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Reynald Temarii spielte von 1988 bis 1990 aktiv beim FC Nantes © getty

Reynald Temarii räumt Fehler ein und sagt, "absolut integer" zu sein. Bis zur Einberufung der Ethik-Kommission gilt Redeverbot.

München - Was kostet die Welt(meisterschaft)? Dank britischer Undercover-Reporter gibt es seit diesem Sonntag eine Antwort.

Dass zwei hochrangige FIFA-Funktionäre vor laufender Kamera ihre Stimmen für die Vergabe der WM 2018 und 2022 anbieten, hat die Fußball-Fans erschüttert, aber gar nicht mal unbedingt überrascht.

Nun räumt der erste Beschuldigte reumütig ein, er habe einen Fehler begangen.

Seinem Boss Joseph S. Blatter fällt zu diesem Thema kaum mehr als ein Maulkorb ein.

Vizepräsident bereut Aussagen

"Ich bin absolut integer, aber es war falsch, auf diese Weise zu reden", sagte Reynald Temarii, seines Zeichens FIFA-Vizepräsident.

Dem Tahitianer, der zugleich Präsident des Ozeanischen Fußball-Verbandes ist, wird Bestechlichkeit vorgeworfen.

Ein Video der Zeitung "Sunday Times" zeigt, wie Temarii seine Stimme gegen ein teures Fußball-Projekt in seiner Heimat feilbietet.

Auch das nigerianische Mitglied der FIFA-Exekutive, Amos Adamu, soll Bereitschaft gezeigt haben, seine Stimme zu verkaufen. (News zum internationalen Fußball)

Blatter erteilt Redeverbot

Am Mittwoch will die Ethik-Kommission der FIFA sich des Falles annehmen, bis dahin hat Blatter den Mitgliedern des Exekutiv-Komitees ein Redeverbot erteilt.

Der FIFA-Boss schrieb in einem persönlichen, aber kurioserweise auch öffentlichen Brief an die 24-köpfige Exekutive, er habe "die unangenehme Pflicht", die Mitglieder über "eine sehr unerfreuliche Situation" in Kenntnis zu setzen.

Bis auf weiteres, so Blatter, "möchte ich Sie bitten, von jeglichen öffentlichen Äußerungen in dieser Angelegenheit abzusehen".

Dafür bedankt sich Blatter dann auch gleich "im Voraus".

Temarii verspricht Unterstützung

Temarii versprach brav, eine "vollständige und umfassende Untersuchung" zu unterstützen.

Diese erfolgt wieder einmal FIFA-intern, es würde verwundern, sollten harte personelle Konsequenzen dabei herauskommen.

Immerhin: "Alle Fakten" sollen auf den Tisch kommen, sagte Temarii. Blatter kündigte an, die Ergebnisse der Untersuchung "unverzüglich zu analysieren".

Adamu erneut der Korruption beschuldigt

Was dann geschieht, steht in den Sternen.

Adamu tauchte nach der Veröffentlichung des Videos erstmal ab - und am FIFA-Hauptquartier wieder auf.

Er traf Blatter und wird sich ebenfalls vor der Ethik-Kommission erklären.

Musa Amadu, Generalsekretär des nationalen Fußball-Verbandes NFF, hatte zuvor noch gesagt, er habe von Blatter "keine Antwort auf Anrufe oder SMS" erhalten.

Adamu war im Rahmen der Ausrichtung der Panafrikanischen Spiele in Nigeria 2003 bereits einmal mit Korruptionsvorwürfen konfrontiert worden.

Zwei Anträge bei Ethikkomission

Erst vor kurzem hatte der Funktionär nach 18 Jahren seinen Platz in der nationalen Sportkommission räumen müssen.

Wie die FIFA am Montagabend bestätigte, habe sie bei der Ethikkommission zwei Anträge gestellt.

Zum einen wurde ein Ethikverfahren gegen zwei aktuelle Mitglieder des FIFA-Exekutivkomitees eingeleitet, um abzuklären, ob diese gegen das Ethikreglement der FIFA verstoßen haben.

Verschiebung der WM-Vergabe?

Außerdem wurde eine Untersuchung gegen die entsprechenden Nationalverbände und Bewerbungskomitees eingeleitet.

Angesichts der Entwicklungen kursieren jetzt Gerüchte, die für den 2. Dezember in Zürich geplante WM-Vergabe müsse verschoben werden.

Chuck Blazer, amerikanisches Mitglied der FIFA-Exekutive, hält das für unnötig. "Wir sollten diese Dinge voneinander trennen und im Zeitplan bleiben", sagte Blazer.

Mauscheleien bei der FIFA?

Die Undercover-Reporter hatten sich als Lobbyisten eines US-Konsortiums ausgegeben und versucht, mit finanzieller Unterstützung um Stimmen zu werben.

Vorwürfe dieser Art in Richtung der FIFA sind nicht neu. Schon bei der Vergabe der Fernsehrechte für die Weltmeisterschaften 2002 und 2006 wurde angeblich gemauschelt.

FIFA-Boss Blatter musste sich außerdem Vorwürfe gefallen lassen, bei seiner Wahl 1998 und 2002 sei nicht alles mit rechten Dingen zugegangen.

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