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Jacques Rogge (l.) ist seit 2001 Präsident des IOC, Sepp Blatter seit 1998 FIFA-Chef © getty

Blatter entschuldigt sich bei Jacques Rogge. Einige Mitglieder des IOC sehen einen wenig tauglichen Ablenkungsversuch.

München - Eine Woche nach seiner heftigen Kritik am Internationalen Olympischen Komitee (IOC) hat sich Joseph S. Blatter bei Jacques Rogge entschuldigt.

In einem Telefonat am Mittwochabend versuchte der Präsident der FIFA, dem IOC-Chef zu erklären, was ihn zu den Angriffen auf das IOC verleitet hatte, dessen Mitglied er selbst seit 1999 ist.

"Sache ist vom Tisch"

"Die Sache ist nun vom Tisch. Ich will dazu nicht mehr viel sagen", sagte Rogge, dessen Pressechef Mark Adams zuvor ebenfalls keine näheren Angaben über den Inhalt der Unterredung gemacht hatte.

"Der Präsident hat mich nicht über Details unterrichtet", sagte der britische IOC-Sprecher.

Blatter hat sich nach Angaben eines IOC-Exekutivmitglieds nicht nur von einigen Aussagen distanziert, sondern gleichzeitig auch erklärt, er sei bei seinen Anmerkungen während der Asienmeisterschaft in Doha missinterpretiert und nicht korrekt zitiert worden.

Prinzessinnen und Könige

Die vergangenen Freitag geäußerte Kritik des Schweizer FIFA-Chefs las sich harsch.

Blatter warf der Regierung des Weltsports vor, sie habe zu wenig Transparenz und gehe mit ihrem Geld um wie eine Hausfrau: "Sie erhält etwas Geld und gibt etwas Geld aus."

Falls jemand wissen wolle, wo es in der Welt noch Prinzen, Prinzessinnen und Könige gebe, "der soll sich die Liste des IOC ansehen. Er wird dort eine ganze Menge finden."

Die Fifa hat andere Regeln

Zugleich provozierte Blatter das IOC auch mit seiner Absichtserklärung, die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar im Winter auszutragen und damit in zeitlicher Nähe zu den Winterspielen.

IOC-Mitglieder sehen in beidem Blatters wenig tauglichen Versuch, von den massiven Korruptionsvorwürfen gegen die FIFA abzulenken.320256(DIASHOW: Die Bilder der WM-Vergabe)

Blatter fühlte sich vor seiner Kritik anscheinend von Rogge angegriffen. Dieser hatte die FIFA in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" hinsichtlich der Betrugsvorwürfe kritisiert und Aufklärung verlangt.

"Die FIFA hat nicht dieselben Regeln wie wir", stellte er fest. "Aber sie will ja nun eine Task Force einsetzen, die Änderungen prüfen soll. Wir begrüßen das sehr, ich glaube, es ist notwendig."

Ethik-Kommission untersucht

Zudem hatte das IOC angekündigt, dass seine Ethik-Kommission Korruptionsvorwürfen gegen FIFA-Funktionäre nachgehen wird, die zugleich Mitglieder des IOC sind.

Blatter hat mit seiner überraschenden Kritik am IOC auch die Olympische Charta verletzt. Als persönliches IOC-Mitglied ist er verpflichtet, "die Interessen der olympischen Organisation zu verteidigen".

Was verdient eigentlich Blatter?

Ein IOC-Mitglied: "Sepp Blatter fühlt sich nicht in erster Linie als IOC-Mitglied. Er ist in diesem Kreis ja nur vertreten als FIFA-Präsident. "Blatter hatte parallel zu seiner Kritik die Transparenz in seinem Verband gelobt: "Unsere Geschäftsbücher sind für jedermann offen."

Allerdings geben diese keine Auskunft über das Salär des hauptamtlichen FIFA-Präsidenten, der nach nicht bestätigten Schätzungen rund 1,5 Millionen Euro im Jahr für seine FIFA-Dienste erhält.

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