Uwe Morawe weist auf Fergusons Abneigung gegen Genußmenschen hin, erklärt den Özil-Wahn in Madrid und wundert sich über Benitez.

Hallo Fußball-Freunde,

Puh, geschafft, endlich müssen wir uns nicht mehr mit der zähen EM-Qualifikation herumplagen.

Blick frei auf den Vereinsfußball, die Antworten auf mäßig spannende Fragen sind gefunden.

Jawohl, Toni Kroos kann gegen das übermächtige Kasachstan auch auf der Doppelsechs seinen Mann stehen. Lothar Matthäus siegt beim Bulgarien-Debüt in Wales.

Logisch, in Wales gibt es weit und breit keine attraktiven Frauen, die ablenken könnten.

Die echten Auswärtsspiele und Charaktertests kommen für den Lothar noch.

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Mit dem Charakter ist es eh so ein Ding. Schon Hippokrates, der Urvater der Medizin, versuchte sich in einer Unterscheidung von vier Grundtypen.

Bei seiner Definition des Cholerikers ("chole", gelbe Galle) muss der alte Grieche in einer Zeitmaschine Sir Alex Ferguson begegnet sein.

Der Choleriker sei im positiven Sinne willensstark/furchtlos/entschlossen, negative Eigenschaften sind Unausgeglichenheit und Jähzorn.

Stimmt, das ist Alex Ferguson.

Vor sieben Jahren machte zum Beispiel die BBC bei einer Dokumentation Recherchefehler, seitdem gibt Fergie diesem TV-Sender keine Interviews mehr. Jähzorn!

Probleme hat Sir Alex vor allem mit Genußmenschen, dem Charakter des Sanguinikers ("sanguis", Blut). Etwa einem David Beckham. Der sagte einst ein Training ab, weil Sohn Brooklyn erkrankt war.

Babysitter-Job kein Problem - bis Ferguson erfuhr, dass Victoria Beckham zeitgleich stundenlang shoppen war. Jähzorn!

Beckham wanderte auf die Tribüne, später schleuderte Ferguson ihm noch einen Schuh in Gesicht, Abschiebung zu Real Madrid.

Die selbe Geschichte bei Ruud van Nistelroy. Und noch einmal - wenn auch mit weniger Streit - bei Cristiano Ronaldo.

Fergies aktueller Fall heißt Wayne Rooney. Wieder so ein Genußmensch. Okay, zweifelhafte Genüsse.

Doch wir wollen nicht richten: Wer weiß schon, was ein Hund wirklich empfindet, wenn er sich am menschlichen Schienbein schubbert? N

ach Rooneys Eskapaden setzte Ferguson ihn auf die Bank, offizielle Sprachregelung: Knöchelverletzung.

Doch Rooney spielte das fadenscheinige Spiel nicht mit, erklärte sich für topfit und sagte geplante Gespräche über eine Vertragsverlängerung kurzerhand ab.

Reflexartig wird nun auf einen Wechsel zu Real Madrid spekuliert, war halt immer so.

Doch bei den Königlichen scheint sich tatsächlich etwas zu ändern.

Sportdirektor Jorge Valdano dementierte prompt, Rooney kein Thema, man sei mit den Offensivleuten Higuain, Ronaldo, Di Maria und Özil bestens aufgestellt.

Stimmt, denn wann hat eine Mourinho-Mannschaft zuletzt zehn Tore in zwei Spielen erzielt?

Vor allem von Mesut Özil ist ganz Spanien verzückt. Die Männer lieben seine Füße, die Frauen seinen melancholischen Blick (von "melas", schwarze Galle).

Doch liebe Senoritas, da müssen wir widersprechen.

Laut Hildegard von Bingen, der ersten weiblichen Gelehrten des Mittelalters, ist der Charakter des Melancholikers äußerlich gekennzeichnet durch mageres Fleisch, dicke Adern und massige Knochen.

Was lernen wir? Mesut Özil ist keinesfalls ein Melancholiker, das zwölfte Jahrhundert war Scheiße und Obacht bei weiblichen Gelehrten!

Der Weg von Wayne Rooney könnte schon eher zu Inter Mailand führen. Dort sitzt mit Rafa Benitez ein Trainer, der sich in den letzten Jahren zum Phlegmatiker entwickelt hat ("phlegma", Körpersaft).

Diese Charaktere sind diplomatisch und friedliebend, allerdings arg bequem.

Schon zu Zeiten in Liverpool ließ Benitez nach dem Gewinn der Champions League die Zügel schleifen, kümmerte sich null um die Nachwuchsarbeit und shoppte lieber auf dem Transfermarkt wie Victoria Beckham im Schuhladen.

Jetzt bei Inter übernahm Benitez einen Topkader mit 25 erstklassigen Kickern und einem alles überragenden Samuel Eto'o (zehn Tore in neun Pflichtspielen). Quasi gemachtes Nest.

Und was macht Benitez? Er fordert lautstark für den Januar drei bis vier Neuzugänge.

Hut ab, das wird seinen Spielern gefallen, der Mann geht ungewöhnliche Wege in Motivation und Teambuilding! So heißt mein Meistertipp unverändert: Milan.

Bis nächste Woche,Euer Uwe Morawe

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