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Katar erhielt im Dezember 2010 den Zuschlag für die Ausrichtung der WM 2022 © getty

Katar sorgt beim Asien-Cup unter den Touristen für Begeisterung. Der Fußball ist im Gastgeberland jedoch noch nicht angekommen.

Doha - Die Sonne brennt, der Anpfiff naht, und Takumi Kato hat Durst.

"Jetzt wäre ein kaltes Bier genau richtig", sagt der Fan der japanischen Nationalmannschaft und zuckt mit den Achseln.

Sein Wunsch bleibt unerfüllt: Alkohol gibt es nicht in dem kleinen Qatar SC Stadium in Doha, nur Eistee, Rayyan Water oder den zuckersüßen Energydrink Pocari Sweat.

Sato hat viel erlebt auf seinen Fanreisen, war 2006 bei der WM in Deutschland und vier Jahre später in Südafrika.

(Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: die SPORT1 News)

Katar "viel zu ruhig"

"Alles tolle Erlebnisse", sagt der 28-Jährige. Mit Katar wird er dagegen nicht richtig warm. "Hier ist es viel zu ruhig. Es gibt keine Party, kein Bier, keine Discos. Abends sitzen wir im Hotel und wissen nicht, was wir machen sollen", sagt der Allesfahrer.

Nach der Vorrunde tritt Sato die Heimreise an.

Dabei präsentiert sich Katar beim Asien-Cup als nahezu perfekter Gastgeber. Die Stadien sind topmodern, blitzeblank und bestens ausgeschildert. Die Ordner sprechen fließend Englisch, lächeln um die Wette und begleiten jeden Zuschauer bis zum Sitzplatz.

In Dohas Zentrum gibt es sogar eine Art Fanmeile - doch die bleibt meistens menschenleer. Von Fußball-Flair ist trotz aller Anstrengungen nicht viel zu spüren in dem kleinen Wüstenstaat.

Enttäuschende Zuschauerzahlen

Die größte Enttäuschung bei dem Asien-Turnier, das der Welt derzeit einen Vorgeschmack auf die WM 2022 gibt, sind die Zuschauerzahlen. Wenn nicht gerade Katar oder Nachbar Saudi-Arabien spielt, verirren sich im Schnitt nur 6000 Fans in die Arenen.

Dabei gibt es Tickets schon ab 15 Rial, etwa drei Euro. Für eine der reichsten Nationen der Welt ein Spottpreis. Doch der geneigte Katari lebt seine Leidenschaft lieber beim Kamelrennen aus.

Wer 2022 dennoch nach Katar reist, darf sich auf bleibende Eindrücke freuen. Etwa die in schneeweißen Gewändern, den Dischdaschas, gekleideten Fans, die in der Halbzeitpause ihren Gebetsteppich gen Mekka ausrollen.

Girbah statt Vuvuzela

Oder auf 90-minütige Berieselung aus der Girbah, einem dem Dudelsack ähnlichen Instrument. Vuvuzela war gestern. Oder auf Fans, die den Sieg ihrer Mannschaft mit rasanten Fahrten im Geländewagen feiern. Bei Spritpreisen von 22 Cent pro Liter (!) kein Problem.

Mit anderen Vorurteilen räumt Katar derweil auf. Überraschend viele Frauen sitzen bei der Asienmeisterschaft in den Stadien, zum Teil verschleiert, zum Teil im Fantrikot.

Und am Kiosk gibt es alles, was das westliche Herz begehrt: Pizza, Nachos und Chips. Geröstete Sonnenblumenkerne sind schon das exotischste, was es in den Arenen zu kaufen gibt.

"Menschen unglaublich freundlich"

Auch Paul Myron weiß das zu schätzen und beißt in seine Thunfisch-Pizza. Der Australier, der mit seiner Frau und zwei Söhnen den "Socceroos" um den Globus folgt, ist von Katar begeistert.

"Die Hotels sind erstklassig, die Kultur faszinierend und die Menschen unglaublich freundlich", sagt der 38-Jährige in der Halbzeitpause des Spiels gegen Indien: "Morgen fahren wir auf den Dünen Ski. Was will man mehr?"

Die Antwort gibt er sich gleich selbst: "Na gut, eines geb ich zu: Ein kaltes Bier wäre jetzt nicht schlecht."

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