Uwe Morawe beleuchtet in seiner Kolumne, dass hinter Barcelonas neue Trikotsponsor etwas anderes steckt, als Gemeinnützigkeit.

Alles fing an in der Saison 2005/06 mit roten Hosen. Unsinnige rote Hosen. Hatte der FC Barcelona nie getragen. Immer blaue Hosen, ausschließlich blaue Hosen.

Wenn man so will, ist die Meldung vom vergangenen Freitag also Nippes, sie betrifft eigentlich gar nicht die stolze Kluft von Barca, sondern irgendein Wuppertaler-SV-Gedächtnis-Outfit.

Nun hat also auch der FC Barcelona einen Trikotsponsor. Nicht irgendeinen Geldgeber, nein! Die Qatar Foundation!

Kein Wirtschaftsunternehmen, sondern eine gemeinnützige Stiftung, wie Barca-Präsident Sandro Rosell uns stolz glauben machen wollte. Anders als bei allen anderen, gemäß des Mottos: "Mes que un club!"

Mehr wollen sie sein: moralisch integer, ehemalige Widerstandskämper gegen das faschistische Franco-Regime, Speerspitze der katalanischen Eigenständigkeitsbewegung, Hort der Unterdrückten und der ewig Aufrechte im Duell mit dem bevorzugten Real Madrid.

Diese propagierte Eigensicht Barcas bietet einem breiten Spektrum die Möglichkeit zur Identifikation: vom Ultra-Nationalisten bis hin zur intellektuellen Elite Barcelonas ist für jeden was dabei.

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Seltsamerweise blieb dieses hinausposaunte Image immer diffus. Konkrete politische Aktionen gingen von diesem Verein niemals aus - dasselbe gilt andersherum übrigens auch für Real Madrid. Wurde Barca zu Francos Zeiten wirklich benachteiligt? Beweise gab es nie, immer nur nebulöse Vermutungen.

Immerhin konnte der FC Barcelona auch in trübsten politischen Zeiten mit staatlicher Unterstützung das größte Stadion Europas bauen und bekam Zugriff auf Weltstars wie Kubala, Kocsis oder Neeskens. Wettbewerbsnachteil?

Nehmen wir das Jahr 1973: Johan Cruyff wechselt zum gutmenschlichen Barca, sein deutsches Gegenstück Günter Netzer zeitgleich zum bösen imperialistischen Real - kurz darauf gefolgt von Paul Breitner. Netzer und Breitner also Büttel eines faschistischen Diktators? Also bitte, spätestens hier ist das von Barca propagierte Geschichtsbild nichts anderes als eine windschiefe Hütte.

Was im Kern bleibt ist der Stolz der Katalanen. Und deswegen war das Trikot stets mehr Nationaltrikot als Club-Jersey.

Daher so kompliziert mit Brustsponsor, Fanbasis schnell in Aufruhr. Deswegen der fünfjährige Prozess der Desensibilisierung, quasi Allergikerprogramm.

Man entwöhnte die Anhänger zunächst mit unhistorischen roten Hosen, für drei Jahre wurden die zwei schönen breiten Bruststreifen durch sechs zaunlattendünne ersetzt - und dann kam noch die Feigenblattnummer mit der UNICEF. Die Fans sollten sich daran gewöhnen, wie so ein Schriftzug vornedrauf aussieht.

Zudem eine positive Publicity, die die Kosten von 1,5 Millionen Euro pro Jahr lässig wieder reinspielte: "Barca kooperiert mit UNICEF!"

Diese Hilfsorganisation ist zwar weltbekannt, hat aber hohe Verwaltungskosten und teilweise dubiose Geschäftspraktiken. UNICEF Deutschland z.B. wurde das DZI-Spendensiegel entzogen, weil beträchtliche Provisionen bei der Spendenvermittlung gezahlt wurden.

Sei's drum. Kommen wir zur neuen Traumpartnerschaft zwischen dem FC Barcelona und der Quatar Foundation. Eine gemeinnützige Stiftung für Bildung, Forschung und Entwicklung soll das also sein?

Wurde uns auf der PK verkündet. Wäre dem wirklich so, dann sollte sich der FC Barcelona aber flugs schämen, armen Kindern jährlich 30 Millionen Euro abzuzwacken!

Eine ekelhafte Heuchelei sondergleichen ist diese ganze Angelegenheit. Die Quatar Foundation steht einzig und allein für die Ausbildung von zukünftigen Ingenieuren und Naturwissenschaftlern im eigenen Land.

Auf der Pressekonferenz des FC Barcelona wurde der Eindruck erweckt, als ginge es bei dieser Einrichtung um Bücherbeschaffung oder Lehrerausbildung für arme Gebiete. Blödsinn! Gemeinnutz im Sinne des katarischen Scheichs!

Die Quatar Foundation hat Geld ohne Ende und ist ausschließlich elitär - das Internat Schloß Salem ist dagegen eine Klippschule.

Und der FC Barcelona verfolgt mit dieser Kooperation keinerlei hehren Ziele. Er sichert sich einfach den mit Samt ausgeschlagenen Koffer, den Franz Beckenbauer bei der WM-Vergabe hatte stehen lassen.

Damit wir uns nicht falsch verstehen, das darf der Verein alles gerne machen, ist ja ein Wirtschaftsunternehmen.

Aber liebes Barca, verschont uns bitte mit irgendeiner Moral. Sonst übersetzt Euch noch Sepp Blatter das Vereinsmotto in Englische: "mes que un club - we care about football!"

Bis nächste Woche,Euer Uwe Morawe

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