Uwe Morawe schildert, was in Europas Topligen am Wochenende auf den Teller kam. Besonderes hatten Wenger und Mourinho zu bieten.

Hallo Fußball-Freunde,

spätestens seit Sepp Herberger seinen Spielern das Trinken von Mineralwasser verbot - "trocken müßt ihr sein, Männer, trocken und zäh!" - wissen wir, wie wichtig eine artgerechte Nahrung für Fußballer ist.

Umso verwunderlicher erscheint es da, daß in den inflationären Kochshows hierzulande jegliche Berufsgruppen von gefallenen Schlagersängern über Möchtegernschauspielerinnen erscheinen, allerdings keine Fußballprofis. Wo ist der Wagemut der Produzenten?

[image id="f1f7bc22-65ab-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Sehenswerte Plots blieben bislang unerschlossen. Peter Neururer brät eine Currywurst. Mario Basler beim Eintippen der Telefonnummer, um sich Pizza Salami zu bestellen. Oder der verträumte Blick von Lukas Podolski, wie er seiner Mutter beim Zubereiten polnischer Kuttelsuppe zusieht...

Sie begreifen, die Möglichkeiten sind vielfältig. Gerade im restlichen Europa, wo die televisionäre Kochwut noch in den Kinderschuhen steckt.

Größter Problemfall sicherlich England. Die leben auf einer Insel - doch wer bringt ihnen endlich bei, daß Fisch ohne Essig besser schmeckt? Zweifellos bedarf es in dieser kulinarischen Diaspora eines Grundkurses. Eimal wöchtentlich Kochen mit Arsene.

Seit Jahren arbeitet Monsieur Wenger in der Haute Cuisine des Fußballs, ein Meister des lukullischen Crossovers: südamerikanische Einflüsse verschmolzen mit mediterraner Luftigkeit, gerne auch ein Element Erde aus den slawischen Ländern, mit leichter Hand serviert. Ein Genuß für Auge und Gaumen. Den normalen Esser beschlich zuletzt jedoch ein Hungergefühl. Nix dran an den Wengerschen Portionen! 5 Jahre ohne Titelgewinn für Arsenal!

Der Maitre de Cuisine hat das Problem erkannt und packt nun auch Speck mit Kartoffeln auf den Teller. Früher undenkbar sind die Gunners Vorletzer der Fairplay-Wertung. Wo einst zart geraspelt wurde, wird nun grob gehobelt. Mit neuentdeckter Rustikalität gewann Arsenal 2:1 bei Everton und ist auf zwei Punkte dran an Chelsea. Dort fiel ein Soufflé zusammen: die ersten Gegentore an der Stamford Bridge seit März, eine schmackige 0:3 Blamage gegen Sunderland. Carlo Ancelotti als Koch ohne Zutaten - durch die Ausfälle von Terry, Lampard und Essien hatte die ganze Chelsea-Sauce keinerlei Bindung mehr.

Dem temperamentvollen Spanien hingegen empfehlen wir als Konzept fürs TV das klassische Kochduell Mann gegen Mann.

Jose Mourinho Aug in Aug mit dem Schnell-Imbiss-König von Sporting Gijon, Manuel Preciado. Dieser Trainer bewarf seinen Kontrahenten schon vor dem Spiel verbal mit Frittenfett: Mourinho sei eine Kanaille (von lateinisch caniculus: kleiner Köter, ugs. auch Schweinehund, nicht essbar!).

Ok, Mourinho kennt sich mit kräftiger Bouillon ebenfalls aus und saß nach gepfefferten Worten gesperrt auf der Tribüne. Was sich allerdings nach dem 0:1 auf dem Stadionparkplatz abspielte, war eine seltene Delikatesse.

Preciado lauerte dem Mannschaftsbus von Real Madrid auf und beantwortete ein Victory-Zeichen Mourinhos mit einem Griff in die eigenen Genitalien, anschließende Rührbewegung inbegriffen. Daraufhin rief Reals Konditionstrainer Rui Faria: "A segunda!"

Damit war keinesfalls der zweite Gang einer Menüfolge gemeint, sondern die Klassenzugehörigkeit von Gijon in der kommenden Saison. Als Konter griff Manuel Preciado zu Herbergers Tabu, einer 1,5-Liter Wasserflasche, und schmiss dieselbige mit Nachdruck auf den Mannschaftsbus.

Eine Fortsetzung im Fernsehstudio mit Nudelholz und Bratpfanne wäre allemal sehenswert.

Komplizierter wird da schon die Etablierung einer Kochshow in Italien. Die können es ja alle bereits, ob Weiblein oder Männlein. Da müssen demnach andere Reize her.

Der Italiener goutiert im TV bekanntermaßen lautstarke Diskussionen und eine Prise Sex. Wir hätten da eine Idee.

Momentan verhandelt Antonio Cassano mit Sampdoria Genua über die Höhe seiner Abfindung. Hat sich mal wieder mit einem Präsidenten überworfen, der unverstandene Junge. Falls kein anderer Verein so dumm sein sollte, sich mit Cassano einen Gorgonzola in den Kühlschrank zu legen (Hauptbestandteil penicillium roqueforti, ansteckender Schimmelpilz), eröffnet sich eine 1a-Alternative. Die eigene Pizzeria mit Fernsehvertrag! Antonio wirbelt vor Kameras am Holzofen und zu jeder Sendung erscheinen fünf oder sechs seiner früheren Gespielinnen. Das gibt ein Hallo! Laut eigener Biographie hatte Cassano mit über 700 Frauen intimen Verkehr...

Mindestgarantie von 3 Jahren Dokusoap mit schrillen Dialogen! Sorry Herberger, aber das ist mal wirklich ein wasserdichtes Erfolgsmodell...

Bis nächste Woche,Euer Uwe Morawe

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel