldigung für das Ergebnis dienen. Die eingesetzten Spieler sind ebenfalls Mitglieder der Nationalmannschaft", stellte del Bosque aber fest.

Spanien trifft dreimal Aluminium

Denn obwohl Argentinien die klar bessere Mannschaft war, kamen die Spanier zu ihren Chancen. David Villa traf zweimal (28. und 41.) Aluminium, Santi Cazorlas Schuss (75.) wurde von Gaucho-Keeper Sergio Romero an die Querlatte gelenkt.

"Niemand verliert gerne - und schon gar nicht so", sagte Cazorla frustriert.

Für die Fußball-Welt brachte das Giganten-Duell von Buenos Aires aber eine beruhigende Erkenntnis: Auch spanische Fußballer sind nur Menschen. "Zurück auf dem Erdboden", titelte "El Pais".

Maradona fast schon vergessen

Für die Argentinier war das erste Heimspiel nach der Katastrophe im WM-Viertelfinale gegen Deutschland (0:4) dagegen eine Art Auferstehung. Über eine Rückkehr von Ex-Nationaltrainer Diego Maradona dürfte nun kaum noch geredet werden.

Wahrscheinlicher ist ein Verbleib von Interimscoach Sergio Batista, 1986 an der Seite von Maradona Weltmeister.

"Wenn Spanien heute nicht an seine WM-Form anknüpfen konnte, hat das viel mit unserer Leistung zu tun", erklärte Batista.

"Das war ein optimales Spiel"

Unter ihm blühte vor allem Messi wieder auf. Der Weltfußballer wurde vom Publikum gefeiert. Keine Selbstverständlichkleit, dem Star des FC Barcelona wird in der Heimat häufig vorgeworfen, bei Barca deutlich besser zu spielen als im Trikot der "Albiceleste".

"Er hat heute die Kritik der Fans widerlegt und viel für unser Image getan", sagte Bayern-Abwehrspieler Martin Demichelis, der trotz des Verlustes seines Stammplatzes in München von Beginn an spielte.

Messi konstatierte: "Das war ein optimales Spiel. Jetzt müssen wir so weitermachen."

Mit Batista. Und wieder auf Augenhöhe mit dem Weltmeister.

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