Das Alphamännchen hat in der Regel das Vorrecht auf Erfolg. Uwe Morawe beleuchtet in seiner Kolumne aktuelle Nachahmer.

Hallo Fußball-Freunde, wohlgeschätzte Primaten!

Sie als lesekundiger Trockennasenaffe wissen selbstverständlich, dass uns gut 99 Prozent des genetischen Materials mit unserem mächtigsten Verwandten, dem Östlichen Flachlandgorilla, verbindet.

Die Körperfülle von bis zu 275 Kilogramm, die ausgeprägten Oberaugenwülste sowie der natürliche Scheitelkamm dieser Spezies erscheinen uns Menschen zwar wenig erstrebenswert.

Das explizit polygyne Sozial- und Sexualverhalten des Flachlandgorillas hingegen hat für die europäische Fußballwelt eine nicht zu unterschätzende Strahlkraft. Nur das älteste Männchen, der Silberrücken, genießt das Vorrecht der Paarung - und das mit allen Weibchen des Rudels. Hhhmmm!

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Die Formel ist simpel: je grauer der Pelz, desto glänzender die Erfolgsaussichten. Ein Vorzeigemodell für die Männerwelt des runden Leders.

Der größte Flachlandgorilla der Hemisphäre lebt keineswegs im Bwindi Nationalpark in Uganda, sondern vielmehr unter der Postadresse M 16 0RA, Sir Matt Busby Way, Manchester / England.

Nach 25 Jahren, über 30 Titelgewinnen und 1355 Spielen für seinen Club ist bei Sir Alex Ferguson auch das kleinste schwarze Häarchen verschwunden. Souverän trotzt dieses Alphamännchen jeglichen Angriffen auf seine Vormachtstellung.

Eine ausgeprägte Dürre erschwert die Nahrungsuche auf dem Transfermarkt? Das ficht einen Silberrücken nicht an. Die Eskapaden des umtriebigen Jungmännchens Wayne Rooney? Der erfahrene Grauschopf weiß die überschüssigen Körpersäfte seines Rudels in Tatkraft umzusetzen.

Fünf Tore von Dimitar Berbatov beim umjubelten 7:1 über Blackburn. Fergusons Kontrahent Sam Allardyce zog mit finsterem Haupt und eingeklemmtem Schwanz von dannen. Manchester United nach 15 Spieltagen dann doch wieder Tabellenführer, Silberrücken halt.

Kurz vor Beginn der Regenzeit verlegte Jose Mourinho sein Revier von Italien nach Spanien. Haben Sie bei diesem Homo sapiens in edlen Halbschuhen nicht auch den Verdacht, daß Mourinho der einzige Mann Europas ist, der sich klammheimlich die Haare grau färben läßt?

Dazu ein stahlfarbener Panzer aus Wintermantel und Wollschal - Mourinho schien bereit für das Gorillatreffen im Nou Camp.

Und dann das: Quelle Desastre!

Real Madrid wurde mit 0:5 auseinandergerupft. Dabei hatte Mourinho doch seit Saisonbeginn unablässig mit breiter Brust getrommelt. Den Verein habe er neu aufgestellt, quasi bei Null habe er Strukturen neu erschaffen, seine neuen Spieler würden Real Madrid den alten Silberrückenglanz zurückgeben. Nichts ist neu.

Schon unter Vorgänger Manuel Pellegrini spielten die Königlichen im Vorjahr eine auf den ersten Blick phantastische Saison: 31 Siege in 38 Partien, 102 Tore und 96 Punkte. Mourinho fing also keinesfalls bei Null an.

Dumm nur, daß Pellegrini die beiden direkten Kämpfe gegen die westlichen Berggorillas aus Katalonien in den Sand setzte. Und was hat sich unter dem Primat von Mourinho geändert? Rein gar nichts!

19 ungeschlagene Pflichtspiele sind Essig, wenn man bei Barca dermaßen untergeht. Deren Trainer Josep Guardiola kennt sich eben noch besser aus mit eleganten Rüstungen aus Titan-Tweed, ließ sich extra den graumelierten Bart wieder wachsen, nachdem er zu Saisonbeginn noch glattrasiert und mit Glatze am Spielfeldrand gestanden hatte.

Vom erwarteten Duell auf Augenhöhe konnte nicht die Rede sein. Junge, wurden die hergespielt, ein phantastisches Barca fegte Madrid mit leichter Hand vom Platz, ein demütigender Klassenunterschied tat sich auf.

Und Real Madrids größenwahnsinniger Präsident Florentino Perez machte sich mal wieder zum galaktischen Hampelmann. "Mesut Özil habe das Zeug, der größte Spieler in der Geschichte von Real zu werden!", Zitat Perez.

Ist klar, Herr Präsident. Mesut Özil war leider der schwächste Mann auf dem Platz.

Bei soviel Tamtam um den Classico tut eine Siesta mal ganz gut. Die leistete sich die Serie A am letzten Wochenende.

An der Tabellenspitze gab es für die ersten sechs Mannschaften nicht einen einzigen Sieg. Also im Grunde nichts passiert. Macht ja nichts, auch Silberrücken schlafen 16 Stunden am Tag

Bis nächste Woche,Euer Uwe Morawe

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