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Messi (l.) und Ronaldinho trafen bei den Olympischen Spielen 2008 aufeinander © getty

Das Testspiel zwischen Argentinien und Brasilien elektrisiert die beiden Länder. Beide Teams starten den Neuanfang.

Doha - Lionel Messi hat von der sieglosen Zeit gegen den Erzrivalen die Nase gestrichen voll.

"Mit unserer A-Nationalmannschaft habe ich noch nie gegen Brasilien gewonnen. Ich denke, es ist an der Zeit für das erste Mal", sagte Argentiniens Superstar vor dem Klassiker (ab 18 Uhr LIVESCORES) in Doha.

Viermal trat der amtierende Weltfußballer mit der Albiceleste gegen den südamerikanischen Nachbarn an, mit zweimal 0:3 und einem 1:3 gab es kräftige Watschn, daneben noch ein torloses Remis.

Ohne Messi verloren die Gauchos zudem das Confed-Cup-Finale 2005, sodass der letzte argentinische Sieg (3:1 in der WM-Qualifikation) vom 8. Juni 2005 eine gefühlte Ewigkeit her ist.

"Es gibt keine Freundschaftsspiele zwischen uns"

Aber auch auf Seiten der Brasilianer muss nicht lange nach dem Extraschuss Motivation gesucht werden. "Es gibt keine Freundschaftsspiele zwischen uns", meinte Liverpool-Legionär Lucas.

Und Shootingstar Neymar vom FC Santos bekannte trotz seiner erst 18 Jahren mit dem Pathos eines alten Haudegens: "Wir müssen so spielen, als wäre es das letzte Spiel unseres Lebens."

Ronaldinho gibt sein Comeback

Für einen, der die besondere Atmosphäre des Duells schon oft hautnah erlebt hat, ist es aber ein Neuanfang:

Ronaldinho, der unter Dunga aufs Abstellgleis geraten war, kehrt 595 Tage nach seinem letzten Auftritt ins kanariengelbe Trikot zurück und ist mit 30 Jahren sogar der Senior des fünfmaligen Weltmeisters.

"Der Gegner respektiert uns mehr, wenn er mitwirkt", begründete Brasiliens neuer Nationaltrainer Mano Menezes.

Obwohl bei Messi der Respekt kleiner ist als die Freude auf ein Wiedersehen mit einem alten Freund.

"Ronaldinho ist wie ein wahrer Bruder, der mir zusammen mit Deco zu Beginn meiner Karriere bei Barca sehr geholfen hat. Ich wünsche beiden immer nur das Beste", gesteht der Stürmer des FC Barcelona, der auch auf seinen Vereinskollegen Dani Alves trifft.

Nicht mehr der Alte

Somit stehen nach dem Abgang der allzu sehr ins Rampenlicht gerückten Trainer-Charaktere Diego Maradona und Dunga wieder Spielertypen im Vordergrund.

Auch wenn Ronaldinhos Glanz diametral zu Messi verblasst, und der Weltfußballer von 2004 und 2005 beim AC Mailand längst nicht mehr die Rolle eines unverzichtbaren Alleinunterhalters wie einst bei "Barca" spielt.

"Er hat nicht mehr diesen unwiderstehlichen Antritt, aber er ist immer noch einer, der dem Spiel seinen Rhythmus gibt", sagt Menezes im Vertrauen auf seinen Altstar.

Der 48 Jahre alte Coach steht nach drei glatten Siegen ohne Gegentor gegen Argentinien vor der ersten Bewährungsprobe.

Talente im Blickpunkt

Neben Ronaldinho sowie den WM-"Überlebenden" Robinho, Daniel Alves, Ramires und Thiago Silva vertraut Menezes hauptsächlich auf verheißungsvolle Talente wie Neymar, Andre (Dynamo Kiew) oder Philippe Coutinho (Inter Mailand).

Sein argentinischer Gegenpart geht den Neuaufbau nach dem WM-Aus im Viertelfinale ruhiger an.

Demichelis im Kader

Sergio Batista setzt weiter auf den Großteil des Südafrika-Kaders, muss aber den kurzfristigen Ausfall von gleich fünf wichtigen Spielern verkraften.

Verletzungen verhindern den Einsatz der nominierten Abwehrspieler Walter Samuel und Gabriel Milito sowie der Angreifer Carlos Tevez, Sergio Aguero und Diego Milito.

Auch Bayerns Martin Demichelis steht im Kader Batista, wird aber wohl nicht von Beginn an zum Einsatz kommen.

Erster großer Auftritt für "Checho"

"Checho", der die Gauchos 2008 zum Olympiasieg geführt hatte, baut auf Messi.

"Ich weiß nicht, ob er ein Limit hat. Er reift weiter und schießt unglaubliche Tore. Wir haben den besten Spieler der Welt im Team, und die Seleccion muss dies ausnutzen", forderte der 48-Jährige.

Der Weltmeister von 1986 konnte noch keine großen Trainermeriten sammeln, will sich gegen den Erzrivalen aber erstmals als wahrer Chef auf der Bank erweisen.

Die Zutaten für einen feurigen Klassiker im Khalifa International Stadium von Doha sind angerichtet, gut 50.000 Zuschauer werden dem Duell der Giganten einen würdigen Rahmen geben.

Und die in Katar herrschende Al Thani-Familie hofft, dass sich die Investition in Messi und Ronaldinho kurz vor der FIFA-Entscheidung am 2. Dezember mit Blick auf die Bewerbung des Wüstenstaates als Gastgeber des WM-Turniers 2022 bezahlt macht.

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