Die europäischen Topteams gehen am Stock: Egal ob in England, Italien oder Spanien - die kleinen Klubs proben den Zwergenaufstand.

Hallo Fußball-Freunde,

jetzt hat es auch Chelsea erwischt und am Wochenende seine erste Saison-Niederlage kassiert.

Kein Topverein Europas kam bisher ohne Punktverluste über die ersten Spieltage, im Fußball-Adel grassiert die Schwindsucht.

Dabei hatten die Oligarchen das Ganze vor Jahren als G14 so schön eingefädelt.

Den Kleinen gerade so viel geben, daß man uns Fans eine spannende Liga vorgaukeln kann, und das große Geld wurde unter wenigen Mächtigen aufgeteilt.

Und nun europaweit Zwergenaufstand: Mainz, Sunderland, Cesena und Hercules Alicante machen einen auf Robespierre.

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In England war die Pleite von Chelsea beim derzeitigen Angstgegner Manchester City noch nachvollziehbar. Dagegen überrascht, dass Manchester United weiter ohne Auswärtssieg bleibt - 2:2 in Bolton.

Den Vogel schoss Arsenal im Heimspiel gegen West Bromwich ab: 2:3 nach 0:3-Rückstand. Dazu die Aussicht, dass das Merseyside-Derby zwischen Liverpool und Everton nächste Saison in der 2. Liga stattfindet.

In Spanien ist Real Madrid noch ungeschlagen, klingt jedoch besser als es ist. Torloses Remis bei Levante, in einer Arena, die genauso glamourös daherkommt wie das Willy-Sachs-Stadion in Schweinfurt.

Tabellenfüher ist der FC Valencia, dem die Insolvenz droht.

Und in Italien genügt der Blick auf die Tabelle. Bari, Brescia, Catania quasi gleichauf mit Inter, Milan und Juve. Den Ersten und Vorletzten trennen ganze fünf Punkte.

Von 20 Vereinen hat keiner mehr als drei Siege auf dem Konto. Welch Gleichmacherei, Marx und Lenin hätten ihre helle Freude gehabt.

Als Erklärung für das Schwächeln der Favoriten muss stets die WM in Südafrika herhalten. Hat der Lärm der Vuvuzelas zu Gleichgewichtsstörungen geführt?

Wurde durch den Genuss getrockneten Springbocks der Stoffwechsel nachhaltig beeinträchtigt?

Kann doch alles nicht sein, die meisten Länder wie z.B. Italien und England waren doch nicht länger weg als Max Mustermann im Pauschalurlaub.

Und das berühmte "leer im Kopf" waren die meisten Kicker vorher auch schon.

Der Mensch neigt eben dazu, die Gegenwart zu hoch zu hängen. Vorherrschaft kommt und geht, war immer so.

Die Römer lagen zu häufig auf dem Diwan beim Weintraubenschlecken, kollektiver Bandscheibenvorfall, keine guten Krieger mehr.

Die Inkas wurden von einer Kinderkrankheit dahingerafft, kein Immunsystem gegen die von Europäern eingeschleppten Masern, Pech.

Und die Mongolen ritten immer geradeaus bis sie irgendwann ans Meer kamen. Stop, weiterreiten zwecklos, also zog sich Dschingis Khan wieder in die Steppe zurück, dort kann man wunderbar im Kreis galoppieren.

Alles schon dagewesen, der König ist tot - es lebe der König und vor allem die Vielfalt. Die Fußball-Historie ist reich an Vereinen, die mal top waren und heute unbedeutend oder unterklassig sind.

Ein klangvolle Liste ehemaliger Europapokalfinalisten belegt das: Ipswich Town, Nottingham Forest, Deportivo Alaves, Stade Reims, SC Bastia, KV Mechelen, MTK Budapest, Videoton Szekesfehevar, Slovan Bratislava, Gornik Zabrze...

Und allein in Deutschland Magdeburg, Leipzig, Jena, Düsseldorf, 1860 München.

Allen wünschen wir eine glänzende Rückkehr auf die große Bühne, denn erst das Auf und Ab macht die Sache interessant.

Wahrscheinlich kommt es anders, aber vielleicht heißt es in 40 Jahren ja: "Weißt du noch, wie Chelsea nur zwei Zentimeter zum Gewinn der Champions League fehlten? Und dann zieht dieser Russe die ganze Kohle aus dem Verein und jetzt sind sie 4. Liga!"

Und derweil feiert das übermächtige Luton Town die fünfte Meisterschaft in Folge...

Bis nächste Woche,Euer Uwe Morawe

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