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Spaniens Mittelfeldregisseur Xavi (l.) blieb in Portugal wirkungslos © getty

Weltmeister Spanien kassiert in Portugal die höchste Niederlage seit 47 Jahren. Der ist verärgert, die heimische Presse erbost.

Lissabon - Vorgeführt, gedemütigt, abgeschossen: Nach der bitteren 0:4 (0:1)-Schlappe in Portugal (313806die Bilder) schien das Gesicht des spanischen Nationaltrainers Vicente Del Bosque noch ein wenig zerknitterter als gewöhnlich.

"Schlechter kann man nicht spielen", grummelte der Coach, der die "Seleccion" vor vier Monaten noch zum Weltmeistertitel geführt hatte: "Wir dürfen uns auf diesem Erfolg nicht ausruhen. Ich bin sehr verärgert."

Das eigentlich so gefürchtete spanische Kurzpassspiel "Tiqui-Taca" hatte seine Wirkung verfehlt. Wieder einmal.

Erneute Klatsche

Seit dem WM-Triumph am 11. Juli in Johannesburg will es mit "Viva Espana" nicht mehr so recht klappen. Mehr schlecht als recht siechen die noch vor nicht allzu langer Zeit als nahezu unschlagbar eingestuften Spanier vor sich hin.

Schon rund acht Wochen nach dem Erfolg in Südafrika erlebte der stolze Welt- und Europameister eine 1:4-Pleite in Argentinien.

In der EM-Qualifikation gab es glanzlose Pflichtsiege in Liechtenstein (4:0), gegen Litauen (3:1) und in Schottland (3:2). Nun folgte das Debakel von Lissabon.

"Ein Schlag in Gesicht"

"Der Stern stürzt ab", schrieb die spanische Tageszeitung "as" nach der Niederlage und Marca fragte entgeistert. "Waren das wirklich die Roten? Spielten tatsächlich Iniesta, Xavi, Casillas und Co.? Oder waren es ihre Doppelgänger? Portugal hat uns wie einen Stier durch die Arena geführt. Das war ein Schlag ins Gesicht"

Der sommerlichen Euphorie folgt eine stattliche Herbst-Depression. Zumal man zuletzt vor 47 Jahren mit einem Unterschied von vier Toren (2:6 gegen Schottland) verlor.

Del Bosque stinksauer

"Für diese Niederlage gibt es keine Ausreden. Wir haben dem Gegner einfach zu viele Torchancen ermöglicht", moserte Del Bosque, dessen Startelf gegen Portugal nominell nahezu identisch mit der aus dem WM-Finale gegen die Niederlande war.

Einzig Manchester Citys David Silva ersetzte Pedro vom FC Barcelona. Mehr als den einen oder anderen ansehnlichen Spielzug brachte Del Bosques Team allerdings nicht zustande.

Fabregas entschuldigt sich

Den Toren von Carlos Martins (45.), Helder Postiga (49. und 68.) und des Bremer Bundesliga-Profis Hugo Almeida (90.) hatte die "Furia roja" kaum etwas entgegenzusetzen.

Kein Feuer, nicht einmal Funken. "Wir können uns bei den Fans für diese Leistung nur entschuldigen", sagte der geknickte Mittelfeldspieler Cesc Fabregas.

Jubel bei Ronaldo und Co.

Beim Gegner wurde derweil ausgiebig gejubelt.

"Es ist nicht einfach, die beste Nationalmannschaft der Welt zu schlagen. Aber wir haben bewiesen, dass Portugal immer besser wird", sagte Superstar Cristiano Ronaldo, der Spaniens Hintermannschaft mit seinen kraftvollen Antritten immer wieder vor unlösbare Aufgaben stellte.

Portugals neuer Nationaltrainer Paulo Bento meinte: "Dieser Sieg bringt uns zwar keine Punkte, aber jede Menge Prestige. Wir haben viele Dinge richtig gemacht."

Portugals Presse ist begeistert

Portugals Presse zeigte sich entsprechend begeistert. Von einer "historischen", "magischen", "epischen" Nacht war in "A Bola" und Co. zu lesen.

"Record" gab allerdings zu bedenken, dass der Sieg "111 Tage zu spät" gekommen sei. Am 29. Juli hatte Portugal im Achtelfinale der WM 0:1 gegen Spanien verloren.

Für die Gegenwart ist die Vergangenheit jedoch wertlos. "Portugal hat den Weltmeister erniedrigt", schrieb Spaniens "El Mundo".

"Sport" ergänzte: "Unser ruhmreichstes Jahr hat ein trauriges Ende genommen."

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