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Lutz Pfannenstiel hat schon für die Natio- nalteams von Kuba und Namibia gearbeitet © imago

Der Weltenbummler sieht sich in dem afrikanischen Land schweren Vorwürfen ausgesetzt. Ein Trainerkollege wird gar ausgewiesen.

München - Weltenbummler Lutz Pfannenstiel hat auf seiner Reise als Fußball-Entwicklungshelfer eine weitere schier unglaubliche Geschichte erlebt.

Der Verband Simbabwes ZIFA erklärte dem belgischen Nationaltrainer Tom Saintfiet auf dem Trainingsplatz, er müsse wegen fehlender Arbeitserlaubnis sofort das Land verlassen.

Während Verbands-Berater Pfannenstiel noch einen Tag im Land blieb, packte Saintfiet, 2005/06 Trainer des deutschen Amateurklubs BV Cloppenburg, umgehend seine Sachen.

Er reiste acht Stunden mit dem Auto nach Botswana, um Ärger mit den Behörden zu vermeiden.

"Von einem vergleichbaren Fall habe ich noch nie gehört", sagte ein Sprecher des Weltverbands FIFA. Ob und wie die FIFA reagieren könne, müsse aber erst geprüft werden. Dies hänge davon ab, ob es sich um ein bürokratisches Versäumnis oder um politische Einmischung handele.

"Da geht es um politische Dinge"

Pfannenstiel wurde am darauffolgenden Morgen von "bösartigen Schlagzeilen über Tom und mich auf Seite 1 vieler Zeitungen" überrascht und anschließend stundenlang von den Behörden an der Ausreise gehindert.

"Da geht es um politische Dinge, und ich bin zwischen die Fronten geraten, ohne etwas dafür zu können", sagte Pfannenstiel. Nachdem sich der Vorwurf, er arbeite ohne Erlaubnis im Land, nicht bestätigte, "wurde mir vorgeworfen, dass ich bei der Einreise meine Verhaftung von Singapur 2001 nicht angegeben hätte."

Probleme wegen Vergangenheit

Der in Zwiesel im bayerischen Wald geborene Ex-Torhüter, weltweit erster und einziger Fußball-Profi, der in jedem der sechs anerkannten FIFA-Kontinentalverbände einem professionellen Fußballverein angehörte, saß in Singapur wegen vermeintlicher Spielmanipulation für 101 Tage in Haft.

Damals hieß es unter anderem, er habe "zu gut gehalten". Die Strafe hat aber "in allen Rechtssystemen außer Singapur keine Gültigkeit."

Der Vorwurf sei international entkräftet worden, "und seit dieser Zeit habe ich bei mehr als zehn Vereinen gespielt und Arbeitserlaubnisse in Kanada, Neuseeland oder Norwegen bekommen. Kein Krimineller würde in diesen Ländern eine Arbeitserlaubnis erhalten", so Pfannenstiel, der nach einem Gespräch mit der deutschen Botschaft am Mittwoch ausreiste.

"Ich wurde als Schwerkrimineller dargestellt"

Er überlege, gegen manche Zeitung des Landes "rechtliche Schritte" einzuleiten: "Ich wurde als Schwerkrimineller dargestellt. Durch die fußballpolitisch angespannte Situation wurde meine Vergangenheit als Spielball benutzt, um den Druck auf Saintfiet zu erhöhen."

Wie es mit Saintfiet, der zuletzt Namibia trainierte, weitergeht, ist noch offen. "Als Tom vor einigen Tagen unterschrieben hat, wurde ihm versichert, dass sich der Verband um eine Arbeitserlaubnis kümmert", sagte Pfannenstiel, der auf Einladung des nationalen Verbandes ZIFA in Simbabwe weilte.

Zwar wurde ihm am Freitag signalisiert, er dürfe wohl zurück ins Land, doch die Medien hätten vom ersten Tag an gegen den Belgier geschossen, "weil viele Leute im Verband einen anderen Trainer wollten. Meine Geschichte war nur ein Mittel zum Zweck, um Druck auf Tom aufzubauen".

Saintfiet in der Kritik

Dem Belgier wird offenbar übel genommen, dass er auch erfahrene Spieler aus dem Ausland nominierte und nicht nur junge Akteure, von denen man sich eine Wertsteigerung für den Verkauf ins Ausland erhofft.

Pfannenstiel, der in Singapur festgehalten wurde, obwohl er "nie verdächtigt wurde, Geld angenommen zu haben", veröffentlichte 2009 eine Autobiografie über sein bewegtes Sportlerleben auf sechs Kontinenten. Er gibt Torwartkurse für den Deutschen Fußball-Bund (DFB), die afrikanische Konföderation CAF und die FIFA und ist Torwarttrainer Namibias.

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