In Europas Topligen tummeln sich zahlreiche hochverschuldete Vereine wie Liverpool. Ein Fall für Peter Zwegat, meint Uwe Morawe.

Hallo Fußball-Freunde,

jüngst werbetrommelte der Sender "RTL" für seine Erfolgssendung "Raus aus den Schulden" mit "Peter Zwegats heikelster Fall".

Ich dachte schon, "na endlich!", und dann doch wieder nur so ein dröger abgestürzter ehemaliger Lottogewinner.

Es wird Zeit, die Sache in großem Stil anzugehen, das Storyboard liegt doch auf der Straße. In England existiert eine Topadresse, mitten im Arbeitermilieu und dennoch voller Noblesse: Anfield Road.

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Beim FC Liverpool haben sich die Schulden auf 380 Millionen Euro angehäuft, schöne Hausnummer.

Hier könnte Zwegat walten: "Herr Hodgson, wie oft habe ich Ihnen gesagt: die Einnahmeseite muss stabil gehalten werden? Da können Sie doch nicht ernsthaft gegen Blackpool verlieren!"

"Und liebe Familie Gerrard, ich sehe doch an den Schmutzrändern der Wanne, dass hier immer noch gebadet wird, Verschwendung!"

Dazu eine echte Dokusoap zwischen den beiden Besitzern Tom Hicks und George Gillett.

Die beiden reden seit 2 Jahren nicht mehr miteinander, Herr Hicks möchte Herrn Gillett auszahlen, um gewinnbringend an einen Dritten weiterzuverkaufen. Aber Gillett ist auch nicht blöd.

Das Hauptproblem ist, dass die Bezeichnung Besitzer in diesem Fall irreführend ist. Weder Hicks noch Gillett haben je einen Cent in den Verein gesteckt, ihre gesamte Übernahme war fremdfinanziert.

Kreditgeber war die Royal Bank of Scotland. Das Geldhaus möchte nun bis Ende Oktober die 380 Millionen wiedersehen, quasi öffentlicher Druck, denn die Bank ist nach der Finanzkrise zu 84% verstaatlicht.

Geradezu putzig, im Grunde gehört der FC Liverpool also dem englischen Steuerzahler und ist damit stärker verstaatlicht als einst Dynamo Berlin oder ZSKA Sofia.

In Italien besitzt sogar der Ministerpräsident einen eigenen Klub. Hier könnte es für Peter Zwegat etwas kompliziert werden, denn Silvio Berlusconi redet nicht mit jedem.

Der Eigentümer möchte schon länger den AC Mailand abstoßen, ihm droht die teuerste Ehescheidung der Moderne. Doch wie es den Milan-Fans erklären, ohne Wählerstimmen zu verlieren?

Einen illustren Besitzer von Minderheitsanteilen am Verein versuchte Berlusconi schon zur Aufstockung zu überreden: Muammar al-Gaddafi, Staatsoberhaupt von Libyen und Hobbylyriker (Hauptwerk: Die Erde und der Selbstmord der Astronauten, kein Witz!).

Auch mit dem Staatsfond der chinesischen Regierung hat Berlusconi schon verhandelt. Über diese beiden Gesprächspartner gibt es reichlich Sekundärliteratur, z.B. im Jahresbericht von Amnesty International.

Doch da blättert Berlusconi wohl seltener als in Kleinanzeigen mit eingängigen Telefonnummern oder in Prospekten von Schönheitskliniken.

Raus aus den Schulden - Spanien Spezial! findet selbstverständlich beim FC Valencia statt.

Peter Zwegat vor der bizarren Kulisse der größten Bauruine Europas, ein Idyll. Im Stadtteil Mestalla ist ein skelettiertes UFO gelandet. Die neue Mega-Arena des aktuellen Tabellenführers ist fertig gestellt - im Rohbau.

Seit 15 Monaten tut sich hier kein Handschlag mehr. Kohle alle. Stadt, Land, Politik, Bevölkerung und Verein sind sich einig: das Ding muss zu Ende gebaut werden. Nur bei der Kostenverteilung herrscht seltsamerweise Unklarheit.

Immerhin verkündete Clubpräsident Llorente stolz, daß durch Spielerverkäufe und Deinstallation von Badewannen der Schuldenstand des FC Valencia von 550 auf 400 Millionen Euro gedrückt werden konnte, also nur noch ein Klacks.

Ja, brauchen die gar keinen Peter Zwegat mehr?

Bis nächste Woche,Euer Uwe Morawe

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