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Grzegorz Lato war 1974 Torschützenkönig der WM in Deutschland © imago

Die Finanzkrise bringt die Bauarbeiten in der Ukraine zum Erliegen. Polen bringt nun Deutschland als Ersatz ins Gespräch.

Kiew/Warschau - Die Krise der internationalen Finanzmärkte hat die Ukraine in der Vorbereitung auf die Ausrichtung der EM 2012 zu einem Baustopp gezwungen. An 80 Prozent aller EM-Baustellen ruhe wegen finanzieller Probleme derzeit die Arbeit, erklärte OK-Sprecher Jewgeni Willinsky.

"Die meisten Bauvorhaben stagnieren", sagte Willinsky nach dem Abschluss einer Inspektionsreise durch die ukrainischen EM-Spielorte Kiew, Donezk, Dnjepropetrowsk und Lviv: "Das ist schlecht, denn die Attraktivität der Projekte für Investoren ist gesunken. Momentan laufen wir den gesetzten Fristen hinterher."

Auch die Hürden der Bürokratie seien für die EM-Vorbereitungen ein Hindernis. Teilweise seien Genehmigungen für den Stadionbau erst nach mehreren Jahren zu bekommen. "Wenn es so weitergeht, erhalten wir die Baugenehmigungen erst, wenn das Turnier schon läuft", sagte Willinsky.

Mitte Oktober war der geplante Stadionbau in Lviv geplatzt, nachdem eine österreichische Firma trotz vorliegender Genehmigung einen Rückzieher gemacht hatte. Ein Neubau für 30.000 Zuschauer in Dnjepropetrowsk dagegen wurde jüngst eröffnet.

Ukrainischer Botschafter widerspricht

Der ukrainische Botschafter im Co-Gastgeberland Polen, Alexander Motsik, widersprach dieser Darstellung vehement.

"Es ist Einbildung, zu behaupten, dass die Vorbereitungen zur EM 2012 gestoppt seien", sagte Motsik nach einer Besichtigung der Baumaßnahmen in Donezk.

Er versuchte die Wogen zu glätten: "Wir haben alle gesehen, dass die Arbeiten fortgesetzt werden." Offensichtlich liegen bei den Verantwortlichen in der Ukraine die Nerven blank.

Polen bringt Deutschland als Ersatz ins Gespräch

Grzegorz Lato, der neue Verbandspräsident von Mit-Ausrichter Polen hat prompt reagiert und Deutschland als potentiellen Ersatz für die Ukraine ins Gespräch gebracht.

Polen könne auf jeden Fall die Zusagen erfüllen, sagte Lato: "Aber wenn die Ukraine es nicht schafft, können wir das Turnier gemeinsam mit Deutschland ausrichten."

Der DFB hat ein Einspringen des WM-Gastgebers 2006 bislang allerdings stets kategorisch ausgeschlossen und beiden EM-Ausrichtern das Vertrauen ausgesprochen.

Neuer Präsident will Polens Image aufpolieren

Der ehemalige Weltklassespieler Lato war erst wenige Stunden vorher zum Chef des Verbandes PZPN gewählt worden, der zuletzt mit immmer neuen Skandalen zu kämpfen hatte.

Die Rolle Polens als Gastgeber der EM 2012 war deshalb zwischenzeitlich in Frage gestellt worden.

"Wir müssen das Image des polnischen Fußballs verbessern. Wir müssen Transparenz und Reinheit zeigen und vorleben", sagte Lato in seiner Antrittsrede. Es müsse sichergestellt sein, dass die EM 2012 ein Erfolg werde.

FIFA drohte mit Entzug

Die FIFA hatte die Absetzung von Latos Vorgänger Michal Listkiewicz durch die Regierung wegen eines Korruptionsskandals scharf kritisiert.

Der Weltverband drohte wegen Einmischung der Politik in sportliche Belange mit dem Ausschluss aus der WM-Qualifikation und sogar mit einem EM-Entzug.

Polen wandte sich mit einem Kompromissvorschlag, der unter anderem die Neuwahlen am Donnerstag vorsah, an die FIFA und wendete den schlimmsten Fall damit ab.

Das Nationale Olympische Komitee Polens hatte in Robert Zawlocki einen unabhängigen Verwalter eingesetzt. FIFA und UEFA hatten Zawlocki allerdings nicht anerkannt und auf die Autonomie des Sports gepocht; deshalb wurde Polen suspendiert und ein Ultimatum gestellt. Dies erfüllte Polen mit der Ansetzung von Neuwahlen.

Manipulationsskandal lähmt polnischen Fußball

Ein Manipulationsskandal erschüttert den polnischen Fußball seit längerer Zeit.

In den vergangenen drei Jahren verhaftete die polnische Polizei über 160 Spieler, Trainer, Schiedsrichter und Funktionäre.

Zuletzt wurde Ex-Nationaltrainer Janus Wojcik inhaftiert, ihm wird Korruption in elf Fällen aus dem Jahr 2004 vorgeworfen.

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