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Rafael van der Vaart und seine Frau Sylvie (l.) bei der Vorstellung in Madrid © getty

Vor seinem Wechsel zu Real Madrid lobt Rafael van der Vaart die Hamburger Fans: "Sylvie und ich vergessen euch nie."

Hamburg - Er nervte ganz Hamburg mit dem Theater um seinen Wechsel zu Real Madrid, am Montag verabschiedete sich Rafael van der Vaart mit einer Liebeserklärung an Verein und Fans in die spanische Hauptstadt.

Als sich der Hamburger SV und Real Madrid um 2.30 Uhr in der Nacht zum Montag nach wochenlangem Tauziehen auf den Wechsel verständigten, wurde für den niederländischen Spielmacher aber "ein Traum wahr".

"Wie jeder weiß, wollte ich immer nach Spanien wechseln, weil ich eine starke Bindung zu diesem Land habe", sagte der 25 Jahre alte Sohn einer Spanierin, der am Dienstag in Madrid offiziell präsentiert wird.

Vertrag über fünf Jahre

Wie die "Königlichen" auf ihrer Internetseite mitteilten, wird van der Vaart am Dienstag die obligatorische sportmedizinische Untersuchung absolvieren, danach im Stadion Santiago Bernabeu der Öffentlichkeit vorgestellt und einen Fünfjahresvertrag unterschreiben.

Die Hamburger sollen nach Informationen der "Bild" eine Ablösesumme von 14 Millionen Euro plus eine Erfolgsbeteiligung von zwei Millionen Euro erhalten.

Allerdings bekommt auch van der Vaarts Ex-Verein Ajax Amsterdam nach Medienberichten zwei Millionen Euro der Ablösesumme. "Wir bekommen über 15 Millionen Euro. Mit den Konditionen sind wir zufrieden", sagte Aufsichtsratschef Horst Becker der "Bild".

"Für uns ist die Schmerzgrenze überschritten worden", sagte Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer: "Es war der ausdrückliche Wunsch des Spielers zu gehen. Bei einem Angebot von Real Madrid kann man das natürlich verstehen."

HSV hat endlich Ruhe

Der HSV wird vor allem endlich Ruhe haben.

Trainer Martin Jol war am Wochenende schon der Geduldsfaden gerissen, er hatte van der Vaart bei den Spielen gegen Real (1:2) und Juventus Turin (3:0) auf die Tribüne gesetzt, weil "er mental nicht hundertprozentig bei der Sache" sei und "es gut wäre, wenn mal Ruhe in der Bude wäre".

Mitspieler Vincent Kompany hatte die ständige Transfer-Diskussionen als "eine Show oder eine Sitcom" bezeichnet.

Blick zurück mit Wehmut

Doch nachdem van der Vaart im Ansehen der Fans vor allem mit einer starken Hinrunde die Scherben nach seinem unwürdigen Verhandlungspoker mit dem FC Valencia im Vorjahr mühsam zusammen gekehrt hatte, überkam ihn beim Abschied der Elbe auch Wehmut.

"Wenn ich auf die letzten Jahre zurückblicke, bin ich ausgesprochen glücklich, dass ich die Chance hatte, beim HSV zu spielen", schrieb er: "Kein Verein und keine Fangruppe behandelt einen mit mehr Gastfreundlichkeit, als sie es tun. Danke für all das - Sylvie und ich werden euch nie vergessen!"

Nun werde er aber "ein neues Kapitel in meinem Leben beginnen. Und ich werde alles tun, um der Mannschaft und dem Verein zu helfen, Titel zu gewinnen."

Schuster bekommt seinen Wunschspieler

Schuster hatte den van der Vaart stets als seinen Wunschspieler bezeichnet, sich vom Transfer-Gerangel zuletzt aber ebenso genervt gezeigt wie von dem um Cristiano Ronaldo.

Am portugiesischen Superstar, für den Real dem englischen Meister Manchester United angeblich bis zu 100 Millionen Euro geboten hat, haben die Madrilenen weiterhin großes Interesse.

Sneijders Verletzung als "Beschleuniger"

Mit van der Vaart waren sich die Madrilenen schnell einig, es hakte jedoch bei den Verhandlungen mit dem HSV.

Da der Spielmacher 2009 für 1,5 Millionen Euro aus seinem bis 2010 laufenden Vertrag hätte aussteigen können, weigerte sich Real anfangs lange, die vom HSV geforderten 13 Millionen zu zahlen.

Zum Einlenken brachte die Spanier offenbar auch die Verletzung von Sneijder, der nach seinem am Wochenende erlittenen Innenbandschaden im Knie voraussichtlich drei Monate ausfällt.

Niederländer hinterlässt große Lücke

Der HSV bekommt nun die gewünschte Ablösesumme, dafür hinterlässt van der Vaart sportlich, aber auch als Kapitän, Führungs- und Identifikationsfigur eine große Lücke.

Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer hat die Suche nach einem geeigneten Nachfolger natürlich schon lange begonnen, weiß aber auch: "Es ist nicht leicht, einen Spieler seiner Güte zu bekommen."

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