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Paul Gascoigne hängte seine Fußballschuhe Anfang 2005 an den Nagel © getty

Das "enfant terrible" des englischen Fußballs hat endlich einen neuen Trainerjob gefunden - in der achten Liga.

München - Es ist noch nicht lange her, dass Paul Gascoigne im Pub Bier für Plüschpapageien bestellte.

Englands gefallener Star mit Hang zum Exzess bildete sich ein, Schach mit George W. Bush zu spielen, mehrmals stand der Ex-Nationalspieler mit einem Bein im Grab.

Nun erhält "Gazza" eine neue Chance als Teammanager des englischen Achtligisten Garforth Town.

Neuanfang in der achten Liga

"Ich habe bestimmt zehn Mal das Tempolimit gebrochen, um so schnell wie möglich nach Hause zu kommen und meinem Vater zu erzählen, dass ich wieder einen Job im Fußball habe", sagte Gascoigne voller Stolz. Die Verzweiflung, die zwischen diesen Zeilen mitschwingt, ist offensichtlich.

Wahrscheinlich weiß auch der 43-Jährige, der sich als "trockener Alkoholiker" bezeichnet, dass der Vorortklub von Leeds in der Northern Premier League, Division One North, der letzte Ausweg in eine bessere Zukunft ist.

"Gascoigne ging durch die Hölle"

"Ich fühle mich sehr gut. Für mich ist das eine große Herausforderung. Ich möchte helfen, den Klub und die Spieler voranzubringen", sagte Gascoigne.

Alkohol, Kokain, Depressionen und seine Spielsucht hatten einen der besten Fußballer der 90er Jahre in ein körperliches und seelisches Wrack verwandelt. "Gascoigne ging durch die Hölle, aber er ging immer weiter", sagte Garforth Towns Präsident Simon Clifford über den 57-maligen Nationalspieler. Und damit hat er wohl recht.

Ein Skandal nach dem anderen

Mehrmals wurde Gascoigne von der Polizei verhaftet und in die Psychiatrie eingeliefert, er machte Entziehungskuren, gestand einen tätlichen Angriff auf seine Ex-Frau Sheryl.

Zwei Mal musste er sich wegen bei Magengeschwüren Not-OPs unterziehen, finanziell steht er angeblich vor dem Bankrott.

Seine legendären Auftritte bei der WM 1990 in Italien, seine Tränen auf dem Spielfeld, als er nach einer Gelben Karte im Halbfinale gegen Deutschland für das Endspiel gesperrt gewesen wäre - alles lange vorbei...

Vom Spaßvogel zum Sorgenkind

In seinem letzten Job an der Seitenlinie des damaligen Sechstligisten Kettering Town hielt er sich 2005 nur sechs Wochen. Er wurde entlassen, weil er angeblich betrunken zum Training erschien - Gascoigne bestreitet dies vehement.

Danach schrieb "Gazza" nur noch Negativschlagzeilen. Anfangs reagierte die Öffentlichkeit noch belustigt, später gab es - besonders als, er 2008 von der Polizei "in einem verstörten Zustand" aufgefunden und erneut in die Psychiatrie eingewiesen wurde - nur noch Mitleid.

Der ehemalige Spieler von Newcastle United, Tottenham Hotspur, Lazio Rom und den Glasgow Rangers berichtete selbst, dass er in seiner schlimmsten Krisenzeit keine eigene Wohnung besessen habe.

Er lebte in Hotel-Zimmern, aus denen er regelmäßig rausgeworfen wurde. "Ich habe mir eine Spielkonsole gekauft, 24 Stunden am Tag gespielt und Alkohol getrunken", sagte Gascoigne.

"Gazza" am Rande des Wahnsinns

Bizarre Rauscherlebnisse hätten sich mit Zusammenbrüchen abgewechselt. "Eines Tages habe ich meinen Vater angerufen und ihm gesagt: Mach dich fertig, wir gehen in den Madison Square Garden. Dort spielen wir Schach gegen Präsident Bush und Präsident Clinton. Dann habe ich meinen Vater noch einmal angerufen und erzählt, dass Bush abgesagt hätte", erzählte Gascoigne.

Zudem habe er sich Papageien aus Plüsch gekauft und sich mit der Zeit eingebildet, die Stofftiere könnten sprechen. Eines Tages ging er in eine Bar und bestellte drei Bier, "eins für mich und zwei für die Papageien".

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