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Otto Pfister führte die Nationalmannschaft Togos zur WM 2006 © getty

Im SPORT1-Interview spricht "Mr. Afrika" über den kongolesischen Außenseiter im Klub-WM-Finale und Inters Samuel Eto'o.

Von Philipp Langer

München - Kaum ein anderer deutscher Trainer kennt den afrikanischen Fußball so wie Otto Pfister.

Der 73-Jährige blickt auf eine jahrelange Erfahrung zurück, trainierte bereits mehrere Vereins- und Nationalmannschaften in Afrika.

1992 wurde der gebürtige Kölner sogar zum "Trainer des Jahres" in Afrika gewählt. Bei der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland betreute er die Nationalmannschaft Togos - mit Kamerun wurde er 2008 Vize-Afrikameister.

Im SPORT1-Interview blickt der Afrika-Experte jetzt auf das Finale der Klub-WM zwischen Inter und dem kongolesischen Außenseiters TP Mazembe Englebert (ab 17.55 Uhr LIVE auf ) und bewertete die Chancen des Außenseiters.

SPORT1: Herr Pfister, zum ersten Mal in der Geschichte steht ein afrikanischer Verein im Finale der Klub-WM. Wie schätzen Sie TP Mazembe Englebert ein?

Otto Pfister: Mazembe spielt jetzt schon das zweite Jahr in Folge in der afrikanischen Champions Legaue vorne mit. Zudem besteht der Kader praktisch aus der halben Nationalmannschaft des Kongos.

SPORT1: Für Sie ist der Finaleinzug demnach keine Überraschung?

Pfister: Man kann schon sagen, dass sie in Lubumbashi unter professionellen Bedingungen arbeiten. Dennoch sind sie eine große Überraschung. Auch wenn die Klub-WM nicht so einen großen Stellenwert hat, ist das für die Afrikaner schon eine tolle Sache. Eine Chance haben sie gegen Inter Mailand meiner Meinung nach aber trotzdem nicht.

SPORT1: Ist der Verein durch den Finaleinzug trotzdem die Hoffnung für den afrikanischen Kontinent?

Pfister: Nein, sicher nicht. Zwar wird die afrikanische Presse das irgendwie hochspielen, aber die Klub-WM ist natürlich auch in Afrika längst nicht so populär wie der Afrika-Cup oder die Weltmeisterschaft. In Deutschland interessiert sich schließlich auch kein Mensch dafür, so lange kein deutscher Verein teilnimmt.

SPORT1: Glauben Sie, dass Mazembe in den nächsten Jahren eine besondere Rolle in Afrika spielen kann?

Pfister: In Afrika herrscht immer ein Kommen und Gehen. Eine Zeit lang war Al Ahly Kairo sehr erfolgreich ? die waren unter anderem 2006 dritter bei der Klub-WM. Die haben jahrelang den Klubfußball in Afrika dominiert, aber jetzt hat sich das wieder verschoben.

SPORT1: Wie kommt das? Können Sie kurz die Besonderheiten im afrikanischen Fußball beschreiben?

Pfister: Afrikanische Mannschaften sind generell sehr schwer zu spielen, vor allem bei Heimspielen sind sie meist sehr stark. Das Klima ist natürlich ein entscheidender Faktor und die Atmosphäre ist halt entsprechend. Nicht vergessen darf man natürlich die Fußball-Begeisterung der Afrikaner.

SPORT1: Und bezogen auf den Kongo?

Pfister: Ich habe selbst drei Jahre im Kongo gearbeitet. Was viele vergessen, ist, dass das ein Land ist, in dem seit 20 Jahren Krieg herrscht und trotzdem ? und das ist das Schöne und Spezielle am Fußball ? sind sie in der Lage so eine Mannschaft wie jetzt Mazembe aufzustellen.

SPORT1: Beim zweiten Finalisten, Inter Mailand, spielt mit Samuel Eto'o einer der aktuell besten afrikanischen Spieler. Mit was für einem Gefühl geht er in die Partie?

Pfister: Ich habe ihn eineinhalb Jahre trainiert und bin mir sicher, dass er mit einer ganz professionellen Einstellung in das Spiel geht. Mailand hat mit dem Kenianer McDonald Margia und Sulley Muntari aus Ghana ohnehin zwei weitere Spieler aus Afrika. Doch Fußball ist ein knallhartes Geschäft: Da geht es nur um Prestige, Siege und Geld. Die Verbindung zu Afrika spielt nur eine untergeordnete Rolle.

SPORT1: Und welchem Verein drücken Sie im Finale die Daumen?

Pfister: Das wäre schon ein tolles Ding, wenn TP Mazembe das Spiel gewinnen würde, aber sie werden es sehr schwer haben. Ein Sieg würde dem afrikanischen Fußball aber in jedem Fall einen Schub verleihen und weiter nach vorne bringen.

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