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Lionel Messi schied bei der WM mit Argentinien gegen Deutschland aus © getty

Lionel Messi ist Weltfußballer des Jahres 2010. Bei den Frauen siegt einmal mehr die Brasilianerin Marta. Auch Neid jubelt.

Aus Zürich berichtet Martin Volkmar

Zürich - Lionel Messi ist wie schon 2009 auch 2010 Weltfußballer des Jahres.

Der Argentinier gewann etwas überraschend wie schon im Vorjahr die von FIFA und "France Football" erstmals gemeinsam veranstaltete Wahl vor seinen Barca-Teamkollegen Andres Iniesta und Xavi.

Aufgrund des WM-Titels mit der "Seleccion" in Südafrika hatte vor allem Iniesta, 1:0-Siegtorschütze im Finale gegen die Niederlande, als Favorit gegolten.

Nie zuvor standen drei Spieler aus demselben Verein in der End-Auswahl.

"Nicht erwartet"

Die Auszeichnung war zum ersten Mal mit der Wahl des Weltverbandes zum "FIFA Golden Ball" zusammengelegt worden.

Der 23-jährige Messi, der mit Barca den Meistertitel in Spanien verteidigt hatte, erhielt die Trophäe auf einer Gala im Züricher Kongresshaus (335321DIASHOW: Die Bilder der Gala).

"Ich habe nicht erwartet, den Preis zu bekommen", sagte Messi in Zürich. "Es ist ein großes Glück mit meinen Freunden und meiner Familie hier zu sein und diese Auszeichnung zu erhalten."

Keine Missgunst bei Xavi

Der unterlegene Xavi missgönnt Messi den Triumph keineswegs.

"Wenn wir anderen uns überhaupt Hoffnungen auf den Ballon d'Or machen dürfen, dann nur, weil Argentinien keine gute WM gespielt hat. Sonst wäre jetzt schon alles klar", erklärte er vor der Preisvergabe:

"Messi ist der Beste von allen, er ist sogar besser als Maradona. Es werden noch 30 Jahre vergehen, und wir werden noch immer keinen Besseren haben als Messi."

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"Die Auszeichnung gilt Barca"

Xavis Befund: "Egal, wer von uns dreien gewinnt, die Auszeichnung gilt Barca."

Sie ist zudem eine Auszeichnung für die exzellente Jugendarbeit des spanischen Meisters, bei dem alle drei in der Jugendakademie "La Masia" ausgebildet wurden.

"Als Xavi, Leo und Andres aus der Jugend kamen, waren sie noch keine Goldener-Ball-Kandidaten", sagte Barca-Coach Josep Guardiola.

"Sie haben diesen Status erreicht durch einen Prozess und durch die Geduld, die der Verein hatte."

Erstmals "FIFA Golden Ball"

Die Ehrung von Europas Fußballer und Weltfußballer war im vergangenen Sommer zum "FIFA Golden Ball" zusammengelegt worden.

Der 26-jährige Iniesta, der Spanien mit seinem 1:0-Siegtreffer im Finale gegen die Niederlande zum ersten WM-Titel geschossen hatte, war als Favorit ins Rennen gegangen.

Mourinho bester Trainer

Als bester Trainer des Jahres wurde Real Madrids Coach Jose Mourinho für seine drei Titel in der vergangenen Spielzeit mit Inter Mailand ausgezeichnet.

Nominiert in der End-Auswahl waren zudem Guardiola und Spaniens Weltmeister-Trainer Vicente del Bosque.

Marta schlägt Prinz erneut

Weltfußballerin wurde zum fünften Mal in Folge die Brasilianerin Marta, die ihre deutschen Konkurrentinnen Birgit Prinz und Fatmire Bajramaj hinter sich ließ.

Immerhin einen Titel holten die DFB-Vertreter aber: Bundestrainerin Silvia Neid wurde als beste Trainerin geehrt und verwies ihre U-20-Kollegin Maren Meinert sowie US-Frauencoach Pia Sundhage aus Schweden auf die Plätze.

"Ich freue mich sehr über diese Auszeichnung", sagte Neid. "Aber ohne meine Spielerinnen, die Unterstützung des Verbandes, meine Crew und die gute Zusammenarbeit mit der Liga würde ich nicht hier stehen."

Altintop erzielt Tor des Jahres

Einen weiteren Titel nach Deutschland holte der gebürtige Gelsenkirchener Hamit Altintop.

Der Profi des FC Bayern erhielt für seinen Treffer im EM-Qualifikationsspiel der Türkei gegen Kasachstan den Puskas-Preis für das schönste Tor des Jahres.

Blatter widerspricht Kritik an Katar-Vergabe

Die Gala im Züricher Kongresshaus, bei der zahlreiche aktuelle und früheres Weltstars anwesend waren, wurde in 170 Länder übertragen.

Sie war allerdings überschattet von den zahlreichen Skandalen und Korruptionsvorwürfen in der FIFA, unter anderem bei der umstrittenen Vergabe der WM-Endrunden 2018 an Russland und besonders 2022 an Katar.

Blatter wehrte sich in seiner Begrüßungsrede gegen die massive Kritik. Wirtschaftliche Gründe hätten keine entscheidende Rolle gespielt, sondern das Ziel, die WM in allen Teilen der Welt auszutragen, erklärte der Schweizer.

Barcas Familienausflug nach Zürich

Das alles konnte die Freude und den Stolz beim FC Barcelona allerdings nicht mindern. Die Katalanen hatten den Kurztrip nach Zürich, das sie noch am Abend wieder mit ihren zwei Learjets verließen, zu einer Art Familienausflug gemacht.

Neben Vereinsboss Sandro Rosell und zahlreichen Familienangehörigen waren auch die Profis Dani Alves, Gerard Pique, Carles Puyol, Javier Mascherano und David Villa an Bord.

Sechs von ihnen standen in der Welt-Elf 2010, die von über 50.000 Profis gewählt worden war und in der sich kein einziger Deutscher wiederfand.

Die Auszeichnungen im Überblick:

Weltfußballer: Lionel Messi (Argentinien/FC Barcelona)

Weltfußballerin: Marta (Brasilien)

Trainer des Jahres: Jose Mourinho (Portugal/Real Madrid)

Trainerin des Jahres: Silvia Neid (Deutschland)

Puskas-Preis für das schönste Tor des Jahres: Hamit Altintop (Türkei/Bayern München)

FIFA Fair Play Award: Hayana Jean-Francois (Haiti/Kapitän der U-17-Juniorinnen)

Presidential Award: Desmond Tutu (Südafrika)

FIFA/FIFPro-Elf des Jahres: Casillas (Tor), Puyol, Pique, Lucio, Maicon (Abwehr), Iniesta, Xavi, Sneijder (Mittelfeld), Cristiano Ronaldo, Villa, Messi (Sturm)

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