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Abwehrspieler Emiliano Dudar kam 2009 vom AC Bellinzona zu den Bernern © imago

Emiliano Dudar verliert nach einem Zusammenprall das Bewusstsein. Ex-VfB-Profi Streller rechnet schon "mit dem Schlimmsten".

München/Bern Als Marco Streller gut zwei Stunden nach dem schlimmen Zwischenfall von seinen Eindrücken berichtete, war er noch immer fassungslos.

"Er hat gezittert, die Augen verdreht und am Kopf geblutet. Ein Horrormoment. Ich habe fast mit dem Schlimmsten gerechnet", sagte der Stürmer des FC Basel über den Unfall seines Gegners Emiliano Dudar im Meisterschaftsspiel bei den Young Boys Bern (2:2) ( DATENCENTER: 1. Runde Europa League)

Dudar musste nach einem schweren Zusammenprall in ein künstliches Koma versetzt werden, in dem er auch am Montag noch lag.

Die Young Boys stehen vor dem Europa-League-Spiel (20.50 Uhr im LIVE-TICKER) beim VfB Stuttgart unter Schock auch wenn Dudar Glück im Unglück hatte..

Weiter im Tiefschlaf

Wenn nach einem Fußball-Spiel ein Arzt zu einer Pressekonferenz erscheint, ist das meist ein schlechtes Zeichen.

So war das auch am Sonntagabend, als der Berner Vereinsarzt Res Brand mit gedrückter Stimme über Emiliano Dudar sprach.

"Er hat sicher eine schwere Hirnerschütterung", sagte Brand - aber, immerhin: Der Argentinier sei außer Lebensgefahr.

Am Montag gab der Klub dann vorsichtig Entwarnung: Dudar hatte sich "nur" eine schwere Gehirnerschütterung und einen Nasenbeinbruch zugezogen, der Profi wurde bereits wieder aus dem Koma aufgeweckt.

"Sein Zustand ist stabil", hieß es in einer Mitteilung der Berner über Dudar.

Zusammenprall mit Gegenspieler

Der Abwehrspieler gibt nach einer Verletzung gegen Basel sein Comeback - und zunächst scheint es ein erfolgreiches zu werden.

YB führt nach Toren von Ammar Jemal (4.) und David Degen (22.) schnell 2:0, ehe sich der verhängnisvolle Zwischenfall ereignet.

Streller sowie die Berner Francois Affolter und Dudar strecken sich 20 Meter vor dem Tor der Gastgeber nach einem Befreiungsschlag der Basler.

Streller verpasst den Ball, Dudar steigt am höchsten, kommt ran - prallt jedoch mit dem Gesicht an den Hinterkopf seines Mitspielers Affolter.

Kein Lebenszeichen

Dudar sackt sofort in sich zusammen und prallt nochmals heftig auf - auf dem Kunstrasen.

Ein kurzes Zucken, dann keine Regung mehr. "Emiliano hat sofort das Bewusstsein verloren", sagte ein YB-Sprecher, "aber seine Zunge, anders als von vielen Schweizer Medien dargestellt, nicht verschluckt.

Dudar hat immer selbstständig geatmet." Er wird auf dem Platz über acht Minuten behandelt, die Begegnung für eine halbe Stunde unterbrochen.

Im Kabinengang zittert Lorena de Giulio, Dudars Frau, um das Leben ihres Mannes.

Manschaftskollegen geschockt

Dann die vorläufige Entwarnung: Nach Brands erster Diagnose hat Dudar eine schwere Gehirnerschütterung sowie einen Nasenbeinbruch erlitten.

Dennoch wird er noch im Stadion in einen künstlichen Tiefschlaf versetzt, "um das Hirn zu schützen" (Brand).

Seine Kollegen erklären sich nach dieser Nachricht bereit, das Spiel fortzusetzen.

Doch mit ihren Gedanken sind sie bei Dudar - und müssen noch den Ausgleich hinnehmen. Der ehemalige Dortmunder Alexander Frei (39.) und Scott Chipperfield (73.) treffen.

"Eine schlimme Szene"

"Es war eine schlimme Szene, ein Schock", sagte der Ex-Frankfurter Christoph Spycher, der jetzt für Bern spielt.

Nach der Unterbrechung sei Bern "nicht mehr in die Zweikämpfe gekommen". Trainer Vladimir Petkovic meinte: "Es war nicht das Gleiche wie vorher, auch wenn der Vorfall für uns kein Alibi sein darf."

Auch die Basler reagierten bedrückt. "Es war schrecklich. Ich habe so etwas noch nie erlebt. In der Pause herrschte Totenstille in der Kabine. Wir alle waren und sind in Gedanken bei Dudar", sagte Streller.

Trainer Thorsten Fink nannte das Ergebnis des Topspiels "völlig sekundär".

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